EWCS 2010 - Qualifikationen, Weiterbildung und berufliche Aussichten

Mehr Erwerbstätige nehmen an Weiterbildungsmaßnahmen teil

Kam Ihr Arbeitgeber im vergangenen Jahr für Ihre Fortbildung auf (oder Sie selbst, falls Sie selbständig sind)? (q61a)

Die europäische Politik zielt nicht nur darauf ab, die Zahl der Arbeitsplätze zu erhöhen, sondern strebt außerdem an, die Fähigkeiten und Fachkenntnisse der Erwerbstätigen zum Zweck der Steigerung der Produktivität besser zu nutzen. Um dies zu erreichen, wird unter anderem versucht, Bedingungen zu schaffen, welche den Erwerb von Fähigkeiten und die Selbstbestimmung der Erwerbstätigen fördern. Dabei spielen sowohl die Weiterbildung als auch die Arbeitsorganisation eine wichtige Rolle.

Die Fünfte Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen ergab, dass die Teilnahme an arbeitgeberfinanzierten Weiterbildungsmaßnahmen im Jahr 2010 den höchsten Stand seit 1995 (für EU-15) erreichte und 34 % der Erwerbstätigen in den zwölf Monaten vor der Erhebung an einer solchen Maßnahme teilgenommen hatten. Dieses Ergebnis bedeutet eine Unterbrechung der seit 15 Jahren beobachteten Stagnation im Bereich der arbeitgeberfinanzierten Weiterbildung (zwischen 2000 und 2005 war der entsprechende Anteil sogar gesunken).

„Die Bedeutung dieses Ergebnisses liegt darin, dass viele europäische Länder erkannt haben, wie wichtig Weiterbildung ist. Mit der Zeit wird sich herausstellen, ob dieser Trend nachhaltig ist. Allerdings ist es durchaus möglich, dass das wirtschaftliche Umfeld hierbei eine bedeutsame Rolle gespielt hat“, so Maija Lyly-Yrjänäinen, Forschungsleiterin bei Eurofound. „Bei vielen Kurzarbeitsregelungen war die Durchführung von Weiterbildungsmaßnahmen ein fester Bestandteil. Zudem ist es möglich, dass die Beschäftigten selbst aktiver waren.“

Darüber hinaus stieg der Anteil der Teilnehmer von Weiterbildungsmaßnahmen am Arbeitsplatz von 24 % der Erwerbstätigen im Jahr 2005 auf 30 % im Jahr 2010.

Das neue Survey Mapping Tool von Eurofound bietet Ihnen uneingeschränkten Zugang zu allen Daten der Fünften Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen mit zweckdienlichen und ansprechenden grafischen Darstellungen der Entwicklungen bei den Arbeitsbedingungen zwischen 1991 und 2010.

Nicht alle Beschäftigten haben die gleichen Weiterbildungschancen 

Bei der Fünften Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen wurde festgestellt, dass Beschäftigte mit unbefristeten Verträgen weitaus häufiger in den Genuss einer arbeitgeberfinanzierten Weiterbildung kommen als andere Arbeitnehmer: Im Jahr 2010 nahmen 39 % der Beschäftigten mit unbefristeten Verträgen an solchen Maßnahmen teil, gegenüber nur 26 % der anderen Arbeitnehmer.

„Aus unseren Ergebnissen geht eindeutig hervor, dass die Art des Arbeitsvertrags mit dem Unternehmen einen großen Einfluss hat“, stellt Greet Vermeylen, Forschungsleiter bei Eurofound, fest. „Wenn Sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben, stehen Ihre beruflichen Weiterentwicklungschancen wesentlich besser, Sie lernen mehr und müssen Herausforderungen bewältigen: Dies alles zusammen genommen trägt letztendlich zu einem besseren und anregenderen Arbeitsumfeld bei.“

Kam Ihr Arbeitgeber im vergangenen Jahr für Ihre Fortbildung auf?

Beschäftigungsstatus: Beschäftigte mit unbefristeten Verträgen

Auch zwischen den einzelnen Berufsgruppen waren Unterschiede zu beobachten. Hoch qualifizierte Angestellte schneiden diesbezüglich am besten ab, wobei 47 % dieser Beschäftigten arbeitgeberfinanzierte Fortbildungen erhalten, gegenüber 36 % der geringer qualifizierten Angestellten. Zwar war im Hinblick auf die Teilnahme an arbeitgeberfinanzierten Weiterbildungsmaßnahmen zwischen 2000 und 2010 in allen Berufsgruppen eine zunehmende Tendenz zu verzeichnen, jedoch wurde für Arbeiter ein höherer Anstieg festgestellt als für Angestellte, wobei der Anteil der Arbeiter, die eine Weiterbildung erhielten, von 18 % auf 22 % stieg. Ungeachtet dessen erhalten Arbeiter nach wie vor weniger Fortbildungen als Angestellte.

Das Alter ist ebenfalls ein wichtiger Faktor: 30 % der über 50-jährigen Arbeitnehmer erhielten eine arbeitgeberfinanzierte Weiterbildung, gegenüber 36 % der Arbeitnehmer zwischen 30 und 49 Jahren. Der Unterschied zwischen den Altersgruppen ist jedoch rückläufig.

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In den letzten fünf Jahren schnellte die arbeitnehmerfinanzierte Weiterbildung um 50 % in die Höhe

Der Fünften Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen zufolge hat jeder zehnte Erwerbstätige (9 %) im Jahr 2010 seine Weiterbildung selbst finanziert. Dies stellt eine Zunahme um 50 % im Laufe der vergangenen fünf Jahre dar.

„Zwar ist eine Zunahme der Weiterbildung begrüßenswert – und dies entspricht auch den Zielsetzungen der europäischen Politik –, diese Feststellung muss jedoch differenziert und im Zusammenhang interpretiert werden: Niemand würde nämlich behaupten, dass Weiterbildungsmaßnahmen in großem Umfang angeboten werden“, so Agnès Parent-Thirion, Leiterin des Referats Erhebungen und Trendanalyse bei Eurofound. „Es sind auch die am besten ausgebildeten Arbeitnehmer, die Weiterbildungen erhalten und dafür bezahlen. Die Unterschiede zwischen hoch qualifizierten Angestellten und gering qualifizierten Arbeitern sind in Bezug auf die Weiterbildung insgesamt hoch, betrachtet man allerdings nur die von den Arbeitnehmern selbst finanzierten Weiterbildungen, dann sind sie signifikant höher.

Das Verhältnis zwischen arbeitgeberfinanzierten Weiterbildungen für hoch qualifizierte Angestellte und gering qualifizierte Arbeiter verschiebt sich von 1:2 auf 1:5, wenn man darüber hinaus die von Arbeitnehmern finanzierten Weiterbildungen berücksichtigt.

Diese Ergebnisse bestätigen, dass die zunehmenden Qualifikationen der Arbeitskräfte eine ehrgeizige und mehrstufige Politik erfordern, bei der alle Akteure ihre Rolle wahrnehmen.

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