Arbeitskosten - jährliches Update 2001

In diesem jährlichen Update untersuchen wir, wie sich im Zeitraum 1999-2001 die Arbeitskosten je Stunde in der Europäischen Union (und Norwegen) entwickelten. Wie wir feststellen mussten, sind die nationalen Daten sehr lückenhaft, namentlich im Hinblick auf die absolute Höhe der Arbeitskosten, doch konnten wir mit Hilfe von Eurostat und anderen Quellen einige Lücken schließen. Gesamtwirtschaftlich betrachtet differieren die durchschnittlichen Gesamtarbeitskosten je Stunde in den 16 untersuchten Ländern um den Faktor vier, wobei das Kostenniveau in Österreich, Belgien, Dänemark, Deutschland, Norwegen und Schweden am höchsten und in Italien, Spanien, Griechenland und Portugal am niedrigsten war. Im Schnitt macht das Direktentgelt zwei Drittel bis drei Viertel der Gesamtarbeitskosten (je nach verwendeter Maßzahl) aus und rangieren die Sozialbeiträge der Arbeitgeber an zweiter Stelle, wenngleich die Struktur der Arbeitskosten in den einzelnen Ländern stark voneinander abweicht. In den letzten Jahren war bei den stündlichen Arbeitskosten ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar, stieg doch die durchschnittliche Zuwachsrate, die 1999 bei 3,3 % gelegen hatte, in den beiden Folgejahren auf 3,8 % bzw. 4,3 %. Im verarbeitenden Gewerbe und im Kredit- und Versicherungsgewerbe liegen die Arbeitskosten in der Regel über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Die Arbeitskosten, also alle Aufwendungen, die einem Arbeitgeber durch die Beschäftigung von Arbeitskräften entstehen, bilden zweifellos den Dreh- und Angelpunkt der Arbeitsbeziehungen. Zu den Hauptbestandteilen der Gesamtarbeitskosten, wie sie Eurostat im Einklang mit der von der International Conference of Labour Statisticians vereinbarten internationalen Begriffsbestimmung definierte, zählen die Arbeitnehmerentgelte (darunter Löhne und Gehälter), die Sozialbeiträge der Arbeitnehmer, Aufwendungen für die berufliche Bildung und Steuern zu Lasten des Arbeitsgebers. Die Höhe des Direktentgelts wird in den meisten europäischen Ländern in Tarifverhandlungen festgelegt oder von diesen stark beeinflusst. Zugleich nehmen die Sozialpartner in zahlreichen Ländern (über Verhandlungen oder auf anderem Wege) auch auf Faktoren wie die Höhe der Arbeitgebersozialbeiträge oder die Aufwendungen für die berufliche Bildung Einfluss. Man könnte also mit Fug und Recht behaupten, dass es bei den Arbeitsbeziehungen zu einem großen Teil um die Festlegung der Arbeitskosten geht.

Die mit den Arbeitsbeziehungen zusammenhängenden Institutionen und Prozesse wirken sich nicht nur nachhaltig auf die Arbeitskosten aus, sondern werden ihrerseits von diesen beeinflusst, denn das Arbeitskostenniveau und entsprechende Vergleichszahlen kommen häufig im Rahmen von Tarifverhandlungen und Diskussionen über die internationale Wettbewerbsfähigkeit und den Standort bzw. die Verlagerung von Produktionsstätten zur Sprache. In den letzten Jahren haben die Diskussionen im Zeichen der zunehmenden wirtschaftlichen Globalisierung an Intensität zugenommen. Innerhalb der Europäischen Union ist die Arbeitskostenproblematik durch die verstärkte wirtschaftliche Integration und den bevorstehenden Beitritt mittel- und osteuropäischer Staaten mit niedrigem Lohnkostenniveau stärker in den Blickpunkt gerückt.

Die Bedeutung der Arbeitskosten wurden Eurostat wie folgt umrissen ('EU-Arbeitskosten 1999', Statistik kurz gefasst, Bevölkerung und soziale Bedingungen, Thema 3, 3/2001): 'Arbeitskosten haben einen beachtlichen Einfluss auf Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und im sozialen Bereich, da sie etwa zwei Drittel der Produktionskosten für Waren und Dienstleistungen ausmachen. Darüber hinaus ist die Kenntnis über das Niveau der Arbeitskosten ein wesentliches Instrument zur strategischen Planung einer Investitions-, Produktions- oder Beschäftigungspolitik oder für Tariflohnverhandlungen.'

