Arbeitsbeziehungen im Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie

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  • Date of Publication: 07 január 2002



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Der Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) wächst, was die wirtschaftliche Entwicklung und die Beschäftigung betrifft, über die Arbeitsbeziehungen in diesem Sektor ist jedoch noch sehr wenig bekannt. In der vorliegenden Vergleichsstudie soll dieser Bereich näher beleuchtet und dabei die Auswirkungen und die Merkmale von Tarifverhandlungen in der IKT sowie die Rolle und die Mitgliedschaft in Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbänden untersucht werden. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie besagt, dass sich die Arbeitsbeziehungen in den drei Hauptsegmenten des Sektors – Hardware/Verarbeitung, Telekommunikation und Software/Dienstleistungen – deutlich unterscheiden. Während auf die ersten zwei Segmente eher traditionelle Muster in mehr oder weniger starker Ausprägung zutreffen, stellt der Bereich Software und Dienstleistungen 'eine eigene Welt' dar – die in letzter Zeit auftretenden Probleme in der 'Neuen Wirtschaft' könnten dazu beitragen, dass sich die Arbeitsbeziehungen in diesem Bereich normalisieren.

Es gibt mehrere Gründe, warum der Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) für eine Untersuchung von Arbeitsbeziehungen besonders interessant ist. Erstens ist dieser Sektor relativ jung und damit interessant, um das Entstehen von Mustern bei den Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen zu untersuchen (zum Beispiel werden in einigen Ländern neuerdings Tarifverträge in Unternehmen ausgehandelt, die ursprünglich jegliche Tarifverhandlungen ablehnten). Zweitens ähnelt der durchschnittliche Angestellte der IKT-Unternehmen oft eher einem hoch qualifizierten 'unabhängigen Experten' als einem durchschnittlichen Angestellten, an den man bei der Untersuchung von Arbeitsbeziehungen normalerweise denkt. Drittens wird der Sektor stark von den Vereinigten Staaten beeinflusst und geprägt, was gewisse Auswirkungen auf die Arbeitsbeziehungen hat, wie z. B. die allgemeine Einstellung zu Gewerkschaften. In den Niederlanden wurden die Gewerkschaften im IKT-Sektor beispielsweise zum Teil durch Betriebsräte ersetzt. Viertens handelt es sich um einen dynamischen Sektor, der im Wachstum begriffen ist und viele neue Arbeitsplätze schafft.

Der IKT-Sektor umfasst viele verschiedene Aktivitäten und Unternehmen. Wir beziehen uns hier auf die Definition, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 1998 zu statistischen Zwecken erstellte. Die darin enthaltene Definition des IKT-Sektors basiert auf den folgenden Prinzipien:

  • In der verarbeitenden Industrie müssen die Erzeugnisse einer für die Einbeziehung in den IKT-Sektor in Frage kommenden Branche folgende Funktionen erfüllen: Datenverarbeitung und Kommunikation, einschließlich Übertragung und Anzeige, Verwendung elektronischer Verfahren, um physikalische Phänomene aufzuzeigen, zu messen und/oder zu erfassen oder ein physikalisches Verfahren zu steuern.
  • Im Dienstleistungsgewerbe müssen die Erzeugnisse einer bestimmten in Frage kommenden Branche folgende Funktionen erfüllen: elektronische Datenverarbeitung und Kommunikation.

In dieser Vergleichsstudie des Europäischen Observatoriums für die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen (EIRO), die mit der Unterstützung der nationalen Zentren des EIRO in den 15 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen durchgeführt wurde, wurden drei Segmente innerhalb des IKT-Sektors ermittelt: Hardware und Verarbeitung, Telekommunikation sowie Software und Dienstleistungen. Die Studie umfasst folgende Elemente:

  • kurze Beschreibung des IKT-Sektors, insbesondere der Beschäftigungsstufen und -merkmale;
  • Analyse der Tarifverhandlungen in der IKT;
  • Analyse der Entstehung, Rolle und Stellung von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden im IKT-Sektor;
  • Untersuchung von Umstrukturierungsprozessen und Arbeitskämpfen;
  • Überprüfung der (wenigen) Untersuchungsergebnisse zu Arbeitsbeziehungen in der IKT und
  • Anmerkungen zu den Aussichten für die Arbeitsbeziehungen in diesem extrem vielfältigen Sektor.

Fakten und Zahlen über den IKT-Sektor

Diese Vergleichsstudie bezieht sich auf die Arbeitsbeziehungen im IKT-Sektor. Bei der Beschreibung des Sektors konzentrieren wir uns daher auf Beschäftigungsmerkmale. Detailliertere Informationen und Statistiken zu anderen Aspekten des Sektors bieten andere Studien, wie z. B. die OECD-Studie Measuring the ICT sector. Im folgenden Abschnitt werden die Beschäftigungsentwicklung in den verschiedenen Bereichen des IKT-Sektors, die Größe der Unternehmen und das Vorkommen von Telearbeit und 'wirtschaftlich abhängiger' Arbeit beschrieben.

Beschäftigung

Seit den 70er Jahren ist die Beschäftigung im IKT-Sektor insgesamt kontinuierlich gestiegen. In Italien ist die Beschäftigung im IKT-Sektor in den vergangenen Jahren drei- oder viermal schneller gestiegen als bei den Fertigungs- und Dienstleistungsunternehmen zusammen. In Dänemark ist die Gesamtbeschäftigung im IKT-Sektor von 1992 bis 1998 um 20 % gestiegen, was weit über der allgemeinen Beschäftigungswachstumsrate im gleichen Zeitraum liegt (3,5 %). In Finnland ist die Beschäftigung im IKT-Sektor zwischen 1976 und 2000 um das Siebenfache gestiegen. Frankreich kann seit 1995 ein starkes Wachstum im IKT-Sektor verzeichnen. Diese Wachstumsrate liegt hier viel höher als in anderen Sektoren: 1998 stieg die Beschäftigung im IKT-Sektor um 8,6 % im Vergleich zum Vorjahr, wohingegen die Wachstumsrate allgemein nur bei 1,2 % lag.

Was den Anteil an der Gesamtbeschäftigung angeht, gilt der IKT-Sektor immer noch als einer der wichtigsten Sektoren. Der Anteil an der Gesamtbeschäftigung liegt zwischen 1,1 % (Griechenland) und etwa 5 % (Vereinigtes Königreich), wobei sich der Wert bei den meisten Ländern zwischen 2,9 % und 3,9 % bewegt. Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Sektors hinsichtlich des Umsatzes liegt jedoch viel höher als die Beschäftigungszahlen vermuten lassen. Im Jahr 2000 wurden im IKT-Sektor 6,3 % des BIP in Westeuropa erwirtschaftet. In Griechenland macht der IKT-Sektor zwar nur 1,1 % der Gesamtbeschäftigung aus, es werden in diesem Sektor aber 6 % des BIP erwirtschaftet.

Uneinheitliches Wachstum

Wenn wir uns nun näher mit den verschiedenen Bereichen des IKT-Sektors beschäftigen, stellen wir fest, dass das Beschäftigungswachstum sich sehr uneinheitlich darstellt. Im Bereich Hardware und Verarbeitung ist die Beschäftigung in vielen Ländern gesunken. Der Bereich Software und Dienstleistungen konnte jedoch bei der Beschäftigung eine Wachstumsrate im zweistelligen Bereich verzeichnen. In Dänemark sind die Beschäftigungszahlen in der verarbeitenden Industrie zwischen 1992 und 1998 leicht zurückgegangen, während sie im IKT-Dienstleistungsbereich um über 30 % gestiegen sind. In Deutschland hat die Zahl der Beschäftigen im Bereich der IKT-Dienstleistungen pro Jahr um zwischen 10 % und 16 % zugenommen. In den Bereichen Verarbeitung und Telekommunikation kam es entweder zu einer Stagnation oder einer erheblichen Reduzierung der Beschäftigungszahlen. In Norwegen waren die Beschäftigungszahlen in den Bereichen Verarbeitung, IKT-Groß- und Einzelhandel sowie Telekommunikation zwischen 1995 und 1999 recht stabil, während die Beschäftigungszahlen im Bereich Computer und zugehöriger Tätigkeiten sich fast verdoppelte. In Portugal sind die Gesamtbeschäftigungszahlen im IKT-Sektor zwischen 1985 und 1998 gesunken. Eine gegenläufige Entwicklung war mit einer Verdopplung der Beschäftigungszahlen indes im Bereich der IKT-Dienstleistungen zu beobachten.

In letzter Zeit scheinen die hohen Wachstumsraten im Software- und Dienstleistungssektor jedoch abzuflauen. Der Kursverlust bei den Technologieaktien und die Zurückhaltung bei der Investition in Dotcom-Unternehmen hat zu einem Rückgang der Einstellungszahlen in Dotcom-Startups geführt. Mehrere Softwarehäuser haben um Zahlungsaufschub gebeten und andere mussten sogar Konkurs anmelden.

Große und kleine Unternehmen

Allgemein dominieren große Unternehmen den Telekommunikationsbereich, während im Software- und Dienstleistungsbereich vor allem kleine Unternehmen tätig sind, abgesehen von einigen wichtigen Ausnahmen, wie z. B. Microsoft und SAP. Der Hardwarebereich liegt zwischen diesen beiden Extremen. Mit der Zeit scheint die durchschnittliche Größe der Unternehmen zu sinken.

Im Telekommunikationsbereich hing dies vor allem mit der Liberalisierung der Märkte in Europa zusammen (Privatisation and industrial relations), die sowohl mit Teilungen von Unternehmen als auch mit der Gründung neuer Unternehmen einherging. Besonders im Software- und Dienstleistungsbereich sind viele kleine und sehr kleine Unternehmen gegründet worden. Der Rückgang der durchschnittlichen Größe hat sich – auch wenn andere spezifische Merkmale des Sektors außer Acht gelassen werden – sehr stark auf die Arbeitsbeziehungen ausgewirkt. Es ist allgemein bekannt, dass die Mitgliedschaft in Gewerkschaften und die Abdeckung durch Tarifabkommen mit der Größe eines Unternehmens zunehmen.

Beschäftigungssituation: Mangel an Arbeitskräften

Der allgemeine Eindruck des IKT-Sektors ist oft von kontinuierlichem Wachstum und permanentem Arbeitskräftemangel gekennzeichnet. Dies trifft auf den Software- und Dienstleistungsbereich im Großen und Ganzen zu. Aus fast allen Ländern wird ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, wie z. B. Technikern, Systementwicklern, Softwareentwicklern oder Internetspezialisten gemeldet. Im Hardwarebereich und im Telekommunikationsbereich zeichnet sich jedoch nicht ein so deutliches Bild ab. Seit einigen Monaten ist die Situation im Software- und Dienstleistungsbereich allerdings auch im Wandel begriffen – siehe unten unter 'Arbeitsmarkt, Umstrukturierung und Arbeitskampf'.

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in der IKT hat viele Regierungen dazu bewogen, entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten einzurichten oder andere Maßnahmen zu ergreifen. 1998 hat die Regierung Irlands einen Education Technology Investment Fund ins Leben gerufen, mit dessen Hilfe dafür gesorgt werden soll, dass mehr ausreichend ausgebildete Hochschulabsolventen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise soll der Arbeitskräftemangel bekämpft werden. Die deutsche Bundesregierung wird 2001 zusätzlich zu den zuvor vereinbarten 40.000 Ausbildungsplätzen im IKT-Bereich noch 20.000 weitere Ausbildungsplätze anbieten.

In mehreren Ländern wird bereits darüber diskutiert, ob der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften im IKT-Bereich durch Arbeitskräfte aus dem nichteuropäischen Ausland ausgeglichen werden könnte. In Dänemark wurde von Arbeitgeberseite der Vorschlag unterbreitet, Fachleute aus Indien einzustellen. Die Gewerkschaften lehnen dies ab. Sie sind der Meinung, dass das Problem auf nationaler Ebene gelöst werden sollte. Als Reaktion auf die Diskussion über den Arbeitskräftemangel hat die deutsche Bundesregierung im Jahr 2000 entschieden, 10.000 zeitlich beschränkte Arbeitserlaubnisse (sogenannte 'Greencards') einzuführen, die für fünf Jahre gültig sind. Diese sollten Fachleuten im Bereich Informationstechnologie (IT) aus nichteuropäischen Ländern erteilt werden (Work permits for computer experts cause controversy). Die Anzahl der Arbeitserlaubnisse kann, je nach Erfolg dieses ersten Projekts, in den kommenden Jahren auf 30.000 erhöht werden. Die Arbeitergeber müssen vor der Einstellung eines Experten aus dem Ausland nachweisen, dass sie keinen Deutschen mit den gleichen Qualifikationen finden konnten. Die Arbeitsbedingungen und Vergütung dieser Fachleute aus dem Ausland muss dem Standard der deutschen Beschäftigten entsprechen. Das Bundesamt für Arbeit ist für die Implementierung dieser Regelung zuständig. Nur in besonderen Fällen dürfen die Unternehmen selbst Einfluss auf den Prozess nehmen.

'Wirtschaftlich abhängige Arbeitskräfte' und Telearbeit

Bei 'wirtschaftlich abhängigen Arbeitskräften' handelt sich um Personen, die weder einen befristeten noch einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben und daher theoretisch als selbständige 'Unternehmer' angesehen werden können, die aber tatsächlich von einem bestimmten Unternehmen wirtschaftlich abhängig sind. In Österreich haben diese Arbeitskräfte keinen Arbeitsvertrag, sondern einen sogenannten Werkvertrag oder einen freien Dienstvertrag. In den untersuchten Ländern befinden sich diese Personen normalerweise an Extrempositionen auf dem Arbeitsmarkt. Am unteren Spektrum bewegen sich solche Personen, die gerne einen Arbeitsvertrag hätten, bisher aber noch keinen bekommen haben. Am oberen Spektrum befinden sich Personen mit einer starken Arbeitsmarktposition, die es vorziehen, unabhängig zu arbeiten. Letztere arbeiten normalerweise in sehr hart umkämpften Arbeitsmärkten, wofür der IKT-Sektor ein Beispiel ist. Über diese Art von Arbeitskräften scheint bisher nur wenig bekannt zu sein. In vielen Ländern wird angegeben, dass sie zwar vorhanden sind, aber nicht sehr zahlreich. In Schweden wird die geringe Ausbreitung dem hart umkämpften Arbeitsmarkt zugeschrieben, in dem unbefristete Arbeitsverträge bevorzugt werden.

