Erhebungsmethodik von Eurofound

Mit ihren Erhebungen verfolgt Eurofound das Ziel, hochwertige Informationen über die Qualität der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Europa bereitzustellen. Mit Blick auf die Verwirklichung dieses Ziels stellt jede Erhebung auf eine andere Zielgruppe ab, um spezifische Informationen zu gewinnen.

Die Erwerbstätigen gestellten Fragen der Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen sollen Aufschluss über die Qualität von Arbeit und Beschäftigung geben. Die Europäische Unternehmenserhebung wird unter Führungskräften und Arbeitnehmervertretern in Unternehmen durchgeführt, um Informationen über die Praktiken am Arbeitsplatz zusammenzutragen. Bei der Europäischen Erhebung zur Lebensqualität werden europäische Bürger befragt, um einen Einblick in ihre Lebensbedingungen und wahrgenommene Lebensqualität zu erhalten.

Ungeachtet dieser Unterschiede hinsichtlich der Zielgruppen strebt Eurofound wann immer möglich eine Harmonisierung der Erhebungsmethodik an, um dafür Sorge zu tragen, dass die im Rahmen einer Erhebung gewonnenen Erfahrungen bei späteren Erhebungen Berücksichtigung finden.

Wie bei allen Forschungsprojekten sind sowohl die Interessenträger von Eurofound als auch die Sachverständigen der einschlägigen Fachgebiete in die Entwicklung, Durchführung und Evaluierung jeder einzelnen Erhebungsrunde eingebunden und gewährleisten auf diese Weise deren Relevanz für die politischen Entscheidungsträger und Sozialpartner auf europäischer und nationaler Ebene.

Durch die Einbindung der Sachverständigen in die Konzeption der Fragebogen und die Einbeziehung unserer nationalen Sachverständigen in den Übersetzungsprozess soll sichergestellt werden, dass alle Fragen der jeweiligen Erhebung tatsächlich die realen Entwicklungen erfassen, auf die die Erhebung abstellt (Validität).

Durch die sorgfältige Auswahl repräsentativer Stichproben, den Einsatz modernster Technologie zur Bearbeitung der Fragebogen, die Beauftragung erfahrener Interviewer, die Durchführung profunder Schulungen in den Bereichen Befragung und Kodierung und durch die minutiöse Kontrolle der erhobenen Daten, ausgefeilte Gewichtungen und eine sachgerechte Analyse will Eurofound die Kohärenz der Messansätze der Erhebungen (Verlässlichkeit) gewährleisten.

Das Engagement von Eurofound, hochwertige Daten bereitzustellen, wird zudem in ihrer Qualitätssicherungsstrategie für Erhebungen verdeutlicht.

Stichprobenverfahren

Ganz gleich, ob es sich bei der Zielgruppe um europäische Bürger, Erwerbstätige oder Betriebe handelt: Es ist niemals möglich, bei allen Einheiten der Zielgruppe Informationen zu erheben. Daher wird eine Stichprobe von Befragten ausgewählt, die möglichst repräsentativ für die Grundgesamtheit ist.

Ziel von Eurofound ist es, die bestmöglichen Stichprobenrahmen heranzuziehen. In jedem Land wird versucht, Register zu finden, die mindestens 95 % der Zielgruppe erfassen. Für die ECS enthalten diese Register vorzugsweise Kontaktdaten betrieblicher Niederlassungen oder andernfalls von Unternehmen. Für die EWCS und die EQLS enthalten die Register in aller Regel Adresseninformationen von Haushalten und bisweilen von Einzelpersonen. Wenn bei der EWCS und der EQLS kein derartiges Register verfügbar ist, wird eine Liste möglicher Teilnehmer im so genannten Random-Walk-Verfahren generiert.

Durch die Ziehung hinreichend großer Stichproben soll gewährleistet werden, dass auf der Ebene der einzelnen Länder valide Ergebnisse gewonnen werden und die Verteilung der europäischen Bevölkerung hinreichend abgebildet wird,  damit allgemeine Schlussfolgerungen für Europa insgesamt gezogen werden können. Die erste Zielsetzung erfordert auf Länderebene eine Größe der Stichprobe von mindestens 1 000 Befragten, um die Fehlerspanne auf ein akzeptables Maß zu senken. Im Zusammenhang mit der zweiten Zielsetzung ist die Auswahl größerer Stichproben in bevölkerungsreicheren Ländern zu sehen, wie bei den jüngsten Erhebungsrunden der EWCS und der EQLS geschehen.

Kodierung

Mitunter ist es erforderlich, offene Fragen zu stellen, d. h. Fragen, für die keine Antwortmöglichkeiten unmittelbar vorgegeben werden. Dies kann unter Umständen z. B. bei der Frage nach Wirtschaftsbereichen der Fall sein. Der Interviewer hält zunächst die gegebene Antwort detailliert fest und ordnet sie später der entsprechenden Kategorie der europaweit geltenden statistischen Systematik der Wirtschaftszweige (NACE) zu.

Eine Kodierung ist für gewöhnlich bei offenen Fragen zu Einkommen und Bildungsstand (über ISCED) der Befragten sowie zur Region, in der sie leben (über NUTS), erforderlich.

Gewichtung

Sobald die Feldarbeit abgeschlossen ist, müssen die Datenreihen gewichtet werden, um verschiedene mögliche Verzerrungen in der Stichprobe zu korrigieren. So ist z. B. die unterschiedliche Auswahlwahrscheinlichkeit verschiedener Personen bei der Erhebung statistisch zu berücksichtigen. Je größer die Einheit (Haushalt/Unternehmen), in der die Personen leben oder arbeiten, um so geringer sind ihre Chancen, befragt zu werden. Zudem kann die unterschiedliche Bereitschaft zur Teilnahme an der Erhebung dazu führen, dass bestimmte Gruppen von Befragten unzureichend vertreten sind. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern hinsichtlich der Größe ihrer Erwerbsbevölkerung werden nicht (vollständig) auf die Größe der Stichprobe der einzelnen Länder übertragen, so dass mit Hilfe der Gewichtung sichergestellt wird, dass bevölkerungsreichere Länder bei den auf die gesamte EU bezogenen Ergebnissen stärker gewichtet werden.

Die europäische Arbeitskräfteerhebung (AKE) wird oftmals als Quelle für Bezugsdaten herangezogen, um abzuschätzen, in welchem Maße die Daten für die jeweilige Grundgesamtheit repräsentativ sind.

Die Methodik wird an die spezifischen Anforderungen jeder Erhebung angepasst. Weitere Informationen sind den Seiten zu den einzelnen Erhebungen zu entnehmen.