Bereits seit einiger Zeit besteht ein vorrangiges Ziel der EU-Politik darin, den Anstieg der Arbeitskosten relativ gering zu halten. In den alljährlich von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Rat verabschiedeten Grundzügen der Wirtschaftspolitik wird immer wieder empfohlen, bei den Löhnen - dem größten Bestandteil der Arbeitskosten - Zurückhaltung zu üben. In der derzeitigenGrundzügen werden auch andere Aspekte der Arbeitskosten angesprochen und die Mitgliedstaaten aufgefordert, dafür zu sorgen, dass 'Senkungen der Gesamtarbeitszeit nicht zu höheren Lohnstückkosten führen'. Einen besonderen Schwerpunkt der EU-Beschäftigungspolitik bildet die Reduzierung der Lohnnebenkosten, insbesondere bei gering bezahlten Tätigkeiten. Um das Steuersystem 'beschäftigungsfreundlich' zu gestalten, sollen alle Mitgliedstaaten entsprechend denGrundzügen der Wirtschaftspolitik für 2002 'eine Zielvorgabe für den allmählichen Abbau der steuerlichen Belastung des Faktors Arbeit und der Lohnnebenkosten festlegen, namentlich bei relativ gering qualifizierten und vergüteten Arbeitskräften'.

In diesem Zusammenhang soll dieses jährliche Update der Europäischen Beobachtungsstelle für Arbeitsbeziehungen (EIRO), das auf Beiträgen der nationalen Zentren beruht, ein umfassendes und allgemeines Bild von der Höhe und Entwicklung der Arbeitskosten in der EU (und Norwegen) vermitteln und dabei, soweit verfügbar, auf nationale Statistiken zurückgreifen, aber auch auf Zahlenangaben internationaler und sonstiger Organisationen. Da EIRO kein statistischer Dienst ist, soll hier nicht näher auf Fragen der Methodik und die Vergleichsproblematik eingegangen werden, doch sei angemerkt, dass Vergleiche in diesem Bereich problematisch sind, da verschiedene Messzahlen herangezogen werden und die nationalen Statistiken nicht unbedingt die gleichen Kosten erfassen. Unser Hauptinteresse gilt den Arbeitskosten je Stunde und nicht anderen Indikatoren wie den Lohnstückkosten.

Absolute Gesamtarbeitskosten je Stunde

In den 16 untersuchten Ländern liegen nur spärliche statistische Angaben zum absoluten Barwert der durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde vor, und diese Feststellung gilt erst recht für aktuelles Zahlenmaterial. Angesichts der hohen Bedeutung der Arbeitskosten verwundert es doch etwas, dass zu vielen Aspekten dieser Problematik keine Daten zur Verfügung stehen. Es hat den Anschein, dass in Österreich, Irland, Luxemburg, Norwegen, Portugal, Schweden und dem Vereinigten Königreich überhaupt keine einschlägigen Statistiken vorhanden sind, und im Falle Belgiens stammen die neuesten Angaben aus dem Jahre 1996. In Dänemark und Finnland sind nur Daten zum privaten Sektor verfügbar. Immerhin liegen für neun Länder einige Daten vor, die nachstehend in Tabelle 1 dargestellt sind. Die Länder sind in absteigenden Reihenfolge nach der Höhe der Arbeitskosten im letzten statistisch erfassten Jahr angeordnet. Alle Beträge wurden in Euro umgerechnet, wobei im Falle der Länder der 'Eurozone' die unwiderruflich fixierten Kurse und im Falle Dänemarks der durchschnittliche Kurs des betreffenden Jahres zugrunde gelegt wurden. Es gibt keine Gewähr dafür, dass alle Zahlen auf die gleiche Weise errechnet wurden. Nähere Auskünfte kann der Leser bei den nationalen Quellen einholen, die unter der Tabelle aufgeführt sind.

Tabelle 1 macht deutlich, dass die Arbeitskosten in den hier betrachteten Ländern stark differieren, ist doch das Niveau am oberen Ende der Skala (Dänemark) etwa dreimal so hoch wie am unteren Ende (Griechenland). Wie nicht anders zu erwarten, liegen die nördlich gelegenen Staaten an der Spitze, während die Länder im Süden des Kontinents deutlich geringere Kosten aufweisen. Sämtliche Länder, zu denen Daten für mehr als ein Jahr vorliegen, lassen einen Aufwärtstrend bei den stündlichen Arbeitskosten erkennen (siehe 'Entwicklung der Arbeitskosten pro Stunde').

Tabelle 1. Durchschnittliche Arbeitskosten pro Stunde, Gesamtwirtschaft, 1999-2001 (in EUR)
. 1999 2000 2001
Dänemark 25.5 26.5 k. A.
Belgien 24.3* k. A. k. A.
Deutschland 21.9 22.4 23.0
Frankreich 22.2 k. A. k. A.
Finnland 20.9 21.6 k. A.
Niederlande 19.9 20.8 k. A.
Italien 14.5 14.9 15.2
Spanien k. A. 13.3 13.9
Griechenland 8.6 8.92 9.4

Quelle: EIRO. *Zahlenangabe für das Jahr 1996

Bei den Zahlenangaben in Tabelle 1 sind die folgenden Anmerkungen zu beachten.