In einem Sektor, der in vielerlei Hinsicht durch die 'virtuelle' Natur seiner Aktivitäten gekennzeichnet ist, vermutet man ein hohes Maß an Telearbeit. Obwohl nicht für alle Länder, die in dieser Studie abgedeckt werden, genaue Zahlen verfügbar sind, wurde in einigen Ländern festgestellt, dass im IKT-Sektor eine relativ große Gruppe von Telearbeitern tätig ist und dass ihre Zahl ständig steigt. In Irland hat eine vor kurzem durchgeführte Untersuchung bei Arbeitgebern in der High-Tech-Industrie ergeben, dass 83 % von ihnen flexible Arbeitsformen, wie z. B. Telearbeit, anbieten. Das Interesse bei den Arbeitnehmern war jedoch weitaus geringer. Eine kürzlich in den Niederlanden durchgeführte Studie ergab ein gegenteiliges Bild: 77,5 % der befragten IKT-Spezialisten zeigten sich an Telearbeit interessiert, während nur 25,8 % die Möglichkeiten dazu hatten. In Frankreich steigt die Zahl der Telearbeiter im IKT-Bereich, auf europäischer Ebene ist Telearbeit indes noch nicht sehr weit verbreitet. Auch in Italien steigt die Anzahl der Arbeitnehmer, die sich für Telearbeit entschieden haben, stark an. Gemäß einer Studie zum Teilsektor IT und Software aus dem Jahr 1999 bieten 12,9 % der befragten Unternehmen Telearbeit an. Obwohl der Prozentsatz dieser Unternehmen relativ gering ausfällt, ist die Anzahl der Telearbeiter seit 1997 erheblich angestiegen. In Unternehmen, die Telearbeit anbieten, ist die durchschnittliche Anzahl der Arbeitnehmer, die dieses Angebot in Anspruch nehmen (zumeist Techniker), von zwei auf 11,7 % gestiegen. In anderen Ländern – wie Belgien und Dänemark – scheint die Telearbeit in der IKT von geringerer Bedeutung zu sein.

Andere Merkmale der Beschäftigungssituation

Eine in Belgien durchgeführte Untersuchung hat ergeben, dass der IKT-Sektor immer noch eine Männerdomäne ist. 80 – 85 % der Bewerber um eine Stelle als Datenverarbeitungsexperte sind Männer. Der Anteil der Frauen an den im IKT-Sektor Beschäftigten liegt in Spanien (leicht) unter dem Durchschnitt. Im Bereich Software und Dienstleistungen ist in den Niederlanden der Anteil der Frauen an den Gesamtbeschäftigten von 21,6 % im Jahr 1993 auf knapp über 19 % im Jahr 1999 gesunken. Dieses Bild spiegelt aber nicht die Situation in Gesamteuropa wider und erst recht nicht in den Teilsektoren – in Portugal sind besonders viele Frauen und junge Leute in der verarbeitenden Industrie im IKT-Sektor tätig.

In Spanien ist vor allem die Arbeitssituation in den Call-Centern interessant. Schätzungen zufolge sind derzeit 40.000 Personen in diesem Bereich beschäftigt. Dabei sollte zwischen zwei Arten von Call-Centern unterschieden werden: Bei der einen Art von Call-Centern werden nur sehr junge Leute mit nur geringem Ausbildungsgrad beschäftigt, die die Stelle normalerweise als Zwischenlösung ansehen, während sie ihre Ausbildung beenden oder nach einer besseren Stelle suchen. Die andere Art der Call-Center ist dadurch gekennzeichnet, dass hier die Dienstleistungen in führenden Sektoren, wie z. B. Telekommunikation und Bankwesen angeboten werden. Diese Art von Call-Centern beschäftigen Mitarbeiter, die zwischen 22 und 32 Jahren alt sind und normalerweise eine gewisse Spezialisierung und eine Qualifikation im Bereich Wirtschaft, Ingenieurwesen oder einem ähnlichen Bereich aufweisen können.

Die wichtigste Schlussfolgerung, die aus dieser 'Erkundungstour' der Beschäftigungslage im IKT-Sektor gezogen werden kann, besteht darin, dass sich die Unterteilung in drei Teilsektoren zwecks Analyse der Beschäftigungssituation als sinnvoll bestätigt. Bei diesen drei Teilsektoren handelt es sich um Hardware, Telekommunikation sowie Software und Dienstleistungen.

Tarifverhandlungen

In den meisten Ländern haben Tarifverhandlungen und Tarifabkommen in den Teilsektoren Hardware und Telekommunikation eine lange Tradition, während Software- und Dienstleistungsunternehmen in vielen Ländern entweder gar keine Tarifverhandlungen durchführen oder erst seit kurzer Zeit. In diesem Abschnitt werden die Abdeckung durch Tarifabkommen, die Struktur von Tarifverhandlungen, die Merkmale von Tarifabkommen, die Berücksichtigung von Gewerkschaften und die Stellung der Betriebsräte untersucht. Tabelle 1 unten bietet einen allgemeinen Überblick über die Gesamtstruktur von Tarifverhandlungen im IKT-Sektor in den 16 Ländern, die von der vorliegenden Studie abgedeckt werden.

Tabelle 1: Allgemeiner Überblick über die Struktur der Tarifverhandlungen im IKT-Sektor, EU und Norwegen
Land Struktur der Tarifverhandlungen
Österreich Sektorbezogene Tarifverhandlungen vorherrschend. Ein erstes sektorbezogenes Tarifabkommen für IT-Sektor (Datenverarbeitung und –erfassung, Softwareentwicklung und zugehörige Bereiche, Datenbankverwaltung, Internetdienste und zugehörige Geschäftsbereiche) – vorher durch Handelsabkommen abgedeckt – wurde im Jahr 2000 unterzeichnet. Für Hardwarehersteller und Telekommunikationsunternehmen gelten entsprechende sektorbezogene Abkommen. Die Tarifverhandlungsabdeckung bei sektorbezogenen Abkommen liegt bei 100 %.
Belgien Sektorbezogene Tarifverhandlungen vorherrschend (in sektorübergreifendem Rahmen), geführt durch gemeinsame Ausschüsse. Kein spezifisches sektorbezogenes Abkommen/kein spezifischer sektorbezogener gemeinsamer Ausschuss für IKT, aber alle Unternehmen im Sektor durch andere Abkommen/Ausschüsse abgedeckt, insbesondere solche für: Arbeiter in der metallverarbeitenden Industrie, im Maschinenbau und in der Elektroindustrie; Angestellte in der metallverarbeitenden Industrie, im Maschinenbau und in der Elektroindustrie; Angestellte in Sektoren ohne spezifisches Abkommen (einschließlich IT-Unternehmen, Multimedia-Unternehmen und Call-Centern) und das halbstaatliche Telekommunikationsunternehmen Belgacom.
Dänemark Sektorbezogene und unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Die vier wichtigsten sektorbezogenen Abkommen – eins für die verarbeitende Industrie, zwei für die Dienstleistungsindustrie und zwei im Finanzwesen – umfassen Protokolle, die die IKT-Arbeit regeln. Für die Bereiche Hardware und Telekommunikation liegen mehr Tarifabkommen vor als für den Bereich Software und Dienstleistungen.
Finnland Sektorbezogene Tarifverhandlungen vorherrschend. Spezielles Abkommen deckt den gesamten IKT-Dienstleistungssektor ab (ausschließlich Führungskräfte und Manager) und ist 'allgemeingültig' (d.h. gilt auch für nicht in Arbeitnehmer- oder Arbeitgeberverbänden organisierte Arbeitnehmer und Arbeitgeber). Für Hardwarehersteller und Telekommunikationsunternehmen gelten entsprechende sektorbezogene Abkommen. Sektorbezogenes Abkommen für Arbeitskräfte im Bereich der Internetdienste wird derzeit entworfen.
Frankreich Sektorbezogene und unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Spezielles sektorbezogenes Abkommen gilt für Informationstechnologie, beratende Ingenieure und sonstige Berater (bekannt unter dem Namen SYNTEC). Spezielles sektorbezogenes Abkommen gilt für den Bereich Telekommunikation, mit Ausnahme der Belegschaft von France Télécom mit Beamtenstatus. Für Hardwarehersteller gilt das Abkommen für die metallverarbeitende Industrie. Unternehmensbezogene Abkommen zu verschiedenen Themen liegen für Unternehmen wie Cap Gemini and IBM vor.
Deutschland Sektorbezogene und unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Kein spezielles Tarifabkommen für IKT. Für die meisten Hardwarehersteller gilt das Abkommen für die metallverarbeitende Industrie, aber für einige gelten auch unternehmensbezogene Abkommen (z. B. IBM) oder gar keine Tarifabkommen (z. B. Hewlett-Packard). Für Telekommunikationsunternehmen gelten im Allgemeinen unternehmensbezogene Abkommen (obwohl für einige gar keine Abkommen gelten). Für einige Software- und Dienstleistungsunternehmen (z. B. Bull und Compaq) gilt das Abkommen für die metallverarbeitende Industrie, die meisten Tarifverhandlungen finden allerdings auf Unternehmensebene statt – in einigen Fällen (z. B. Debis und SINTEC) wird das Abkommen für die metallverarbeitende Industrie zu Grunde gelegt und entsprechend abgewandelt, die meisten Abkommen sind jedoch unternehmensspezifisch. Für die meisten IKT-Dienstleistungsunternehmen gilt jedoch gar kein Abkommen. Dabei handelt es sich zumeist um KMUs, teilweise aber auch um größere Unternehmen (z. B. SAP und Microsoft).
Griechenland Keine sektorbezogenen Tarifverhandlungen, aber einige unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Die wichtigsten Telekommunikationsunternehmen – OTE und Intracom – verfügen über unternehmensbezogene Abkommen. In Software- und Dienstleistungsunternehmen (zumeist KMUs) finden keine Tarifverhandlungen statt.
Irland Keine sektorbezogenen, aber einige unternehmensbezogenen Tarifabkommen, mit Ausnahme des Bereichs Telekommunikation (z. B. Eircom).
Italien Sektorbezogene und unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Kein spezielles Tarifabkommen für IKT. Für Hardwarehersteller gilt des Abkommen für die metallverarbeitende Industrie. Der Telekommunikationsbereich verfügt über ein eigenes sektorbezogenes Abkommen (im Jahr 2000 unterzeichnet), für einige Unternehmen oder Teile von Unternehmen gilt aber das Abkommen für die metallverarbeitende Industrie. Für Software- und Dienstleistungsunternehmen gelten verschiedene Abkommen – z. B. für den Handel (besonders KMUs), die metallverarbeitende Industrie und das Handwerk. Sektorbezogene Abkommen werden in großen Unternehmen oft durch unternehmensbezogene Abkommen ergänzt. Solche Tarifverhandlungen 'auf zwei Ebenen' sind wohl bei Unternehmen, die sich mit der Herstellung von Bürogeräten, Radio- und Fernsehgeräten und Telefonen beschäftigen, und insbesondere im Telekommunikationsbereich (Teilsektoren, die tendenziell eher durch größere Unternehmen gekennzeichnet sind) besonders verbreitet.
Luxemburg Unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Die meisten der großen IKT-Unternehmen – wie z. B. Thomas & Betts, CSC Computer Sciences Luxembourg, Siemens-Nixdorf, Telindus, Omnis und Cetrel – verfügen über unternehmensbezogene Tarifabkommen.
Niederlande Einige sektorbezogene, aber hauptsächlich unternehmensbezogene Tarifabkommen. Es liegt ein sektorbezogenes Abkommen für den Hardwaresektor vor, aber neun größere Hardwareunternehmen (Bull, Datelnet, Alcatel, Cinram, Detron, Lucent, Oce, Xerox und NRG Benelux) verfügen über eigene unternehmensbezogene Abkommen. Im Softwaresektor gelten in sechs größeren Unternehmen (Hiscom, Getronics, Debis IT Services, Pink Raccade, EDS und Atos-Origin) unternehmensbezogene Abkommen.
Norwegen Hauptsächlich sektorbezogene, aber auch einige unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Für Hardwarehersteller gilt generell das Tarifabkommen für den Maschinenbau, aber für einige Unternehmen in diesem Bereich gilt auch ein spezielles Abkommen für den Bereich Technologie und Datenverarbeitung. Für die wichtigsten Telekommunikationsunternehmen (z. B. Telenor) gelten unternehmensbezogene Abkommen. Für Software- und Dienstleistungsunternehmen könnten sektorbezogene Tarifabkommen für Unternehmen aus dem Bereich Datenverarbeitungs- und Bürogeräte, Installation und Datenverarbeitung/elektronische Medien gelten – für einige nicht organisierte Unternehmen gelten allerdings unternehmensbezogene Abkommen.
Portugal Sektorbezogene und unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Für Hardwarehersteller gilt das Abkommen für die Elektro- und Elektronikgeräteindustrie. Für größere Telekommunikationsunternehmen (z. B. Portugal Telecom und Portugal Marconi) gelten im Allgemeinen unternehmensbezogene Tarifabkommen. Bisher waren die Bemühungen der Gewerkschaft, ein sektorbezogenes Abkommen auszuhandeln, erfolglos. Einige Bereiche der IKT-Dienstleistungen werden von dem Abkommen für die Elektro- und Fotoindustrie und den elektronischen Geschäftsverkehr abgedeckt.
Spanien Sektorbezogene und unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Kein spezielles Tarifabkommen für IKT. Für Hardwarehersteller und Software- und Dienstleistungsunternehmen gelten mehrere sektorbezogene Abkommen, besonders für die metallverarbeitende Industrie und den Bürobereich. Für den Bereich Tele-Marketing ist ein eigenes Abkommen vorhanden (Strikes in the telemarketing sector ES0107251N). In großen Telekommunikationsunternehmen (z. B. Telefónica) bestehen unternehmensbezogene Abkommen.
Schweden Sektorbezogene und unternehmensbezogene Tarifverhandlungen. Einige spezielle Abkommen zwischen bestimmten Arbeitnehmerverbänden und Gewerkschaften decken einige Bereiche des IKT-Sektors ab, z. B. Angestellte bei Unternehmen, die im neuen ITA (Arbeitnehmerverband für IT und Telekommunikation) organisiert sind. Für die meisten Unternehmen gelten vielerlei Abkommen für andere Branchen. Verschiedene unternehmensbezogene Abkommen zu bestimmten Bereichen in größeren IKT-Unternehmen (z. B. Telia und Ericsson), allerdings weniger in kleineren und jüngeren Unternehmen.
GB Keine sektorbezogenen Verhandlungen und nur sehr wenige unternehmensbezogene Verhandlungen. Im gesamten IKT-Sektor finden nur sehr wenige Tarifverhandlungen statt. Für Hardwarehersteller (z. B. LG Electronics) gelten einige unternehmensbezogene Abkommen. Außerdem finden Tarifverhandlungen in Unternehmen wie EDS, CSC, Cap Gemini, ICL und IBM auf Werksebene oder Ebene einzelner Geschäftseinheiten statt. Länger bestehende Telekommunikationsunternehmen (z. B. British Telecom) verfügen oft über unternehmensbezogene Abkommen. Bei vielen jüngeren Unternehmen (z. B. Vodafone) ist dies jedoch nicht der Fall.