  • Belgien: Die letzte verfügbare Zahlenangabe aus der Arbeitskräfteerhebung des nationalen statistischen Amts (Institut National de Statistique/Nationaal Instituut voor de Statistiek, INS/NIS) stammt aus dem Jahre 1996.
  • Dänemark: Die Angaben von Statistics Denmark beziehen sich nur auf den privaten Sektor.
  • Finnland: Die Angaben von Statistics Finnland beziehen sich nur auf den privaten Sektor.
  • Frankreich: Die Zahlen wurden anhand der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des nationalen Instituts für Statistik und Wirtschaftsstudien (Institut national de la statistique et des études économiques, INSEE) ermittelt.
  • Deutschland: Bei den Zahlen handelt es sich um Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) auf der Basis von Daten des Statistischen Bundesamts.
  • Griechenland: Die Zahlen sind Schätzwerte des Instituts für Arbeitsfragen des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbunds und des Beamtenbunds (INE/GSEE-ADEDY).
  • Italien: Die Angaben zu 1999 und 2000 stammen vom nationalen statistischen Amt (Istituto Nazionale di Statistica, Istat); bei der Zahl für 2001 handelt es sich um einen Schätzwert des Forschungsinstituts REF-IRS (Ricerche per l'economia e la finanza - istituto per la ricerca sociale); die VGR-Angaben basieren nicht auf Arbeitsstunden, sondern auf Vollzeiteinheiten, d. h. der um die geleisteten Arbeitsstunden bereinigten Beschäftigtenzahl (z. B. entsprechen zwei Teilzeitbeschäftigte mit halbierter Arbeitszeit einer Vollzeiteinheit); die Zahlenangaben geben die durchschnittlichen Kosten für eine Vollzeiteinheit wieder.
  • Niederlande: Angaben des nationalen statistischen Amts (Centraal Bureau voor de Statistiek, CBS).
  • Spanien: Die aus dem Arbeitskostenindex des nationalen statistischen Amts (Instituto Nacional de Estadística, INE) stammenden Angaben beziehen sich auf das dritte Quartal.

Da die Zahlenangaben der einzelnen Länder dünn gesät und nur bedingt vergleichbar sind, wenden wir uns den Statistiken von Eurostat zu, dessen letzte verfügbare Vergleichsdaten das Jahr 1999 betreffen. Aus Abb. 1 sind die 1999 angefallenen Arbeitskosten pro Stunde in der Industrie und im Dienstleistungssektor für die 15 EU-Mitgliedstaaten sowie Japan und die USA ersichtlich. Eurostat definiert die Arbeitskosten als alle Kosten, die einem Arbeitgeber durch die Inanspruchnahme der Arbeitskraft Dritter entstehen. Sie umfassen zum einen die direkten Kosten bestehend aus direkten Entgelten (Löhnen und Gehältern als Geld- oder Sachleistungen, unregelmäßigen Bonuszahlungen vor Steuern und Sozialbeiträgen der Arbeitnehmer sowie Gratifikationen), Beiträgen zu vermögenswirksamen Leistungen, Zahlungen bei Abwesenheit und Sachleistungen, sowie zum anderen die indirekten Kosten bestehend aus den Sozialbeiträgen des Arbeitgebers, Ausgaben für berufliche Weiterbildung, Steuern usw. Erhält der Arbeitgeber Subventionen, vermindern sich die Kosten entsprechend.

Die Zahlenangaben von Eurostat belegen das zwischen den EU-Mitgliedstaaten bestehende enorme Gefälle bei den absoluten Arbeitskosten je Stunde. In Österreich, das sich am oberen Ende der Skala befindet, ist das Kostenniveau viermal so hoch wie in Portugal, das sich deutlich von allen übrigen Mitgliedstaaten abhebt. Alle Länder mit überdurchschnittlichem Kostenniveau befinden sich in Nord- oder Mitteleuropa, während die geringsten Kosten in den südlichen und (zum Teil auch) 'nordwestlichen' Mitgliedstaaten anfallen. Die durchschnittlichen Arbeitskosten sind in den 12 Ländern der Eurozone etwas höher als in der EU insgesamt. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang, dass die stündlichen Arbeitskosten in Japan leicht unter dem EU-Durchschnitt liegen, in den USA sogar deutlich darunter (nur vier Mitgliedstaaten haben ein niedrigeres Kostenniveau).

Dabei ist natürlich zu beachten, dass die geldliche Bewertung der durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde bestimmte Sachverhalte wie die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in den einzelnen Ländern außer Acht lässt und somit nichts über die Kaufkraft oder den Lebensstandard der Arbeitnehmer aussagt. Werden die Werte in einer einheitlichen Währung ausgedrückt, können sich die Wechselkurse auf die Zahlenangaben auswirken (dieses Problem stellt sich allerdings für die Eurozone kaum).

Quelle: Eurostat

Aufschlüsselung der Gesamtarbeitskosten je Stunde

Die Gesamtarbeitskosten je Stunde können auf unterschiedliche Weise aufgeschlüsselt werden. Für die Zwecke dieses Updates bemühten wir uns um nationale Statistiken, in denen die Gesamtkosten in Direktentgelte (einschließlich Bonuszahlungen), Sozialbeiträge der Arbeitgeber und 'andere Bestandteile' untergliedert sind. Derartige Daten, die in einigen Fällen unvollständig sind, liegen aus nationalen statistischen Quellen für 11 Länder vor und werden nachstehend in Tabelle 2 aufgeführt. Beim Datenmaterial aus Österreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Norwegen und Spanien waren lediglich die Direktentgelte gesondert ausgewiesen. In einigen Fällen gelten die Zahlenangaben nur für das verarbeitende Gewerbe (Österreich und Norwegen) oder für den privaten Sektor (Dänemark). Auch hier sei angemerkt, dass keine Gewähr für eine einheitliche Berechnung der Zahlenangaben für die einzelnen Länder besteht.

Wie aus Tabelle 2 hervorgeht, machen in den 11 Ländern die Direktentgelte knapp drei Viertel der Gesamtarbeitkosten aus (73,8 %), die Lohnnebenkosten ein gutes Viertel (26,2 %). Während in acht dieser Länder 72 % bis 78 % der Gesamtarbeitskosten auf die Direktentgelte entfallen, kommen zwei Länder auf noch etwas höhere Werte, nämlich Deutschland mit 81,3 % und Norwegen mit 82,7 %, während Belgien mit 57,4 % einen deutlich niedrigeren Wert verzeichnet. Von den Ländern, in denen die Lohnnebenkosten in Arbeitgebersozialbeiträge und 'sonstige' Kosten aufgeschlüsselt werden, weisen Belgien und Dänemark bei den Sozialbeiträgen die höchsten Anteile auf (wobei allerdings im Falle Dänemarks Elemente berücksichtigt werden, die in anderen Ländern nicht zur Sozialversicherung zählen), Finnland und Schweden dagegen die niedrigsten. Bei den 'sonstigen' Kosten rangiert Belgien am oberen Ende der Skala (12,8 %), Dänemark am unteren Ende (2,7 %).

Tabelle 2. Aufschlüsselung der durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde, Gesamtwirtschaft, letzte verfügbare Angaben (in %)
Land Direktentgelte (einschl. Bonuszahlungen) Arbeitgebersozialbeiträge Sonstige
Österreich 74.4% 25.6%
Belgien 57.4% 29.8% 12.8%
Dänemark 72.6% 24.6% 2.7%
Finnland 76.7% 19.7% 3.7%
Deutschland 81.3% 18.7%
Griechenland 74.0% 26.0%
Italien 72.3% 27.7%
Niederlande 74.1% 22.2% 3.7%
Norwegen 82.6% 17.4%
Spanien 74.4% 25.6%
Schweden 72.4% 18.6% 9.0%
Durchschnitt 73.8% 26.2%

Quelle: EIRO.

Bei den Zahlenangaben in Tabelle 2 sind die folgenden Anmerkungen zu beachten.

  • Österreich: Daten zu 2001 des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), beziehen sich nur auf das verarbeitende Gewerbe.
  • Belgien: Die letzten verfügbaren Zahlenangaben betreffen das Jahr 1996 und stammen aus der Arbeitskräfteerhebung des INS/NIS.
  • Dänemark: Daten zu 2000 von Statistics Denmark, betreffen nur den privaten Sektor; die Sozialbeiträge der Arbeitnehmer beinhalten Rentenbeiträge, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsvergütung und 'Erschwernis' zuschläge.
  • Finnland: Daten zu 2000 von Statistics Finnland beziehen sich nur auf den privaten Sektor.
  • Deutschland: Berechnungen des WSI auf der Basis von Zahlenangaben des Statistischen Bundesamtes, die nur zwischen Gesamtarbeitskosten und Bruttolöhnen und -gehältern unterscheiden.
  • Griechenland: Bei den Angaben zu 2001 handelt es sich um Schätzwerte von INE/GSEE-ADEDY.
  • Italien: Die Zahlen betreffen das Jahr 2000 und stammen von Istat; siehe Anmerkung zu Tabelle 1.
  • Norwegen: Die Zahlenangaben von Statistics Norway betreffen das verarbeitende Gewerbe und die durchschnittlichen jährlichen Arbeitskosten je Vollzeiteinheit. Zu den Direktentgelten zählen Löhne und Gehälter, Entlohnung für Urlaub und sonstige Ausfallzeiten. Hinzu kommen die indirekten Kosten, wozu Naturaleinkommen, Arbeitsschutzaufwendungen, Sozialbeiträge, Steuern und Aufwendungen für betriebliche Bildung gehören.
  • Spanien: Angaben zu 2001 aus dem Arbeitskostenindex des INE.
  • Schweden: Angaben zu 2000 von Statistics Sweden. Die Direktentgelte umfassen die Vergütung für geleistete Arbeitsstunden, für Feiertage, Urlaub und krankheitsbedingte Ausfallzeiten (maximal 14 Tage). Die Sozialbeiträge der Arbeitgeber enthalten Rentenbeiträge und andere kollektive Abgaben wie Beiträge zur Krankenversicherung. Zu den 'sonstigen' Kosten zählen 'arbeitsmarktbedingte Abgaben' (Lohnsummensteuer), andere gesetzlich geregelte Zahlungen und Sondersteuern auf den Faktor Arbeit.