Quelle: EIRO

Abdeckung durch Tarifabkommen

In Tabelle 2 unten werden alle statistischen Daten aufgeführt, die zur Abdeckung durch Tarifabkommen im IKT-Sektor verfügbar sind (die Zahlen beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf den gesamten Sektor).

Tabelle 2: Prozentsatz der Beschäftigten im IKT-Sektor, für die Tarifabkommen gelten
Land % der Beschäftigen
Österreich 100 %
Belgien 100 %
Dänemark 60 %
Frankreich 100 % im Bereich Telekommunikation, 73 % im Bereich IT-Dienstleistungen
Deutschland 20 %
Niederlande 23 %
Norwegen 70 % - 75 % im Bereich verarbeitende Industrie
Portugal 44 %
Schweden 62 %

Quelle: EIRO

Österreich und Belgien können als Sonderfälle angesehen werden. In diesen beiden Ländern gelten für Beschäftigte in allen Sektoren (vor allem sektorbezogene) Tarifabkommen.

Obwohl nur in wenigen Ländern detaillierte Zahlen zur Abdeckung durch Tarifabkommen in den verschiedenen IKT-Teilsektoren vorhanden sind, ist das allgemeine Bild recht klar. Die Bereiche Telekommunikation sowie Verarbeitung und Hardware sind traditionell relativ gut abgedeckt. Für Software- und Dienstleistungsunternehmen ist dies ganz und gar nicht der Fall. Viele dieser Unternehmen sind sehr klein. Für diese Unternehmen liegen oft gar keine Tarifabkommen vor. Dies kann mit Hilfe einer Vielzahl von Gründen erklärt werden:

  • Im Allgemeinen liegen für kleinere Unternehmen weniger Tarifabkommen vor als für größere Unternehmen. In manchen Ländern sind Tarifverhandlungen auf Unternehmensebene erst dann gesetzlich vorgeschrieben, wenn die Zahl der Beschäftigten eine gewisse Höhe überschreitet. Ein Beispiel hierfür ist Frankreich.
  • Viele Software- und Dienstleistungsunternehmen sind sehr jung. Normalerweise dauert es eine gewisse Zeit, bis sich entsprechende Strukturen für Tarifverhandlungen gebildet haben.
  • Viele Arbeitnehmer halten sich selbst für 'Experten' und würden möglicherweise gar nicht erst in Betracht ziehen, einer Gewerkschaft beizutreten. Statt dessen handeln sie lieber selbst ihre Arbeitsbedingungen aus.
  • Die interne Organisation basiert in solchen Unternehmen oft auf partnerschaftlicher Basis und ist traditionell nicht streng hierarchisch aufgebaut.
  • Der sehr hart umkämpfte Arbeitsmarkt zwingt viele Arbeitnehmer dazu, eigene Verhandlungen für sich selbst zu führen.
  • Viele Arbeitnehmer im IKT-Sektor lehnen Gewerkschaften und Tarifverhandlungen grundsätzlich ab.

Diese verschiedenen Faktoren hängen z. T. zusammen und verstärken sich gegenseitig. Das Ergebnis ist in allen Ländern gleich: Für den Software- und Dienstleistungsbereich sind nur sehr wenige Tarifabkommen vorhanden, mit Ausnahme der Länder, in denen die Abdeckung bei 100 % liegt (Österreich und Belgien) und der Länder, in denen sektorbezogene Abkommen auf alle organisierten und nicht organisierten Arbeitnehmer und Arbeitgeber in einem Sektor oder Teilsektor ausgeweitet wurden, wie z. B. in Finnland und Frankreich.

Struktur von Tarifverhandlungen

In keinem der Länder, die im Rahmen dieser Studie untersucht wurden, wird der gesamte IKT-Sektor durch ein einziges sektorbezogenes Tarifabkommen abgedeckt. Außerdem ist zwischen den verschiedenen Teilen des Sektors zu unterscheiden.

Im Teilsektor Verarbeitung und Hardware gelten viele sektorbezogene Abkommen. Spezielle sektorbezogene Abkommen sind allerdings eher selten, da in den meisten Unternehmen Abkommen für umfassendere Sektoren, normalerweise für die metallverarbeitende Industrie und die Maschinenbauindustrie gelten. In Frankreich gilt in der verarbeitenden Industrie im IKT-Sektor im Allgemeinen das Tarifabkommen der metallverarbeitenden Industrie (IBM ist hierfür ein Beispiel). Das Gleiche gilt für Deutschland. Hier haben viele dieser Unternehmen ihre Wurzeln in der metallverarbeitenden Industrie. In Italien wird der Bereich Hardware vom sektorbezogenen Abkommen für die metallverarbeitende Industrie und der Teilbereich Drähte und Kabel vom Abkommen für die Chemieindustrie abgedeckt. In Norwegen wird der Bereich Hardware durch das Abkommen für die Maschinenbauindustrie abgedeckt. In Portugal gelten für den Bereich Hardware Abkommen aus der Fertigungs- und Elektronikindustrie. In den Niederlanden wird ein Teil des Hardwarebereichs durch ein spezifisches sektorbezogenes Abkommen abgedeckt. In Belgien gelten in den meisten Unternehmen des Teilsektors Hardware, die Abkommen für Arbeiter und Angestellte aus der metallverarbeitenden Industrie, in der Maschinenbauindustrie und dem Elektronikhandel. In Irland, dem Vereinigten Königreich und in Luxemburg (Länder, in denen Tarifverhandlungen auf Unternehmensebene oder darunter vorherrschen und in denen keine sektorbezogenen Abkommen für irgendeinen Teil des IKT-Sektors gelten) liegen keine sektorweiten Abkommen jeglicher Art für den Bereich Hardware und Verarbeitung vor.

Obwohl also der Bereich Hardware von (verschiedenen) sektorweiten Abkommen dominiert ist, bedeutet dies nicht, dass keine unternehmensbezogenen Abkommen vorliegen. Dies trifft nicht nur auf Länder ohne sektorbezogene Abkommen zu, wie z. B. Irland und Vereinigtes Königreich, sondern auch beispielsweise auf die Niederlande und Deutschland.

Im Bereich Telekommunikation hat sich in vielen Ländern die Struktur der Tarifverhandlungen ausgehend von einer Situation entwickelt, in der ein unternehmensbezogenes Abkommen für alle Beschäftigten in den nationalen Telekommunikationsmonopolen galt. Eigene unternehmensbezogene Abkommen gelten immer noch für viele der großen Telekommunikationsunternehmen in den einzelnen Ländern, so z. B. für Belgacom in Belgien, OTE in Griechenland, KPN in den Niederlanden, Telenor in Norwegen, Telefónica in Spanien und British Telecom im Vereinigten Königreich – und für die meisten Telekommunikationsunternehmen in Deutschland. Sektorbezogene Abkommen gelten in Österreich, Finnland, Frankreich (mit Ausnahme der Beschäftigten von France Télécom, die den Beamtenstatus haben) und Italien (obwohl in einigen Unternehmen und Unternehmensbereichen das Abkommen für die metallverarbeitende Industrie gilt und auch einige unternehmensbezogene Abkommen vorhanden sind).

Für den Bereich Software und Dienstleistungen ergibt sich ein ganz anderes Bild. Wie oben bereits erwähnt, gelten für die Mehrzahl der Unternehmen in diesem Bereich gar keine Tarifabkommen. Die wenigen Abkommen beziehen sich fast ausschließlich auf einzelne Unternehmen. Ausnahmen sind Österreich, wo ein eigenes Tarifabkommen für den IT-Sektor vorhanden ist (Datenverarbeitung und -erfassung, Softwareentwicklung und zugehörige Felder, Datenbankverwaltung, Internetdienste und zugehörige Geschäftsbereiche), Frankreich (wo das SYNTEC-Abkommen 73 % der Beschäftigen im Bereich der IT-Dienstleistungen abdeckt – High-tension negotiations in information technology, engineering and consulting); Finnland, wo ein eigenes Tarifabkommen für den IT-Dienstleistungssektor gilt, das dem Abkommen für den Finanzsektor sehr ähnlich ist; zu einem gewissen Grad Norwegen, wo eine Reihe von sektorbezogenen Abkommen im IKT-Dienstleistungsbereich vorliegen (neben unternehmensbezogenen Abkommen in nicht organisierten Unternehmen) und eingeschränkt auch Spanien, wo ein spezielles Tarifabkommen für das Tele-Marketing gilt. In Ländern wie Belgien, Italien, Portugal und Spanien gelten in Software- und Dienstleistungsunternehmen Abkommen aus anderen, umfassenderen Sektoren, wie z. B. dem Handel. In Dänemark sind fünf sektorweite Abkommen (eins für die verarbeitende Industrie, zwei für die Dienstleistungsindustrie und zwei im Finanzwesen) vorhanden, die Protokolle zur IKT-Arbeit in diesen Sektoren enthalten.

Erwähnt werden sollten außerdem noch die Bemühungen seitens der Gewerkschaften in Deutschland und Portugal, ein sektorbezogenes Abkommen für den gesamten IKT-Sektor zu erreichen. Bisher ist dies jedoch am Widerstand der Arbeitgeber gescheitert.

Besondere Merkmale von Tarifabkommen im IKT-Sektor

In einigen Ländern scheint es keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Abkommen im IKT-Sektor und den meisten Tarifabkommen aus anderen Sektoren zu geben. Beispiele hierfür sind Österreich, Dänemark (obwohl hier variable Vergütungsschemata im IKT-Sektor üblicher sind), Irland (hauptsächlich, weil es hier im IKT-Sektor insgesamt kaum Tarifabkommen gibt), Luxemburg und Spanien.

In anderen Ländern sind viele Tarifabkommen im IKT-Sektor durch flexiblere Vereinbarungen gekennzeichnet, als dies in den meisten Tarifabkommen aus anderen Sektoren der Fall ist. Dies trifft auf Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien und die Niederlande zu. In Italien sind mehrere Beispiele für Abkommen mit flexiblen Vereinbarungen zu nennen. Im Juli 2000 wurde z. B. bei dem Mobilfunkanbieter Omnitel ein Abkommen unterzeichnet, mit dem die Arbeitszeitflexibilität während saisonaler Stosszeiten erhöht werden sollte. Während dieser Zeiträume können Arbeitskräfte dazu angehalten werden, für die Dauer von maximal sieben Wochen an einem zusätzlichen Tag in der Woche sechs Stunden zu arbeiten (d.h. Sechs-Tage-Woche statt Fünf-Tage-Woche). Die Arbeitskräfte erhalten eine Bonuszahlung für die zusätzlichen Arbeitsstunden und sind berechtigt, einen entsprechenden Freizeitausgleich in Anspruch zu nehmen. Im Jahr 2001 haben zudem die Gewerkschaften und der Vorstand des italienischen Unternehmens Infostrada (Telekommunikation) ein Abkommen zu leistungsbezogener Vergütung unterzeichnet. Diese leistungsbezogene Vergütung richtet sich nach der Kundenzufriedenheit, sowohl bei Sprach- als auch bei Internet-Dienstleistungen. Zudem wurde ein gemeinsamer Ausschuss zur Überwachung des leistungsbezogenen Vergütungsschemas gebildet.

Bei den Ländern, die durch flexiblere Vereinbarungen gekennzeichnet sind, muss die bereits bekannte Unterscheidung zwischen Hardwareunternehmen und allgemeineren Unternehmen, die aus traditionellen Sektoren hervorgegangen sind, auf der einen Seite und Software- und Dienstleistungsunternehmen auf der anderen Seite gemacht werden. In vielen Fällen kommen flexiblere Vereinbarungen ausschließlich in der zweiten Kategorie zum Tragen.

Wie zu erwarten war, sind flexible Vereinbarungen im Rahmen von unternehmensbezogenen Abkommen viel weiter verbreitet als in sektorbezogenen Abkommen bzw. sind solche ausschließlich in unternehmensbezogenen Abkommen zu finden. Neben der Flexibilität sind variable Vergütungsschemata und Aktienbezugsrechte weitere Merkmale, die in Abkommen im IKT-Sektor viel stärker vertreten sind als in Abkommen anderer Sektoren; dies trifft insbesondere auf die 'New Economy' zu (Variable pay in Europe). Hinsichtlich der Abdeckung der Themen Beschäftigungsfähigkeit und Weiterbildungsmöglichkeiten im Rahmen von Abkommen scheinen sich IKT-Unternehmen mit einigen Ausnahmen in den Niederlanden und in Griechenland nicht von anderen Unternehmen abzuheben.

Anerkennung von Gewerkschaften und Ablehnung von Tarifverhandlungen

Innerhalb der EU und angesichts internationaler Normen wie z. B. der Europäischen Sozialcharta des Europarates und einer Reihe von Übereinkommen und Empfehlungen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) bestehen große Unterschiede zwischen der rechtlichen Anerkennung von Gewerkschaften. Das Spektrum reicht von Ländern, in denen Gewerkschaften hart zu kämpfen haben, um überhaupt Fuß fassen zu können bis hin zu Ländern, in denen es praktisch undenkbar ist, dass es in einem Sektor oder sogar einem Unternehmen keine Gewerkschaften gibt. Aus mehreren Gründen, einschließlich des starken Einflusses der Vereinigten Staaten und dem Hintergrund der US-amerikanischen Unternehmen, ist zu vermuten, dass die Anerkennung von Gewerkschaften in vielen Unternehmen aus dem IKT-Sektor ein wichtiges Thema ist. Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen diese Vermutung.

Die Anerkennung von Gewerkschaften wird zumeist auf Unternehmensebene thematisiert. In Ländern wie Österreich, in denen sektorbezogene Tarifabkommen vorherrschen und die Mitgliedschaft in der Arbeitgeberorganisation Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), deren Untereinheiten die Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften führen, verpflichtend ist, besteht das Problem der Anerkennung von Gewerkschaften nicht. In Ländern wie Finnland und Frankreich, in denen es üblich ist, die sektorbezogenen Abkommen auf Arbeitgeber auszuweiten, die die jeweiligen Abkommen nicht unterzeichnet haben, kann die Abdeckung durch sektorbezogene Abkommen oft von den einzelnen Arbeitgeber nicht verhindert werden.

Auf Unternehmensebene sind die Arbeitgeber in einigen Ländern gesetzlich verpflichtet, mit den Gewerkschaften zu verhandeln, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, zumeist wenn eine bestimmte Zahl an Beschäftigten überschritten wird. Dies ist z. B. in Frankreich der Fall: Sobald ein Unternehmen mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigt und ein oder mehr Gewerkschaftszweige durch Gewerkschaften mit repräsentativem Status gebildet worden sind, muss der Arbeitgeber mit den Gewerkschaften jährlich über Vergütung, Arbeitszeit, obligatorische und mögliche zusätzliche Gewinnbeteiligungsschemata und der Einrichtung eines Krankenversicherungssystems verhandeln. In Schweden sind Arbeitgeber im Rahmen der Mitbestimmungsgesetzgebung verpflichtet, Tarifverhandlungen zu führen, wenn Gewerkschaftsmitglieder im Unternehmen beschäftigt sind. Dies ist nicht unbedingt automatisch der Fall. Wie berichtet wurde, 'vergaß' die Unternehmensleitung des IKT-Beratungsunternehmens Framfab kürzlich einfach, über betriebsbedingte Kündigungen zu verhandeln. In Italien greifen Gewerkschaftsvertretungsrechte bei einer Unternehmensgröße von 15 Mitarbeitern, obwohl in kleineren Unternehmen von Problemen berichtet wird (diese sind jedoch nicht spezifisch für den IKT-Sektor).

Die Anerkennung von Gewerkschaften ist in den letzten Jahren in zwei Ländern mit einer von Freiwilligkeit geprägten Arbeitsbeziehungstradition, in denen Tarifverhandlungen auf Unternehmensebene oder darunter eine wichtige Rolle spielen, zu einem besonders dringlichen Thema geworden. Die Rede ist von Irland und dem Vereinigten Königreich.

In Irland ist die Anerkennung von Gewerkschaften im IKT-Sektor im Laufe der letzten zehn Jahre zu einem strittigen Thema und schwer zu lösenden Problem geworden. Mit dem kontinuierlichen Zustrom ausländischer multinationaler Unternehmen, die ihren Hauptsitz meistens in den Vereinigten Staaten haben, wird es für die Gewerkschaften immer schwieriger, neue Mitglieder im privaten Sektor zu gewinnen. Die meisten IKT-Unternehmen lehnen die Anerkennung von Gewerkschaften vehement ab. Die Position der Stellenvermittlungsbüros und der irischen Regierung ist von der Zurückhaltung inländischer Investoren bei der Anerkennung von Gewerkschaften geprägt. Während Unternehmen, die sich etwa zwischen 1970 und 1985 in Irland niedergelassen haben, früher zumindest noch vorsichtig zur Anerkennung von Gewerkschaften motiviert wurden, ist dies heute nicht mehr der Fall.

1999 schlossen der wichtigste Gewerkschaftsverband und die wichtigsten Arbeitgeberorganisationen gemeinsam ein bedeutendes Abkommen zum Thema Anerkennung von Gewerkschaften und dem Recht auf Tarifverhandlungen (Breakthrough on trade union recognition). Dieses Abkommen wurde im März 2000 formell dadurch bestätigt, dass die Regierung die Einführung einer Gesetzgebung bekannt gab, in dessen Rahmen dem Arbeitsgericht neue Kompetenzen bei der Schlichtung von Streitigkeiten in Fällen eingeräumt wurden, in denen sich die Parteien nicht an den Gesprächen beteiligt haben. Neue Verfahren, die von den Sozialpartnern beschlossen wurden, ermöglichen die Übernahme der Empfehlungen des Arbeitsgerichts bei Fragen zu Vergütung und Arbeitsbedingungen, wenn sich ein Arbeitgeber weigert, sich an die vereinbarten freiwilligen Verfahren zu halten. Der Irische Unternehmer- und Arbeitgeberverband (Irish Business and Employers Confederation, IBEC) zeigte sich darüber erfreut, dass seine Mitglieder, einschließlich derer aus dem nicht gewerkschaftlich organisierten High-Tech-Sektor, mit diesem Verfahren zur Anerkennung von Gewerkschaften 'leben können'. Wichtige Arbeitgeber in Irland mit Unternehmenshauptsitz im Ausland würden sich wahrscheinlich gar nicht erst in Streitigkeiten um die Anerkennung von Gewerkschaften verwickeln lassen. Im Rahmen des Irischen Gewerkschaftskongresses (Irish Congress of Trade Unions, ICTU) sind nicht gewerkschaftlich organisierte Unternehmen wie Intel, Hewlett Packard and Dell als 'Sonderfälle' eingestuft worden, und zwar insofern, als dass es sich hier um Arbeitgeber handelt, die überdurchschnittlich gut bezahlen und oft für ihre wichtigsten Arbeitskräfte eine anspruchsvolle Personalpolitik betreiben. In der Realität gestaltet sich die Situation so, dass sich eher kleine einheimische Unternehmen oder große Unternehmen mit relativ gering entwickelten Arbeitsbeziehungen oder wenig einflussreichen Abteilungen und Verfahren zur Verwaltung von Humanressourcen auf Auseinandersetzungen über die Anerkennung von Gewerkschaften einlassen.

Eine neue Gesetzgebung wurde auch im Vereinigten Königreich eingeführt. Seit Juni 2000 gilt hier ein neues gesetzliches Verfahren zur obligatorischen Anerkennung von Gewerkschaften (Statutory trade union recognition procedure comes into force). Unter bestimmten Umständen sind Unternehmen im Rahmen dieser Gesetzgebung verpflichtet, Verhandlungen mit den Gewerkschaften aufzunehmen, wenn eine Unterstützung seitens der Beschäftigten demonstriert werden kann, normalerweise nach einer Abstimmung der Beschäftigten. Die Anerkennung der Gewerkschaften hängt von folgenden Faktoren ab: (a) der Unterstützung der Mehrheit der an der Abstimmung teilnehmenden Beschäftigten und (b) der Unterstützung von 40 % der Beschäftigten der verhandlungsführenden Einheit. Bisher konnte das Verfahren jedoch noch nicht effektiv im IKT-Sektor eingesetzt werden. In der Dotcom-Wirtschaft bietet die neue Gesetzgebung den Gewerkschaften u. U. nur wenig Unterstützung, da sie sich nur auf Unternehmen mit 20 oder mehr Beschäftigten bezieht und 10 % der Beschäftigten, die die verhandlungsführende Einheit bilden, bereits Gewerkschaftsmitglieder sein müssen. Im Elektroniksektor haben einige Unternehmen in Erwartung der neuen Gesetzgebung die Gewerkschaften bereits auf freiwilliger Basis anerkannt. Dies trifft z. B. auf LG Electronics zu, ein koreanischeS Unternehmen, das sich in Südwales angesiedelt hat und sich mit der Herstellung von Bildröhren für PCs beschäftigt. Das Unternehmen verfügt über ein Arbeitskräftepotenzial von 2.000 Beschäftigten. IKT-Unternehmen haben sich allgemein aufgeschlossen gegenüber Tarifverhandlungen gezeigt, wenn Gruppen von Beschäftigten im Rahmen von Outsourcing-Maßnahmen in das Unternehmen integriert wurden und die Tarifvereinbarungen dieser Beschäftigten beibehalten werden sollen.

Im September 2000 unterzeichnete die britische Gewerkschaft für verarbeitende Industrie und Finanzwesen Manufacturing Science and Finance (MSF) das erste nationale Anerkennungs- und Partnerschaftsabkommen im IT-Sektor, das für 7.000 Beschäftigte bei CSC im Vereinigten Königreich gilt. Hierbei handelt es sich nicht um ein Tarifabkommen im herkömmlichen Sinne. Das Abkommen sorgt vielmehr dafür, dass MSF als Gewerkschaft anerkannt wird und dass der Gewerkschaft auch andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Es handelt sich aber dennoch um einen 'Meilenstein', da dies das erste Abkommen seiner Art im britischen IT-Sektor darstellt und ein Unternehmen mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten umfasst. Insgesamt standen amerikanische Unternehmen den britischen Gewerkschaften im Allgemeinen und im IKT-Sektor im Besonderen (z. B. Oracle und Cisco Systems) extrem ablehnend gegenüber.

Die Anerkennung von Gewerkschaften ist in anderen Ländern nicht so ein vieldiskutiertes Thema, es wurde aber verschiedentlich von einer eher zurückhaltenden Haltung der Arbeitgeber im IKT-Sektor gegenüber Tarifverhandlungen berichtet. IKT-Arbeitgeber in Dänemark gelten z. B. allgemein als Gegner von Tarifabkommen. Dies wird damit begründet, dass solche Abkommen Einschränkungen beinhalten und große multinationale Konzerne, die in den dänischen Markt eintreten, nicht mit den dänischen Arbeitsbeziehungstraditionen vertraut sind und statt dessen eher eine einseitige 'Hire-and-Fire'-Beschäftigungsstrategie betreiben. Die Gewerkschaft Prosa für Beschäftigte im IT-Bereich berichtet indes, dass sich einige Arbeitgeber an sie gewandt und um Unterstützung bei der Aufstellung von Regelungen zu Fragen wie Arbeitszeit (und in einigen Fällen zur Einrichtung von Betriebsräten) gebeten haben. In Norwegen sind zwar keine Beispiele von IKT-Unternehmen bekannt, die sich geweigert haben, Tarifverhandlungen zu führen (und dadurch Streikmaßnahmen seitens der Gewerkschaften ausgelöst haben), die Gewerkschaften berichten aber von Unternehmen, die versucht haben, ihre Beschäftigten davon zu überzeugen, keine Tarifverhandlungen zu fordern, und ihnen im Gegenzug Leistungen, wie z. B. erhebliche Lohnerhöhungen, in Aussicht gestellt haben. In den Niederlanden scheint die anfängliche Ablehnung der Arbeitgeber einer positiveren Haltung gegenüber Gewerkschaften gewichen zu sein. Mehrere große IKT-Unternehmen führen bereits seit Mitte der 90er Jahre Tarifverhandlungen. Es gibt jedoch immer noch einige Unternehmen in den Niederlanden, die es ablehnen, mit den Gewerkschaften zu verhandeln. Sie ziehen es vor, Verhandlungen mit dem Betriebsrat (siehe unten) oder einzelnen Mitarbeitern zu führen.

Abschließend soll an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass in einigen Fällen zwischen der Situation 'auf dem Papier' und der Realität erhebliche Diskrepanzen bestehen. So wird von einigen Unternehmen aus dem portugiesischen Telekommunikationssektor berichtet, dass neu eingestellte Mitarbeiter von ihren Arbeitgebern gebeten werden, schriftlich auf die Anwendung der Bedingungen des auf Unternehmensebene gültigen Tarifabkommens zu verzichten.

Stellung von Betriebsräten

Angesichts des jungen Alters des Sektors, des hart umkämpften Arbeitsmarktes, des hohen Anteils hochqualifizierter Arbeitskräfte und dem erheblichen US-amerikanischen Einfluss und Hintergrund, haben die Gewerkschaften in Teilen des IKT-Sektors einen schweren Stand. Sind keine Gewerkschaften vorhanden, bedeutet dies für die einzelnen Beschäftigten normalerweise, dass sie ihre Interessen bei der Aushandlung von Arbeitsbedingungen selbst vertreten müssen. In einigen Ländern können jedoch auch Betriebsräte die Aufgaben der Gewerkschaften übernehmen.