Da die nationalen Statistiken lückenhaft und nur bedingt vergleichbar sind, greifen wir erneut auf Eurostat zurück, das für 1999 eine Aufschlüsselung der Gesamtarbeitskosten der EU-Mitgliedstaaten vorgenommen hat. In der nachstehenden Tabelle 3 sind die Länder in absteigender Reihenfolge nach dem jeweiligen Anteil der Direktentgelte an den Gesamtarbeitskosten angeordnet. Die Kosten sind wie folgt untergliedert: Direktentgelte (Löhne und Gehälter als Geld- oder Sachleistungen, unregelmäßige Bonuszahlungen vor Steuern und Sozialbeiträgen [von den Arbeitnehmern zu zahlende Beiträgen] und Gratifikationen); sonstige direkte Kosten (Beiträge zu vermögenswirksamen Leistungen, Zahlungen bei Abwesenheit und Sachleistungen); Sozialbeiträge der Arbeitgeber; und sonstige indirekte Kosten (Ausgaben für berufliche Weiterbildung, Steuern usw.). Bei den griechischen Zahlenangaben wird nicht zwischen Direktentgelten und sonstigen direkten Kosten unterschieden.

Tabelle 3 belegt, dass EU-weit beträchtliche Unterschiede in der Struktur der Arbeitskosten bestehen. Die Direktentgelte machen im Schnitt etwa zwei Drittel (65,7 %) der Arbeitskosten aus, in Dänemark, dem Vereinigten Königreich, Irland und Spanien aber (nahezu) drei Viertel. In Frankreich und Belgien entfallen auf die Direktentgelte weniger als 60 % der Gesamtarbeitskosten. Der Anteil der sonstigen direkten Kosten beträgt in Dänemark, im Vereinigten Königreich und Luxemburg ein Achtel und mehr, in Spanien und Italien hingegen nur 0,2 bzw. 4,8 %. Die Arbeitgebersozialbeiträge liegen im Schnitt unter einem Viertel der Gesamtsumme (23,0 %), doch im Einzelfall reicht die Skala von 6,4 % in Dänemark bis zum Fünffachen, nämlich 32,7 % in Italien. Die anderen indirekten Kosten bewegen sich durchschnittlich um die 2 %-Marke, betragen in Frankreich und Österreich aber immerhin 4,3 % und im Vereinigten Königreich lediglich 0,1 %. Maßgeblich für diese Unterschiede sind mehrere Faktoren, vor allem die sehr unterschiedlichen sozialen Sicherungs- und Besteuerungssysteme in den EU-Mitgliedstaaten.

Tabelle 3. Aufschlüsselung der durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde, Gesamtwirtschaft, Eurostat-Angaben (in %)
. Direktentgelte Sonstige direkte Kosten Arbeitgebersozialbeiträge Sonstige direkte Kosten
Dänemark 75.9 14.5 6.4 3.2
Vereinigtes Königreich 74.8 12.5 12.6 0.1
Irland 73.8 10.2 13.4 2.6
Spanien 73.8 0.2 24.4 1.6
Luxemburg 71.8 12.3 14.5 1.4
Portugal 69.9 6.3 20.4 3.4
Griechenland 69.8 27.1 3.1
Niederlande 65.9 9.7 22.1 2.3
Finnland 64.5 11.4 21.8 2.3
Deutschland 63.2 11.5 23.1 2.2
Österreich 61.2 9.2 25.3 4.3
Italien 60.7 4.8 32.7 1.8
Schweden 60.4 7.0 29.8 2.8
Frankreich 57.8 9.3 28.6 4.3
Belgien 57.5 10.8 29.9 1.8
EU 15 65.7 9.3 23.0 2.0
Eurozone 63.1 8.2 26.0 2.7

Quelle: Eurostat

Entwicklung der Arbeitskosten je Stunde

Tabelle 4 gibt Aufschluss darüber, wie die jährlichen gesamtwirtschaftlichen Arbeitskosten je Stunde im Zeitraum 1999-2001 in den EU-Mitgliedstaaten gestiegen sind (zu Norwegen liegen keine Daten vor). Es wurde möglichst auf nationale Daten zurückgegriffen, ansonsten, d. h. bei der überraschend großen Zahl von Ländern, zu denen keine Angaben vorliegen, auf den Arbeitskostenindex von Eurostat. Für die nationalen Daten gelten die üblichen Einschränkungen betreffend die Berechnungsmethoden und die Vergleichbarkeit.