In der gesamten EU bestehen erhebliche Unterschiede zwischen der Präsenz von Gremien nach Art von Betriebsräten und den Regeln, nach denen sie funktionieren. In den meisten Ländern, auf die sich diese Studie bezieht, spielen die Betriebsräte entweder bei Tarifverhandlungen nur eine sehr untergeordnete Rolle oder sind überhaupt nicht vorhanden. Dies trifft auf Belgien, Griechenland, Irland, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich zu. In einigen dieser Länder sehen Gewerkschaften Betriebsräte sogar als Gefahr für ihre eigene Stellung.

In einigen anderen Ländern sind Betriebsräte indes aktiv an Tarifverhandlungen beteiligt. In Österreich können die Unternehmensleitung und die Betriebsräte Betriebsvereinbarungen über Themen wie Vergütung und Arbeitszeit beschließen, sofern diese die Stellung der Beschäftigten verbessert, für die bereits ein Tarifabkommen gilt (Abdeckung in Österreich liegt bei 100 %, siehe oben). Auch hier besteht ein erheblicher Unterschied zwischen Hardware- und Softwareunternehmen. In Softwareunternehmen gibt es praktisch keine Betriebsräte. Dies ist zum einen mit der geringen Durchschnittsgröße dieser Unternehmen zu begründen – wie in anderen Ländern auch hängt das Vorhandensein von Betriebsräten eng mit der Unternehmensgröße zusammen. Zum anderen widersetzen sich viele Softwareunternehmen der Einrichtung von Betriebsräten. Die dänische Gewerkschaft Prosa berichtet, dass sich mehrere Arbeitgeber an sie gewandt haben und um Informationen über die Einrichtung eines Betriebsrates gebeten haben. Dies kann möglicherweise mit dem Anwachsen dieser Unternehmen auf eine bestimmte Größe, bei der die informelle Aushandlung von Arbeitsbedingungen nicht länger möglich ist, begründet werden. Betriebsräte können daher auch als Instrument zur Koordinierung der Verhandlungen über Arbeitsbedingungen und als Möglichkeit zur Einsparung von Transaktionskosten angesehen werden. In rechtlicher Hinsicht kommt es hier zu einigen Problemen, da die Betriebsräte in Dänemark nicht dazu berechtigt sind, formelle Abkommen schließen. In Finnland scheinen Betriebsräte bei Tarifverhandlungen eine immer größere Rolle zu spielen.

Die Situation im deutschen IKT-Sektor gestaltet sich, ähnlich wie in Österreich, nicht einheitlich. Im Bereich Verarbeitung und unter IKT-Unternehmen, die aus traditionellen Sektoren hervorgegangen sind, sind Betriebsräte sehr verbreitet. Das Gleiche trifft auf Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten zu. Viele neu gegründete kleine und mittlere IKT-Dienstleistungsunternehmen verfügen jedoch nicht über Betriebsräte. Häufig wird hierfür die Erklärung angeführt, dass in diesen Unternehmen aufgrund der starken Einbeziehung der Beschäftigten, dem Verzicht auf hierarchische Strukturen und vor dem Hintergrund eines hart umkämpften Arbeitsmarktes keine Betriebsräte erforderlich sind. Dies scheint jedoch durch eine kürzlich durchgeführte Studie widerlegt zu werden, aus der hervorgeht, dass im Laufe der vergangenen Jahre immer mehr Betriebsräte in kleineren IKT-Unternehmen eingerichtet worden sind. Dabei sollte auch die zeitliche Verschiebung zwischen der Gründung der Unternehmen und der Einrichtung von Betriebsräten berücksichtigt werden.

Seit Ende 2000 haben die steigenden wirtschaftlichen Probleme in vielen IKT-Dienstleistungsunternehmen dazu geführt, dass sich die Diskussion in Deutschland über Arbeitsbeziehungen und Betriebsräte im IKT-Sektor entscheidend geändert hat. Nachdem die fallenden Aktienkurse zu einer erheblichen Einkommensreduzierung vieler Beschäftigten geführt haben und mehrere IKT-Unternehmen sogar betriebsbedingte Kündigungen von hochqualifizierten Fachleuten angekündigt haben, scheinen 'alte Institutionen' wie Tarifabkommen und Betriebsräte wieder an Attraktivität zu gewinnen. Seit Beginn des Jahres 2001 werden in vielen bekannten IKT-Dienstleistungsunternehmen zunehmend Betriebsräte von den Beschäftigten gewählt, so z. B. bei Pixelpark, AOL Deutschland, Amazon Deutschland und EM.TV (Employees at Pixelpark multimedia agency elect works council).

In einigen deutschen Unternehmen handeln die Betriebsräte oder andere Arbeitnehmervertretungen sogar Vergütungs- und Arbeitsbedingungen aus, selbst wenn dies gesetzlich nicht erlaubt ist. Dies trifft auch auf die Niederlande zu, wo Betriebsräte eine wichtige Rolle bei der Festlegung der Arbeitsbedingungen spielen – besonders in Unternehmen, die nicht durch einen Tarifvertrag abgedeckt werden, aber auch in solchen, in denen solch ein Abkommen vorhanden ist. Bei der ersten Gruppe ist es in rechtlicher Hinsicht nicht eindeutig geklärt, ob Betriebsräte das Recht haben, über die sogenannten 'primären' Arbeitsbedingungen (Dauer der Arbeitszeit und Vergütung) zu verhandeln und entsprechende Abkommen zu schließen. Auf der einen Seite lässt die Gesetzgebung das Schließen von Abkommen mit der Unternehmensleitung zu, wobei hierbei keine Einschränkungen genannt werden. Auf der anderen Seite hat aber das Bundesverwaltungsgericht verfügt, dass die Aushandlung der primären Arbeitsbedingungen allein den Gewerkschaften obliegt (Supreme Court imposes limits on employee participation and right to strike). In mehreren größeren niederländischen IKT-Unternehmen, haben einige Gewerkschaften und Betriebsräte Tarifabkommen geschlossen, obwohl dies streng genommen, wie auch in Deutschland, rechtlich nicht zulässig ist.

Gewerkschaften im IKT-Sektor

Wie man vermuten könnte, verfügen die Gewerkschaften im IKT-Sektor in Gesamteuropa nur über relativ niedrige Mitgliederzahlen. In Tabelle 3 unten werden Daten zur gewerkschaftlichen Organisierung im IKT-Sektor für die Länder aufgeführt, für die solche Daten verfügbar sind.

Tabelle 3: Prozentsätze des Anteils der Beschäftigen im IKT-Sektor, die gewerkschaftlich organisiert sind
Land gewerkschaftlicher Organisierungsgrad
Österreich Annähernd 100 % im Bereich Telekommunikation, 15 % im Bereich Software
Belgien Unter dem nationalen Durchschnitt (von 70 %)
Dänemark 85 %
Finnland Unter dem Durchschnitt
Deutschland Im Bereich Verarbeitung relativ hoch, im Bereich Dienstleistungen niedrig
Griechenland 57 % (vor allem im Bereich Telekommunikation)
Irland Sehr niedrig, mit Ausnahme des Bereichs Telekommunikation
Italien 30 % im Bereich Verarbeitung, 20 % - 25 % im Bereich Telekommunikation, 10 % im Bereich IT und Software
Niederlande 7 %
Norwegen 48 %
Schweden 58 %
Vereinigtes Königreich Nicht höher als im Durchschnitt im Dienstleistungssektor (6%)

Quelle: EIRO

Obwohl es erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Prozentsätze der Beschäftigten, die in den einzelnen Ländern gewerkschaftlich organisiert sind, gibt, liegen die Zahlen, die für den gesamten IKT-Sektor verfügbar sind, in den meisten Fällen deutlich unter dem nationalen Durchschnitt (und dies trifft möglicherweise auch auf die Länder zu, für die keine Zahlen vorliegen). In den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich (der Durchschnitt liegt hier bei 25 % - 30 %), die einen geringen Organisierungsgrad aufweisen, sind nur 7 % der Beschäftigten im IKT-Sektor gewerkschaftlich organisiert, was einem Viertel des Durchschnitts oder fast zwanzig Prozentpunkten weniger entspricht. In den Ländern mit hoher gewerkschaftlicher Organisierung, Norwegen (mit einer durchschnittlichen Gewerkschaftsdichte von 57 %) und Schweden (81 %), liegt der Organisierungsgrad bei etwa drei Vierteln des nationalen Durchschnitts (dies entspricht einer Differenz von 24 Prozentpunkten in Schweden). Hierbei gibt es jedoch auch Ausnahmen. So entspricht der Organisierungsgrad in Dänemark in etwa dem nationalen Durchschnitt, während er in Griechenland deutlich über dem Durchschnitt liegt. Dies spiegelt jedoch die Tatsache wieder, dass im Bereich Telekommunikation, der den Hauptteil des IKT-Sektors ausmacht, ein hoher Prozentsatz der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert ist.

Dies führt uns zu den Unterschieden bei der gewerkschaftlichen Organisierung innerhalb des IKT-Sektors. Allgemein kann gesagt werden, dass in den Bereichen Hardware und Verarbeitung sowie Telekommunikation mehr Beschäftigte in Gewerkschaften organisiert sind als im Bereich Dienstleistungen und Software. Im Bereich Telekommunikation spiegelt dies oft die Tatsache wieder, dass die größten Unternehmen aus dem öffentlichen Sektor stammen – in Österreich liegt z. B. der Organisierungsgrad in den früheren staatlichen Telekommunikationsunternehmen bei 100 %, im Privatsektor jedoch weit darunter. In Italien sind 40 % - 50 % der Beschäftigten des früheren staatlichen Monopols, Telecom Italia, gewerkschaftlich organisiert, aber nur 5 % - 10 % der neuen Unternehmen. Auch in dem z. T. staatlichen griechischen Unternehmen OTE ist ein besonders hoher Prozentsatz der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. Im Bereich Hardware und Verarbeitung ist der hohe Prozentsatz darauf zurückzuführen, dass viele IKT-Unternehmen aus traditionelleren Unternehmen der verarbeitenden Industrie hervorgegangen sind, die in vielen Ländern schon eine seit langem eingeführte Arbeitsbeziehungskultur aufweisen und hohe Mitgliederzahlen in den Gewerkschaften aufweisen können – ein Beispiel hierfür ist Deutschland. In Ländern, in denen der Hardwaresektor jedoch von multinationalen Unternehmen mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten dominiert wird, wie z. B. Irland, ist die gewerkschaftliche Organisierung möglicherweise gering. In dem jüngeren Bereich Software und Dienstleistungen ist generell nur ein geringer Teil der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert – in Griechenland liegt der Anteil bei fast null Prozent und in Italien bei 10 % (mehr als ein Drittel unter dem nationalen Durchschnitt).

Ein geringer Mitgliederprozentsatz (besonders im Bereich Software und Dienstleistungen) kann mit folgenden Faktoren zusammenhängen: die geringe Größe vieler Unternehmen (Organisierung in Gewerkschaften ist in kleineren Firmen schwieriger durchzusetzen); die kurze Geschichte eines großen Teils des Sektors; das junge Alter der meisten Beschäftigten (in vielen Ländern tendieren junge Arbeitnehmer eher dazu, sich nicht gewerkschaftlich zu organisieren); der hohe Anteil von befristeten und Teilzeit-Arbeitsverhältnissen; Selbständigkeit und andere in einigen Ländern 'atypische' Arbeitsformen im IKT-Sektor; die Tatsache, dass es sich bei den Arbeitskräften in einigen Teilen des Sektors oft um hochqualifizierte und relativ hochbezahlte Fachleute handelt; und die Kultur und Personalpolitik der Unternehmen. Die Rede ist hier sowohl von kleineren Firmen ohne hierarchische Strukturen als auch von größeren Firmen (wie einige multinationale Konzerne mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten) mit einer relativ hoch entwickelten Personalpolitik. Im Selbstbild des deutschen IKT-Sektors gehören Gewerkschaften zur 'Old Economy', während die 'New Economy' ohne Gewerkschaften auskommt. Wie aus Portugal berichtet wurde, identifizieren sich Beschäftigte im IKT-Sektor vor allem mit dem Sektor, in dem sie arbeiten, also mit der IT selbst. Im Vereinigten Königreich gelten Beschäftigte im IKT-Sektor als hoch qualifiziert, relativ gut bezahlt (oft mit Aktienoptionen) und extrem unabhängig, indem sie ihre Arbeitsbedingungen selbst mit den Unternehmen aushandeln und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in ein anderes Unternehmen mitnehmen, wenn es ihnen bei einem Arbeitgeber nicht mehr gefällt. Es passen jedoch bei weitem nicht alle Beschäftigte im IKT-Sektor in dieses Bild des 'professionellen' Typs. Beschäftigte mit schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen sind in mit dem IKT-Sektor verwandten Bereichen, wie z. B. Lagerhaltung, Warenversand, Kundendienst und Call-Centern, zu finden. Für die britischen Gewerkschaften stellen diese Beschäftigten eine wichtige Zielgruppe dar.

Auch das Bild eines hochqualifizierten, unabhängigen 'Experten' im IKT-Sektor schwindet schnell, sobald bei einem ehemals im Aufschwung begriffenen Sektor ein Abwärtstrend einsetzt. Um die Aussage von Mark Carley ('Workers of the e-world unite' in Business 2.0, April 2001) wiederzugeben: Wenn Beschäftigte bei Dotcom-Unternehmen ihre Vergütung und Arbeitsbedingungen einfach hingenommen und geglaubt haben, sie würden in Zukunft durch ihre Aktienoptionen entschädigt, so müssen sie jetzt angesichts der kürzlichen Talfahrt der Aktienkurse und zunehmenden Arbeitsplatzabbaus ihre Haltung ändern. In Deutschland konnte eine solche Haltungsänderung bei den Beschäftigten im IKT-Sektor bereits beobachtet werden: eine kürzlich durchgeführte Untersuchung von 200 Betriebsräten in Software- und IT-Dienstleistungsunternehmen hat ergeben, dass Gewerkschaftsmitglieder 60 % der Sitze innehatten.