Aus der Tabelle geht eindeutig hervor, dass sich die Zunahme der stündlichen Arbeitskosten beschleunigt, denn die durchschnittliche Steigerungsrate, die 1999 bei 3,3 % gelegen hatte, erhöhte sich 2000 auf 3,8 % und 2001 auf 4,3 % (wobei sich allerdings der Durchschnittswert im letztgenannten Jahr auf eine kleinere Zahl von Ländern bezieht). Von den Ländern, zu denen für alle drei Jahre Zahlenwerte vorliegen, verzeichneten Irland (mit deutlichem Abstand), Portugal, Luxemburg und das Vereinigte Königreich die höchsten Zuwächse. Am geringsten fiel der Anstieg in Österreich und Deutschland aus. Der insgesamt festzustellende Aufwärtstrend im untersuchten Dreijahreszeitraum verdeckt aber die Tatsache, dass die Entwicklung in den meisten Ländern komplexer verlaufen ist. Während in Deutschland, Irland, Luxemburg und Schweden ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar ist, ergibt sich in den meisten Ländern ein differenzierteres Bild, denn beispielsweise verlangsamte sich 2001 der Anstieg in Österreich, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal und dem Vereinigten Königreich.

Stellt man der Entwicklung der durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde die Entwicklung der Tariflöhne (TN0202102U) in allen Ländern gegenüber, so zeigt sich, dass die Arbeitskosten alljährlich stärker stiegen als die Tariflöhne, 1999 um 3,3 % gegenüber 2,9 %, 2000 um 3,8 % gegenüber 3,2 % und 2001 um 4,3 % gegenüber 3,5 %. Die Differenz zwischen den beiden Indikatoren hat im Betrachtungszeitraum sogar zugenommen. Dies ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die Lohnnebenkosten weiter ansteigen.

Tabelle 4. Anstieg der durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde, Gesamtwirtschaft (in %)
. 1999 2000 2001
Österreich 0.7 2.2 2.0
Belgien 1.8 0.4 k. A.
Dänemark 6.5 4.2 k. A.
Finnland 3.4 3.3 k. A.
Frankreich 3.6 3.9 3.5
Deutschland 1.8 2.3 2.5
Griechenland k. A. 4.0 6.3
Irland 7.0 7.4 7.9
Italien 2.4 2.9 2.0
Luxemburg 4.1 4.4 7.3
Niederlande 3.2 4.6 4.4
Portugal 4.6 8.4 4.0
Spanien k. A. 2.2 4.1
Schweden 2.8 2.8 4.1
Vereinigtes Königreich 4.6 4.6 3.9
Durchschnitt 3.3* 3.8** 4.3***

Quelle: EIRO; *Durchschnitt von 14 Ländern; ** Durchschnitt von 15 Ländern; *** Durchschnitt von 12 Ländern.

Bei den Zahlenangaben in Tabelle 4 sind die folgenden Anmerkungen zu beachten.

  • Österreich: Angaben der Österreichischen Nationalbank.
  • Belgien: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal.
  • Dänemark: Die Angaben von Statistics Denmark beziehen sich nur auf den privaten Sektor.
  • Finnland: Angaben von Statistics Finnland, beziehen sich nur auf den privaten Sektor.
  • Frankreich: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal (1999 und 2000) bzw. bis zum dritten Quartal (2001).
  • Deutschland: Berechnung des WSI auf der Basis von Zahlenangaben des Statistischen Bundesamtes.
  • Griechenland: Bei den Zahlen handelt es sich um Schätzwerte von INE/GSEE-ADEDY.
  • Irland: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal (1999 und 2000) bzw. bis zum dritten Quartal (2001).
  • Italien: Angaben zu 1999 und 2000 von Istat; bei der Zahl zu 2001 handelt es sich um einen Schätzwert von REF-IRS; die Zahlenangaben beziehen sich auf den Anstieg der durchschnittlichen Kosten je Vollzeiteinheit, siehe Anmerkung zu Tabelle 1.
  • Luxemburg: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal (1999 und 2000) bzw. bis zum dritten Quartal (2001).
  • Niederlande: Zahlenangaben des CBS; Zahl zu 2001 betrifft das Jahr bis zum dritten Quartal.
  • Portugal: Zahlenangaben berechnet auf der Basis von Daten des nationalen statistischen Amts (Instituto Nacional de Estatística, INE).
  • Spanien: Zahlen aus dem Arbeitskostenindex des INE.
  • Schweden: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal (1999 und 2000) bzw. bis zum dritten Quartal (2001).
  • Vereinigtes Königreich: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal (1999 und 2000) bzw. bis zum dritten Quartal (2001).

Absolute Gesamtarbeitskosten je Stunde im verarbeitenden Gewerbe

Wenn wir nun statt der Gesamtwirtschaft einzelne Wirtschaftsbereiche betrachten, ist das verarbeitende Gewerbe in den nationalen Statistiken recht gut erfasst, zumindest im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen, auch wenn Daten, die für die durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde einen absoluten Geldwert ausweisen, relativ spärlich sind. In Irland, Luxemburg, Norwegen, Portugal und dem Vereinigten Königreich stehen offenbar überhaupt keine einschlägigen Statistiken zur Verfügung, während in Österreich und Schweden zwar Daten zum verarbeitenden Gewerbe vorliegen, nicht aber zur Gesamtwirtschaft.

Die für 11 Länder verfügbaren Daten sind in Tabelle 5 aufgeführt. Die Länder sind in absteigender Reihenfolge nach der Höhe der Arbeitskosten im letzten statistisch erfassten Jahr angeordnet. Alle Beträge wurden in Euro umgerechnet, wobei im Falle der Länder der 'Eurozone' die unwiderruflich fixierten Kurse und im Falle Dänemarks der durchschnittliche Kurs des betreffenden Jahres zugrunde gelegt wurden. Es gibt keine Gewähr dafür, dass alle Zahlen auf die gleiche Weise errechnet wurden. Nähere Auskünfte kann der Leser bei den nationalen Quellen einholen, die unter der Tabelle aufgeführt sind.

Vergleicht man, soweit beide Daten vorliegen, die Arbeitskosten für das verarbeitende Gewerbe mit denen für die Gesamtwirtschaft, so sind erstere in allen Ländern mit Ausnahme Dänemarks höher, in Deutschland und den Niederlanden sogar ganz deutlich. Im Ländervergleich ergibt sich für das verarbeitende Gewerbe eine ähnliche Schwankungsbreite der Arbeitskosten wie für die Gesamtwirtschaft und auch eine ähnliche Reihenfolge der Länder, wenngleich die Niederlande bei den Kosten im verarbeitenden Gewerbe einen wesentlich höheren Platz einnehmen. Sämtliche Länder, zu denen Daten für mehr als ein Jahr vorliegen, lassen in der Entwicklung der stündlichen Arbeitskosten einen Aufwärtstrend erkennen.

Tabelle 5. Durchschnittliche Arbeitskosten pro Stunde, verarbeitendes Gewerbe, 1999-2001 (in EUR)
. 1999 2000 2001
Deutschland 25.8 26.6 27.4
Niederlande 24.1 24.8 26.5
Dänemark 24.5 25.5 k. A.
Belgien 25.3* k. A. k. A.
Österreich 23.6 24.1 24.9
Frankreich 23.8 k. A. k. A.
Schweden 20.2 22.2 k. A.
Finnland 21.0 21.9 k. A.
Spanien k. A. k. A. 15.6
Italien 14.8 15.2 15.5
Griechenland 9.6 10.1 10.7

Quelle: EIRO. *Zahlenangabe für das Jahr 1996

Bei den Zahlenangaben in Tabelle 5 sind die folgenden Anmerkungen zu beachten.

  • Österreich: Angaben des WIFO; Angabe zu 2001 bezieht sich auf die jährliche Veränderung bis zum Ende des dritten Quartals.
  • Belgien: Die letzten verfügbaren Zahlenangaben betreffen das Jahr 1996 und stammen aus der Arbeitskräfteerhebung des INS/NIS.
  • Dänemark: Angaben von Statistics Denmark, beziehen sich nur auf den privaten Sektor.
  • Finnland: Angaben von Statistics Finland.
  • Frankreich: Zahlenangaben anhand der VGR des INSEE berechnet.
  • Deutschland: Berechnungen des WSI auf der Basis von Angaben des Statistischen Bundesamts; sie beziehen sich auf die Industrie ohne Bauwirtschaft.
  • Griechenland: Bei den Zahlen handelt es sich um Schätzwerte von INE/GSEE-ADEDY.
  • Italien: Angaben zu 1999 und 2000 von Istat; bei der Zahl zu 2001 handelt es sich um einen Schätzwert von REF-IRS; siehe Anmerkung zu Tabelle 1.
  • Niederlande: Angaben von CBS; Zahl für 2001 gibt den Stand im Juli wieder.
  • Norwegen: keine Angaben zu den Arbeitskosten je Stunde verfügbar, Statistics Norway gibt aber für 2000 einen Jahresbetrag von 352,776 NOK (43,500 EUR) an.
  • Portugal: Zahlenangaben des INE, beziehen sich jeweils auf das dritte Quartal.
  • Spanien: Zahlenangaben stammen aus dem Arbeitskostenindex des INE, beziehen sich auf die Industrie und das dritte Quartal 2001.
  • Schweden: Angaben von Statistics Sweden, beziehen sich auf verarbeitendes Gewerbe und Rohstoffgewinnung.