Organisationsgeschichte und -struktur

Die aktuelle Struktur der gewerkschaftlichen Organisation im IKT-Sektor spiegelt zum größten Teil die Geschichte der Reaktion der Gewerkschaften auf das Entstehen des Sektors wider. Allgemein kann gesagt werden, dass sich bestehende Gewerkschaften im Telekommunikationsbereich weiterhin (mit unterschiedlichem Erfolg) in diesem Sektor organisiert haben, auch als sich dieser in neue Richtungen entwickelt hat. 'Traditionelle' Gewerkschaften aus dem Verarbeitungsbereich – vor allem aus der metallverarbeitenden Industrie – haben sich hingegen in Hardwareunternehmen organisiert. Wenn für Arbeiter und Angestellte unterschiedliche Gewerkschaften vorhanden waren, so wurde versucht, die jeweiligen Beschäftigen im IKT-Sektor zu organisieren. Beide Trends lassen sich in unterschiedlich starker Ausprägung in Österreich, Belgien, Deutschland, Italien, Luxemburg, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden und im Vereinigten Königreich beobachten. Dieses Gesamtbild umfasst jedoch auch erhebliche Variationen, und im Bereich Software und Dienstleistungen ist die Situation weit weniger klar umrissen. Die alten Trennlinien zwischen den Gewerkschaften haben sich durch die Veränderungen im IKT-Sektor in vielen Fällen verwischt.

Überall in Europa herrscht – besonders im Bereich Software und Dienstleistungen – das Bild alter und neuer Gewerkschaften vor, die getrennt voneinander arbeiten, miteinander konkurrieren oder auch zusammenarbeiten, um den turbulenten Entwicklungen im IKT-Sektor gerecht zu werden. In Deutschland haben die Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ein gemeinsames Abkommen zur Klärung der Verantwortlichkeiten bei gewerkschaftlichen Organisationen im IKT-Sektor unterzeichnet. Dabei werden die Verantwortlichkeiten hauptsächlich zwischen der IG Metall und derVereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) aufgeteilt (New agreement clarifies organisational responsibilities between DGB affiliates). In Italien ist die Vertretung in diesem Sektor fragmentiert, aber vor allem zwischen den drei Gewerkschaften für die metallverarbeitende Industrie und den drei Gewerkschaften für die Telekommunikationsindustrie aufgeteilt, die den wichtigsten Gewerkschaftsverbänden angehören. Innovationen im Sektor und die Privatisierung der Telekommunikationsunternehmen haben zu Neugruppierungen bei den Telekommunikations- (Verlags- und Medien-) Gewerkschaften geführt. Dieser Prozess der Diversifikation innerhalb der Gewerkschaftsverbände und Gewerkschaften kann in mehreren Ländern beobachtet werden. Es gibt jedoch auch Ausnahmen: in Österreich ist die Situation der Organisationen im IKT-Sektor stabil. Die Gewerkschaft Metall-Textil (GMT) und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) sind im Bereich Hardware und die GPA zusätzlich noch in Software- und neuen Telekommunikationsunternehmen tätig, wobei die Beschäftigten der früheren staatlichen Telekommunikationsunternehmen von der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) abgedeckt werden.

Spezielle neue Gewerkschaften zur gewerkschaftlichen Organisation von Beschäftigten im IKT-Sektor sind relativ unüblich, Ausnahmen finden sich allerdings in Dänemark und eingeschränkt auch in Frankreich (wo der Verband CFDT unter dem Namen Betor Pub eine Gewerkschaft für die 'New Economy' ins Leben gerufen hat, die Beschäftigte aus den Bereichen Call-Center, Werbung und Beratung gewerkschaftlich organisiert).

Vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen sind Rekrutierungskampagnen im wachsenden IT-Sektor für die Gewerkschaften in vielen Ländern wichtig – spezielle Kampagnen sind aus Ländern wie Österreich, Finnland, Irland, Norwegen und dem Vereinigten Königreich gemeldet worden. Die skandinavischen Länder scheinen bei der Entwicklung neuer Rekrutierungsmethoden eine führende Rolle einzunehmen. Traditionelle Gewerkschaften in Norwegen haben Kampagnen organisiert, die sich insbesondere an junge Fachleute aus städtischen Gebieten wenden. In diesem Zusammenhang haben sie bestehende Tarifabkommen überprüft, um festzustellen, wie Arbeitskräfte im IKT-Sektor am effektivsten angesprochen werden können. In Dänemark und Deutschland wurden im Hinblick auf die Berücksichtigung der Wünsche dieser 'neuen' Arbeitnehmer Untersuchungen zu den besonderen Bedürfnisse und der Kultur dieser Arbeitnehmer angestellt. In mehreren Ländern wird diese Gruppe von Arbeitskräften in der von ihnen bevorzugten Art und Weise angesprochen, d. h. über Internet und E-Mail. Einige Gewerkschaften haben sich sogar darum bemüht, 'E-Gewerkschaften' zu werden. In Dänemark verfügt die 'traditionelle' Gewerkschaft der metallverarbeitenden Industrie, Metal (gegründet 1888), die etwa die Hälfte der IKT-Beschäftigen im technischen Sektor abdeckt über eine eigene Homepage Cybermeda, und hat eine spezielle Einheit eingerichtet, die IT-Beschäftigten Beratungsdienstleistungen anbietet. Die dänische Gewerkschaft Prosa (gegründet 1967), in der vor allem Programmierer organisiert sind, bemüht sich, junge Auszubildende als Mitglieder zu gewinnen, indem sie ihnen eine kostenlose Mitgliedschaft, spezielle Kurse und verbilligte Bücher anbietet. Eine weitere dänische Gewerkschaft, Sam-data (Teil der HK), hat eine Analyse des Lebensstils nicht gewerkschaftlich organisierter Beschäftigter in der Dotcom-Kultur durchgeführt und beschäftigt einen Berater, der die lokalen Vertretungen der HK besucht und über diese Kultur informiert. Mehrere Gewerkschaften haben spezielle Unterbereiche für IT-Beschäftigte eingerichtet. Datafolket hat die schwedische Gewerkschaft für den Finanzsektor (Finansförbundet) eingerichtet. Ein weiteres Beispiel ist die von der britischen Gewerkschaft MSF eingerichtete Vereinigung für Informationstechnologie und IT-Fachleute (Information Technology and Professionals Association).

Ansicht der Gewerkschaften zu den Arbeitsbeziehungen in der IKT

Für viele Gewerkschaften in Europa ist die aktuelle Lage der Arbeitsbeziehungen und der Beschäftigung im IKT-Sektor in gewissem Maße Anlass zur Sorge. Sie sorgen sich erwartungsgemäß um die allgemein niedrigen Mitgliederzahlen und um die mangelnde Abdeckung durch Tarifverträge, was ihrer Meinung nach in manchen Fällen zu ungünstigen Arbeitsbedingungen führt. Die Gewerkschaften in Norwegen warnen z. B. vor neuen Arten von Gefahren im Zusammenhang mit der Arbeitsumgebung, die durch Faktoren wie einer höheren Arbeitsgeschwindigkeit und langen Arbeitstagen entstünden. Die griechische Telekommunikationsgewerkschaft OME-OTE weist auf eine erhöhte Flexibilität (vor allem bei der Vergütung) und der Deregulierung der Arbeitsbeziehungen im IKT-Sektor hin. Die spanischen Gewerkschaften bewerten die Arbeitsbedingungen im IKT-Sektor als schlecht und vergleichen sie angesichts von Phänomenen wie der Weitergabe an Subunternehmer und dem Outsourcing mit den Arbeitsbedingungen, die Zeitarbeitsunternehmen bieten. Sie möchten eine stabilere Regulierung der Beschäftigung erreichen. Die dänische Gewerkschaft für die metallverarbeitende Industrie, Metal, zeigt sich besorgt darüber, dass ein Wachstumssektor wie IKT weniger durch Tarifabkommen reguliert ist als der Rest des dänischen Arbeitsmarktes – dies könnte nach Meinung der Gewerkschaft letztendlich zur Einführung einer Arbeitsgesetzgebung für diesen Bereich führen, die im Konflikt mit dem abkommenbasierten Arbeitsbeziehungsmodell Dänemarks steht.

Nicht alle Gewerkschaften bewerten die Situation jedoch so negativ. Obwohl sie auch mögliche zukünftige Gefahren eingestehen, halten die italienischen Gewerkschaften die aktuelle Situation für positiv: das Bestehen von Gewerkschaften und Tarifverhandlungen in den wichtigsten IKT-Unternehmen sei wichtig und werde außerdem auf neue Bereiche, wie z. B. Internet-Diensteanbieter, ausgeweitet. Für die Zukunft erwarten die italienischen Gewerkschaften einige Unwägbarkeiten: eine Reihe von Umstrukturierungen seien im Gange und nach einer Periode bemerkenswerten wirtschaftlichen Wachstums würde die Investitionstätigkeit im IKT-Sektor abgebremst. Maßnahmen wie 'Downsizing' und Outsourcing träfen insbesondere Aktivitäten wie die Einrichtung und Pflege von Infrastrukturen. Insgesamt sind die italienischen Gewerkschaften jedoch zuversichtlich, dass es angesichts der positiven Erfahrungen in der Vergangenheit möglich sein wird, die Umstrukturierungsprozesse in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern zu bewältigen, obwohl die Möglichkeit eines Anstiegs der Zahl von Arbeitskämpfen nicht auszuschließen sei. Die Gewerkschaften im Vereinigten Königreich sehen einige ermutigende Zeichen in der neuen Gesetzgebung zur Anerkennung der Gewerkschaften (siehe oben) und dem Recht, bei Beschwerde- und Disziplinarverfahren die Unterstützung eines Gewerkschaftsfunktionärs in Anspruch nehmen zu können (New right for workers to be accompanied at disciplinary and grievance hearings). Die britischen Gewerkschaften hoffen weiterhin, dass die gegenwärtige Konjunkturschwäche in dem Sektor dazu führen wird, dass mehr IKT-Beschäftigte in die Gewerkschaften eintreten.

Arbeitgeberorganisationen in der IKT

Die Arbeitgeberorganisationen ältig wie die Arbeitnehmerorganisationen. Einige Arbeitgeber sehen keine Notwendigkeit, überhaupt in eine Organisation einzutreten, während andere keine Notwendigkeit sehen, dass ihre Organisationen an Tarifverhandlungen teilnehmen. Wo Organisationen vorhanden sind, haben sich diese im Allgemeinen aus den traditionellen Organisationen (vor allem in der Metallverarbeitung und der Industrie) heraus oder parallel dazu entwickelt. Die meisten IKT-Dienstleistungsunternehmen scheinen in keiner Arbeitgeberorganisation Mitglied zu sein.

Die deutlichste Situation hinsichtlich Arbeitgeberorganisationen in der IKT findet sich möglicherweise in Schweden, wo im Jahre 2000 die Arbeitgebervereinigung für IT-Handel und -Industrie (IT- och telekomföretagens Arbetsgivareförebund, ITA) innerhalb der Arbeitgeberorganisation für Industrie und Dienstleistungen Almega gegründet wurde, die dem Arbeitgeberverband Schwedisches Unternehmen (Svenskt Näringsliv) angehört. Etwa 600 Unternehmen sind eingetreten. Insgesamt werden 40.000 Beschäftigte in IT-Unternehmen und 30.000 Beschäftigte in Telekommunikationsunternehmen vertreten. Die ITA wird Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften führen. Dabei wird separat für die Bereiche IT und Telekommunikation verhandelt. Mehr als 180 weitere Unternehmen haben darüber hinaus 'Dienstleistungsvereinbarungen' mit der ITA getroffen, durch die sie Unterstützung in den Bereichen Arbeitsrecht und bei anderen Fragen in Anspruch nehmen können, ohne an Tarifverhandlungen teilnehmen zu müssen. Diese Situation – eine einzige Arbeitgeberorganisation für einen großen Teil des IKT-Sektors, die Tarifverhandlungen führt – ist nur in Schweden zu finden, obwohl im Juni 2001, als dieses Dokument verfasst wurde, gerade ein ähnlicher einzelner IKT-Verband innerhalb des Hauptverbandes der Norwegischen Wirtschaft und Industrie (Næringslivets Hovedorganisasjon, NHO) (New employer and industry association created for ICT sector) gegründet wurde. In Deutschland behauptet die Arbeitgebervereinigung für Unternehmen aus dem Bereich EDV und Kommunikationstechnologie, AGEV) von sich, eine Arbeitgeberorganisation für den Sektor zu sein, hat aber bislang kaum Tarifabkommen unterzeichnet.

In anderen Ländern, in denen IKT-Unternehmen echten Arbeitgeberorganisationen angehören, die Tarifverhandlungen führen, ist die Situation komplexer und oft uneinheitlich. In Österreich ist die Situation relativ einfach, da (wie oben erwähnt) alle Arbeitgeber der Arbeitgeberorganisation WKÖ beitreten müssen, deren Untereinheiten Tarifverhandlungen führen. Außerdem können die österreichischen Arbeitgeber auf freiwilliger Basis auch der Österreichischen Industriellenvereinigung (IV) beitreten, die keine Tarifverhandlungen führt. In anderen Ländern wie Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien und Portugal gehören IKT-Unternehmen aus dem Bereich Hardware und Verarbeitung meistens den traditionellen Arbeitgeberorganisationen für Metallverarbeitung, Industrie oder Elektroindustrie an und werden von deren Tarifabkommen abgedeckt. Telekommunikationsunternehmen können Arbeitgeberorganisationen angehören, die auf Sektorebene tätig sind, wie sie z. B. in Finnland oder Frankreich vorkommen. Diese Arbeitgeberorganisationen sind jedoch relativ unüblich (zweifellos aufgrund der früheren staatlichen Monopole in der Industrie). Software- und Dienstleistungsunternehmen sind nur selten Mitglied in Arbeitgeberorganisationen, obwohl es hier einige Ausnahmen, wie Dänemark, Finnland und Frankreich, gibt (wobei die Mitgliederzahlen hier im Allgemeinen recht niedrig sind).

Griechenland, Irland, Luxemburg und das Vereinigte Königreich verfügen nicht über Arbeitgeberorganisationen, die Tarifverhandlungen im Namen der IKT-Unternehmen führen (in Irland und im Vereinigte Königreich ist dies darauf zurückzuführen, dass fast keine sektorbezogenen Tarifabkommen irgendwelcher Art vorliegen). In Irland können IKT-Unternehmen jedoch insgesamt vier Unternehmerverbänden angehören, die selbst keine Tarifverhandlungen führen. Diese Unternehmerverbände sind dem Arbeitgeberverband IBEC angegliedert, der Verhandlungen im Namen der Arbeitgeber im Privatsektor führt, wenn es um nationale sektorinterne Abkommen zu Vergütung und anderen Fragen geht. Einige IKT-Unternehmen aus Griechenland und Irland gehören ebenfalls Unternehmerverbänden ohne verhandelnde Funktion an, deren Aufgaben u. a. in der Durchsetzung der Mitgliederinteressen, der Interessenvertretung und dem Angebot von Dienstleistungen bestehen. Solche Unternehmerverbände – für den gesamten IKT-Sektor oder Segmente dieses Sektors – bestehen in vielen Ländern, in denen auch Arbeitgeberverbände vorhanden sind, die für die Führung von Tarifverhandlungen zuständig sind. Als Beispiele wären hier Belgien, Frankreich, Deutschland – wo der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITCOM) von sich behauptet, den gesamten IKT-Sektor zu vertreten – Italien, Norwegen und Spanien zu nennen. In Italien ist eine Diskussion darüber im Gange, ob dem internationalen Verband für Unternehmen aus den Sektoren Telekommunikation, Radio, Fernsehen und IT, Federcomin, der dem Arbeitgeberverband Confindustria angegliedert ist, eine Rolle bei Verhandlungen eingeräumt werden soll, was das sektorbezogene Abkommen für den Bereich Telekommunikation betrifft, das im Jahr 2000 direkt von Confindustria unterzeichnet wurde. In Dänemark sind spezielle nicht verhandlungsführende Verbände für IT-Arbeitgeber Teil der wichtigsten Arbeitgeberorganisationen für Industrie und Dienstleistungen.

Ansichten der Arbeitgeber zu Gewerkschaften

Wie oben (im Abschnitt 'Tarifverhandlungen') dargestellt, bestehen erhebliche Unterschiede in der Haltung der IKT-Unternehmen gegenüber Gewerkschaften. Die bekannte Unterscheidung zwischen den verschiedenen Segmenten des Sektors trifft auch hier zu: während bei Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie and länger bestehenden Telekommunikationsunternehmen die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass sie sich bereits seit langem gewerkschaftlich organisieren und Tarifverhandlungen führen und hiermit mehr oder weniger vertraut sind (obwohl dies unter Umständen nicht auf z. B. Unternehmen im US-Besitz zutrifft), stehen jüngere Software- und Dienstleistungsunternehmen diesen Fragen viel ablehnender gegenüber. In Ländern, in denen traditionelle Sozialpartnerorganisationen eine große Rolle spielen – z. B. in Italien – scheint die Akzeptanz bei den Arbeitgeberverbänden insgesamt höher zu sein und Verhandlungen werden als 'normal' angesehen. Sowohl Irland als auch das Vereinigte Königreich berichten allerdings von einer Weigerung, Gewerkschaften anzuerkennen, und der feindlichen Haltung, besonders von multinationalen Konzernen mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten. Gewerkschaften werden von IKT-Unternehmen oft als eine Fessel für Unternehmen gesehen, die sehr flexibel und innovativ sein müssen, um im Markt überleben zu können. Trotzdem entwickeln einige IKT-Unternehmen im Vereinigten Königreich (wie CSC und EDS) Rahmenbedingungen und Beziehungen, die die notwendigen Voraussetzungen für die gewerkschaftliche Organisierung bilden. In Dänemark möchten die Arbeitgeber, offensichtlich genauso wie viele ihrer nicht gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten, so frei und unabhängig wie möglich sein und sehen daher keine Veranlassung für ein traditionelles Modell der gewerkschaftlichen Organisierung. Wo jedoch Gewerkschaften vorhanden und tätig sind, werden sie auch als Verhandlungspartner akzeptiert.

Arbeitsmarkt, Umstrukturierung und Arbeitskampf

Im Allgemeinen gilt der Arbeitsmarkt im IKT-Sektor als hart umkämpft. Das Bild ist jedoch bei Weitem nicht einheitlich: der hart umkämpfte Arbeitsmarkt bezieht sich hauptsächlich auf höher qualifizierte Positionen und auf den Software- und Dienstleistungssektor. Wie oben (im Abschnitt 'Zahlen und Fakten über den IKT-Sektor') erwähnt, ist der IKT-Sektor insgesamt schnell gewachsen, dieses Wachstum war jedoch nicht gleichmäßig auf die verschiedenen Teile des Sektors verteilt. So mussten in einer Reihe von Teilsektoren Schließungen, 'Downsizing'- und Umstrukturierungsmaßnahmen vorgenommen werden. Viele niedriger qualifizierte Arbeitskräfte in den ehemals staatlichen Telekommunikationsmonopolen mussten betriebsbedingte Kündigungen vornehmen bzw. nehmen sie noch immer vor (siehe unten). Beträchtliche Umstrukturierungen haben bei der Herstellung von Fernseh- und Radiogeräten und zuletzt bei der Computerherstellung stattgefunden. Die Krise in der 'New Economy', die sogar die Software- und Dienstleistungsunternehmen getroffen hat, liegt sogar noch kürzer zurück.

Umstrukturierungen sind in einigen Fällen durch Vereinbarungen und die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften oder anderen Arbeitnehmervertretungen vorgenommen wurden. Auch zu Arbeitskämpfen ist es im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen gekommen. Diese konzentrierten sich vornehmlich auf die Teile der IKT, in denen sich der Arbeitsmarkt als relativ ungünstig für die Arbeitnehmer erweist. Beispiele sowohl zu Vereinbarungen als auch zu Arbeitskämpfen in den drei Segmenten der IKT werden nachfolgend aufgeführt.

Telekommunikation

In allen Ländern, auf die sich diese Studie bezieht, ist es in den Telekommunikationsunternehmen zu erheblichen Veränderungen gekommen, die vor allem auf die Privatisierung und Liberalisierung der Märkte zurückzuführen sind – weitere Einzelheiten enthält die im Jahre 1999 durch die EIRO durchgeführte Vergleichsstudie Privatisation and industrial relations. Seit Veröffentlichung dieser Studie hat sich der Prozess fortgesetzt und teilweise sogar verstärkt. Als Beispiel sei an dieser Stelle Italtel genannt, ein Unternehmen, das ehemals zu dem Konzern Telecom Italia gehörte. 1999 wurde Italtel in zwei Teile geteilt: Siemens ICN (Teil des deutschen Siemens-Konzerns) und Italtel (Teil des italienischen Konzerns Telecom Italia). Anfang des Jahres 2000 schlossen beide Unternehmen mit den Gewerkschaften ein Abkommen über die Durchführung eines Umstrukturierungsprozesses. Bei Italtel sah das Abkommen eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl von 802 sowie einen Outsourcing-Prozess vor, der insgesamt 250 Beschäftigte betreffen sollte. Die betriebsbedingten Kündigungen sollten mit Hilfe einer Kombination aus einem 'Mobilitätsverfahren', Anreizen für freiwillige Kündigungen und Outplacement durchgeführt werden. Gleichzeitig verpflichtete sich das Unternehmen zur Einstellung von 600 neuen Mitarbeitern, um spezielles Fachwissen für die Bereiche Handel, Forschung, Entwicklung und Produktion, die als wichtig für die Entwicklung des Unternehmens angesehen wurden, einzukaufen. Im Januar 2001 bewerteten die Gewerkschaften und die Unternehmensleitung von Italtel (das nicht mehr von Telecom Italia kontrolliert wird) den Fortschritt des Umstrukturierungsabkommens. Die Gewerkschaften äußerten ihren Unmut, nachdem das Unternehmen den Verkauf eines Werks angekündigt hatte. Außerdem waren sie nicht damit einverstanden, dass Italtel um eine Überprüfung des Abkommens gebeten hat, nachdem das erwartete Wachstum nicht eingetreten war. Das Abkommen bei Siemens umfasste einen ähnlichen Umstrukturierungsprozess, der auch etwa 520 betriebsbedingte Kündigungen umfasste. Auch hier sollte der Abbau der Beschäftigten durch Anreize für freiwillige Kündigungen, Outplacement und die Durchführung eines 'Mobilitätsverfahrens' erreicht werden. In diesem Fall entsprach die Durchführung der Umstrukturierung nach Angaben der Gewerkschaften den Bedingungen des Abkommens.

Als weitere Beispiele für kürzlich durchgeführte Umstrukturierungsmaßnahmen im Telekommunikationssektor wären noch folgende Unternehmen zu nennen: das norwegische Unternehmen Telenor, wo die Vereinbarungen zu Wiedereingliederungen und betriebsbedingten Kündigungen der Zustimmung der Gewerkschaften unterlagen; das griechische Unternehmen OTE, bei dem der Umstrukturierungsprozess von Arbeitskämpfen begleitet war; das frühere Tele Danmark; Telekom Austria, dessen Unternehmensleitung und Betriebsrat einen Sozialplan für betriebsbedingt gekündigte Beschäftigte aufgestellt hat (obwohl es bei der Umsetzung dieses Plans zu Protesten kam) und das niederländische Unternehmen KPN.

Hardware und Computerherstellung

Umstrukturierungen sind nicht auf den Telekommunikationsbereich beschränkt. Die wichtigsten Hardwareunternehmen, die sowohl PCs als auch Mobiltelefone herstellen, sahen und sehen sich noch immer einem starken Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Das schwedische Unternehmen Ericsson ist ein Beispiel für eines großes Hardwareunternehmen, das sich in einem Umstrukturierungsprozess befindet, der 1997 begonnen hat. Betriebsbedingt entlassen wurden 600 Beschäftigte im Werk Norrköping, in dem Telekommunikationsgeräte hergestellt werden. Das Unternehmen, Gewerkschaften, örtliche Behörden und das Zeitarbeitsunternehmen Proffice haben zusammengearbeitet, um betriebsbedingt gekündigte Arbeitnehmer zu unterstützen. Ericsson garantierte diesen Arbeitnehmern zudem die Weiterzahlung des vollen Gehalts für ein Jahr. Bis Ende Dezember 2000 hatten 59 % der Arbeitnehmer neue Arbeitsstellen gefunden (Ericsson's Norrköping model for helping redundant workers reviewed). Im Jahr 2001 kündigte die Unternehmensleitung von Ericsson zahlreiche weitere betriebsbedingte Entlassungen an und gab an, dass das Unternehmen plant, den betroffenen Arbeitnehmern ein ähnliches Programm anzubieten (Ericsson announces 2,100 redundancies in Sweden).

In Irland war die Schließung von Seagate Technologies in Clonmel 1997 nach nur zwei Jahren, die den Verlust von 1.400 Arbeitsplätzen mit sich gebracht hat, sehr umstritten – und wurde von den Gewerkschaften als hilfreich bei der Bewusstmachung des Problems der Anerkennung von Gewerkschaften gewertet. Das Unternehmen gab an, dass in dem geschlossenen Werk die höchsten Kosten pro Einheit im gesamten Konzern verzeichnet würden, wobei die gleiche Produktionsmenge auch in Fernost für ein Drittel der Kosten erzielt werden könne. Die 1.130 Beschäftigten mit unbefristeten Arbeitsverträgen erhielten Entlassungsabfindungen, welche den etwa 300 Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen allerdings nicht gezahlt wurden. Auch im Vereinigten Königreich wurden in einer Reihe von IKT-Unternehmen, einschließlich EDS, CSC und ICL erhebliche Umstrukturierungen vorgenommen. Der Umstrukturierungsprozess bei Compaq ist noch im Gange. Bisher hat dies noch nicht zu Arbeitskämpfen geführt, was vor allem auf den niedrigen Grad gewerkschaftlicher Organisierung innerhalb dieses Sektors zurückzuführen ist. Wenn es zu Arbeitskämpfen gekommen ist, so war dies eher in den Teilen, die geringeren Mehrwert schaffen und in denen ein höherer Teil der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert ist.

In Belgien hat ACV Metaal, der flämische Teil der Arbeitergewerkschaft für die Bereiche Metallkonstruktion, Maschinenbau und Elektro, die dem Christlichen Gewerkschaftsbund (Confédération des Syndicats Chrétiens/Algemeen Christelijk Vakverbond, CSC/ACV) angegliedert ist, im Jahr 2000 eine Untersuchung darüber durchgeführt, inwiefern Umstrukturierungen zu Arbeitsplatzverlusten und Frühruhestand führen. Dabei wurde festgestellt, dass Umstrukturierungen mit 101 Fällen in einem Jahr weit verbreitet waren. Als Hauptgründe wurden hierfür Standortverlegungen, Fusionen und Übernahmen sowie die Schließung von Werken aufgrund von technologischen Weiterentwicklungen angeführt. Erhebliche Umstrukturierungen fanden auch im Bereich Halbleiterherstellung in Portugal statt. In Spanien hat das amerikanische Unternehmen Hewlett Packard die Herstellung von Druckern an Subunternehmer weitergegeben und 198 Arbeitsplätze abgebaut, obwohl in diesem Bereich noch Gewinne erzielt wurden. Die Beschäftigen sind in Streik getreten, um sich diesem Stellenabbau zu widersetzen, letztendlich mussten sie sich aber mit der Aushandlung eines verbesserten Planes für die Durchführung der betriebsbedingten Kündigungen im Februar 2001 zufrieden geben (Production ends at Hewlett Packard Barcelona).

Software und Dienstleistungen

Eine ganz neue Entwicklung ist die Krise in der sogenannten 'New Economy', die zu Umstrukturierungen und sogar der Schließung vieler Unternehmen geführt hat, die bis vor kurzem ausschließlich Wachstum und Wohlstand erfahren haben. Ein Beispiel aus Österreich ist das im Jahre 1994 gegründete Unternehmen Blue-C, einem Anbieter von E-Business-Dienstleistungen, das bis Ende 2000 ein sehr dynamisches Wachstum erlebt hat und dessen Aktien seit Oktober 2000 an der Börse gehandelt wurden. Anfang 2001 gab das Unternehmen jedoch bekannt, dass der Umsatz aller Voraussicht nach niedriger als erwartet ausfallen wird, dass eine Reihe seiner Büros im Ausland geschlossen werden müssen und dass geplant wird, die Beschäftigtenzahl von 230 auf 140 zu reduzieren. Im Mai 2001 mussten mehrere IKT-Software- und –Beratungsunternehmen Konkurs anmelden oder um Zahlungsaufschub bitten. Eine Reihe von Dotcom-Unternehmen im Vereinigten Königreich, wie z. B. Boo.com, mussten bereits ihre Pforten schließen.

Diese sich verschärfende Krise ist bisher anscheinend nicht durch nennenswerte Arbeitskämpfe begleitet worden, was zweifellos auf den oben beschriebenen geringen Organisierungsgrad und die speziellen Merkmale der Beschäftigung in diesem Sektor zurückzuführen ist. Dies soll aber nicht heißen, dass der Bereich Software und Dienstleistungen völlig frei von Konflikten ist. So wurde z. B. von einem Arbeitskampf bei Atento, einem spanischen Tele-Markting-Unternehmen, berichtet, als bekannt wurde, dass das Unternehmen plant, seinen Standort nach Marokko zu verlegen und bei den spanischen Beschäftigten Umstrukturierungen vorzunehmen. Kürzlich kam es auch bei dem französischen Internet-Diensteanbieter Club Internet zu einem Streik, bei dem ein Gewerkschaftsvertreter der CGT-FO in den Hungerstreik getreten ist. Dieser Streik endete mit einer Vereinbarung, die Löhne zu überprüfen. Einige Umstrukturierungsmaßnahmen in diesem Teilsektor stehen im Zusammenhang mit Übernahmen und Fusionen. In Frankreich entstand ein Konflikt nach der Übernahme des Internet-Diensteanbieters Frisbee durch Liberty Surf (einem Unternehmen, das nur wenige Tage später von Tiscaliübernommen wurde). Der Konflikt ist darauf zurückzuführen, dass das Unternehmen den Betriebsrat nicht über die Übernahme informierte und dass die Abteilung Kundendienst einem anderen Tochterunternehmen übertragen wurde. In Belgien machten die Beschäftigten des Internet-Unternehmens World Online sich die Vorteile der verfügbaren Technologie zu Nutze, um gegen die betriebsbedingten Kündigungen zu protestieren, die aufgrund der Fusion mit Tiscali im Februar 2001 durchgeführt werden sollten. Sie 'besetzten' die Website des Unternehmens, informierten die Kunden über die Geschehnisse und veröffentlichten aktuelle Informationen zu dem Konflikt. Dies wurde als erster 'Cyber-Streik' im belgischen Multimediasektor bezeichnet.

Forschungsergebnisse: fördernde und einschränkende Faktoren

Die Tatsache, dass es sich bei der IKT um einen jungen Sektor handelt, zeigt sich daran, dass keine Forschungstradition im Bereich Arbeitsbeziehungen vorhanden ist. Von derartigen Forschungen wird jedoch aus knapp über der Hälfte der im Rahmen dieser Studie untersuchten Länder berichtet. Nachfolgend wird eine kurze und allgemeine Zusammenfassung dieser Untersuchungen gegeben. Vier Hauptthemen lassen sich feststellen: die Arbeitsmarktsituation des Sektors (siehe oben im Abschnitt 'Fakten und Zahlen über den IKT-Sektor'); die Politik der Arbeitsbeziehungen und der Verwaltung der Humanressourcen (Human Resources Management, HRM, in den Unternehmen); die Einstellungen der Beschäftigten in den Dotcom-Unternehmen und die Auswirkungen der IT auf Arbeitsbedingungen und die Art der Arbeit. Die meisten Untersuchungen sind in Form von Fallstudien durchgeführt worden.

Studien zur HRM-Politik, z. T. aus vergleichender Perspektive, sind in Irland und im Vereinigten Königreich durchgeführt worden. Verschiedene Forschungsarbeiten aus Irland liefern z. B. nicht eindeutige Ergebnisse zur Frage, ob die HRM-Politik in Niederlassungen von US-amerikanischen Unternehmen in Irland – von denen viele im IKT-Sektor zu finden sind – mehr der Politik in den Muttergesellschaften in den USA oder der Politik in den einheimischen irischen Unternehmen entspricht. Das jüngste Ergebnis besagt, dass der US-amerikanische Hintergrund einen entscheidenden Unterschied macht. Eine deutsche Studie unterstreicht dieses Ergebnis. So wurde herausgefunden, dass man nicht von einem einheitlichen Arbeitsbeziehungsmodell im IKT-Sektor sprechen kann, sondern dass die Arbeitsbeziehungen oft von verschiedenen Faktoren abhängt, wie der Geschichte und Kultur der betreffenden Unternehmen. HRM-Strategien sind auch im Vereinigten Königreich ein Thema. Hier sollte u. a. ermittelt werden, ob die speziellen 'neuen HRM-Techniken' für den niedrigen Grad an Gewerkschaftsmitgliedschaft in IKT-Unternehmen verantwortlich sind. Dieses Phänomen wurde im Rahmen der Studie erklärt und es wurde festgestellt, dass die Einstellung der Arbeitnehmer gegenüber der Gewerkschaftsmitgliedschaft eine größere Rolle spielt: die Arbeitnehmer bezweifeln, dass die Gewerkschaften ihre Probleme lösen können.

Die Art der Arbeit und der Beschäftigten in Dotcom-Unternehmen wurde in einer dänischen Studie, bestehend aus acht Fallstudien, untersucht. Bei der Untersuchung der Arbeitspraktiken im Dotcom-Unternehmen wurde festgestellt, dass diese sehr viel mehr mit den Arbeitspraktiken in den anderen neu gegründeten Unternehmen gemeinsam haben, als dies von dem in den Medien propagierten Klischee junger Arbeitnehmer ohne formelle Ausbildung, die eine lange aber flexible Arbeitszeit und viel Freizeit haben (z. B. für Computerspiele), vorgegeben wird. Gemäß der Studie ist der Grad an Flexibilität hoch, aber nicht unbeschränkt, die Arbeitszeiten entsprechen denen in anderen Sektoren und die Arbeitnehmer sind weder ganz so jung noch ganz so 'unausgebildet', wie dies von den Medien vorgegeben wird, und sie haben auch eine sehr viel gewissenhaftere Einstellung gegenüber der Arbeit.

Im Rahmen von Studien, die in Italien und Spanien durchgeführt wurden, wurden schließlich die Auswirkungen untersucht, die die Einführung der IT auf die Beschäftigungslage und den Charakter der Arbeit haben. In Spanien hat sich die ursprüngliche Meinung, dass die IT betriebsbedingte Kündigungen mit sich bringt, zu einer optimistischeren Analyse der Möglichkeiten entwickelt, die der neue Sektor für die Beschäftigung bietet (z. B. im Dienstleistungsbereich und durch Telearbeit). In Spanien wird die IT stellenweise als produktivitätssteigernd und förderlich für die Anpassung an Kundenanforderungen, das weitere Wirtschaftswachstum und den langfristigen Wohlstand angesehen. In Italien wurden die Auswirkungen der IT auf Beschäftigung, Arbeitsbedingungen und Arbeitsflexibilität untersucht. IT wird, ähnlich wie in der spanischen Studie, sowohl als fördernder als auch einschränkender Faktor bewertet. Im Hinblick auf die Auswirkungen der IT auf Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen – z. B. die Schaffung von mehr Möglichkeiten zur Vereinbarung von Arbeit und Privatleben – bietet IT neuen Raum für Tarifverhandlungen. In diesem Sinne kann IKT, gemäß der italienischen Studie, eine Herausforderung für Gewerkschaften und Arbeitsbeziehungen darstellen, da teilweise neue Formen der Regulierung erforderlich sind, um den Vorteil der Flexibilität, die diese neuen Technologien bieten, voll nutzen zu können. Die Gewerkschaften sehen sich hingegen mit einer wachsenden Anzahl von Arbeitnehmern konfrontiert, die aus der traditionellen Gewerkschaftsmitgliedschaft herausfallen – entweder weil es sich um 'Fachleute' handelt oder weil ihre Arbeitsverhältnisse nicht der Norm entsprechen.

Kommentar

Zunächst ist zu betonen, dass es sich bei dem IKT-Sektor im Hinblick auf die Arbeitsbeziehungen nicht um einen einzelnen Sektor handelt, sondern um mindestens drei Teilsektoren – Hardware und Verarbeitung, Telekommunikation sowie Software und Dienstleistungen – die durch ganz unterschiedliche Arbeitsbeziehungsmuster gekennzeichnet sind. IKT-Unternehmen, die aus bestehenden Unternehmen mit einer langen und mehr oder weniger stabilen Arbeitsbeziehungsgeschichte hervorgegangen sind – wie dies oft bei Telekommunikations- und Hardwareunternehmen der Fall ist – unterscheiden sich sehr deutlich von Dotcom-Unternehmen und anderen IKT-Dienstleistungsunternehmen in der sogenannten 'New Economy'. Vor den Gewerkschaften liegt noch ein langer Weg, besonders in den letztgenannten Unternehmen, was allerdings nicht bedeutet, dass sie in den Bereichen Hardware und Telekommunikation einen leichten Stand haben.

Der IKT-Sektor ist u. a. aufgrund der Geschwindigkeit so interessant, in der sich dieser Sektor (oder Teile davon) und neue Unternehmen gebildet haben. In vielerlei Hinsicht bedeutet dies, dass der Sektor als eine Art 'Schnellkochtopf' (oder vielleicht treffender als ein 'Vergrößerungsglas') für die bestehenden Arbeitsbeziehungssysteme bezeichnet werden kann. Es ist natürlich wohlbekannt, dass die verschiedenen Länder durch unterschiedliche Arbeitsbeziehungsfragen und -merkmale gekennzeichnet sind, aber es scheint, dass diese Fragen und Merkmale, welcher Gestalt auch immer sie sein mögen, auf den IKT-Sektor noch viel besser und genauer zutreffen als auf andere Sektoren. Ein deutliches Beispiel hierfür stellt das Problem der Anerkennung der Gewerkschaften im Vereinigten Königreich und in Irland dar. Zu weiteren Beispielen zählen die gesetzlich vorgeschriebene Mitgliedschaft in Arbeitgeberorganisationen in Österreich, die relative Wichtigkeit von sektorweiten Tarifabkommen in Deutschland und Österreich und die Frage der (internen und externen) Flexibilität in Belgien, Frankreich und Spanien.

Allgemein wird die Ansicht vertreten, dass IKT und insbesondere der Teilsektor Software und Dienstleistungen, eine 'eigene Welt' darstellt. Was die Arbeitsbeziehungen angeht, trifft es zu, dass der Sektor viele charakteristische Merkmale aufweist. Auf der einen Seite ist die Flexibilität ebenso wie das Ausbildungsniveau relativ hoch. Auf der anderen Seite sind Anzeichen dafür vorhanden, dass diese Unterschiede nicht überbewertet werden sollten und eventuell zum Teil mit dem jungen Alter des Sektors erklärt werden können.

Zudem hat in letzter Zeit das rosige Bild der unabhängigen IKT-Beschäftigten, die für sich selbst sorgen können und den 'klassischen' Schutz durch die Arbeitnehmerinstitutionen nicht mehr benötigen, sehr viel an Glanz verloren. Während Umstrukturierungen bis vor kurzem nur in den Bereichen Telekommunikation und Verarbeitung vorgenommen wurden, schienen die Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten für Software- und Dienstleistungsunternehmen und deren Beschäftigte nahezu unbegrenzt. Dieses Bild ist im Wandel begriffen. Die Krise, die die 'New Economy' schwer getroffen hat, scheint zu einer 'Normalisierung' der Arbeitsbeziehungen im Sektor geführt zu haben, in dem Sinne, als sich diese Beziehungen eher in Richtung der traditionelleren Muster entwickeln. Als Beispiele seien hier die steigende Anzahl der Betriebsräte in deutschen IKT-Unternehmen, die steigenden Mitgliederzahlen in den Gewerkschaften in IKT-Unternehmen als Folge der finanziellen Schwierigkeiten in mehreren Ländern und der Abschluss von Tarifabkommen in Unternehmen in den Niederlanden genannt, die bis vor kurzem noch nicht über Tarifabkommen verfügten.

Obwohl andere Sektoren mit Sicherheit Elemente der Arbeitsbeziehungen aus dem IKT-Sektor übernehmen, ist der umgekehrte Prozess sicherlich mindestens so wichtig. Der Punkt, an dem sich beide Prozesse treffen, liegt vielleicht näher an den bestehenden Arbeitsbeziehungsmustern, als viele Beobachter vorausgesagt haben. (Robbert van het Kaar und Marianne Grünell, HSI)

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