Eurostat gibt einen vergleichenden Überblick über die durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde im verarbeitenden Gewerbe der EU (1999), die der nachfolgenden Abb. 2 zu entnehmen sind (zur Eurostat-Definition der Arbeitskosten siehe weiter oben). man das Arbeitskostenniveau des verarbeitenden Gewerbes mit den Durchschnittswerten der Industrie und des Dienstleistungssektors, wie in Abb. 1 dargestellt, so liegt es in acht Fällen höher (dabei handelt es sich im Allgemeinen um Länder mit hohen Arbeitskosten) und in sieben Fällen niedriger, wenngleich der Gesamtdurchschnitt für die beiden letztgenannten Bereiche etwas höher ausfällt. Insgesamt ergibt sich eine ähnliche Reihenfolge der Länder, doch rangieren Deutschland, Belgien und Schweden noch vor Österreich und Dänemark an der Spitze der Tabelle.

Quelle: Eurostat

Die Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe sind besonders aufschlussreich, da sie u. a. für die Wettbewerbsfähigkeit und die Standortverteilung von wesentlicher Bedeutung sind. Eine Reihe von Einrichtungen legen Statistiken zu den absoluten Arbeitskosten je Stunde in diesem Sektor vor. Beispielsweise erarbeitete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine jährliche Studie der stündlichen Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe der EU und anderer großer Volkswirtschaften. Die auf nationalen Daten beruhenden Zahlenangaben umfassen die direkten Arbeitskosten- Entgelt für geleistete Arbeit, Überstundenzuschläge, Schichtzulagen sowie andere regelmäßig gezahlte Prämien und die indirekten Arbeitskosten, d.h. alle sonstigen im Jahresverdienst enthaltenen Bestandteile (z.B. Entgelt für arbeitsfreie Tage, Sonderzahlungen und andere Gratifikationen), die Sozialbeiträge der Arbeitgeber, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Aufwendungen für Aus- und Weiterbildung und sonstige Aufwendungen sozialer Art. Die Zahlen für 2000 sind der nachfolgenden Abb.3 zu entnehmen.

Quelle: IW

Eine weitere Datenquelle ist das US Bureau of Labor Statistics (BLS), das anhand von nationalen Daten Vergleiche der 'stündlichen Personalkosten' für Produktionsarbeiter des verarbeitenden Gewerbes in 29 Ländern anstellt. Die Personalkosten je Stunde umfassen die Direktentgelte je Stunde, die Sozialbeiträge der Arbeitgeber und sonstige Steuern und Abgaben auf den Faktor Arbeit. Zu den Direktentgelten je Stunde zählen alle direkt an den Beschäftigten geleisteten Zahlungen (bevor Abzüge vorgenommen werden) wie: (a) Entgelt für geleistete Arbeit (Zeit- und Stücklohn sowie Überstundenzuschläge, Schichtzulagen, sonstige in jedem Vergütungszeitraum gezahlte Prämien und Bonuszahlungen und Teuerungszuschläge); und (b) sonstige Direktzahlungen (Entgelt für arbeitsfreie Zeit [Urlaub, Feiertage und sonstige Ausfallzeiten mit Ausnahme von Krankengeld], saisonabhängige oder unregelmäßige Bonuszahlungen und andere Sonderzahlungen), ausgewählte Zulagen sozialer Art und die Kosten für Sachleistungen. Die Sozialversicherungsbeiträge und sonstigen Abgaben und Steuern auf den Faktor Arbeit umfassen: (c) Aufwendungen des Arbeitgebers für gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen sowie vertraglich vereinbarte und private Vorsorgemaßnahmen (Alters- und Berufsunfähigkeitsversicherung, Krankenversicherung, Einkommensgarantie-Versicherung und Krankengeld, Lebens- und Unfallversicherung, Entschädigungsleistungen bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, Arbeitslosenversicherung und Familienzulagen) und im Falle einiger Länder (d) sonstige Steuern und Abgaben auf den Faktor Arbeit (sonstige Lohnsummen- oder beschäftigungsabhängige Steuern [bzw. Ermäßigungen im Sinne von Subventionen], selbst wenn sie nicht der Finanzierung von direkt den Arbeitnehmern zugute kommenden Maßnahmen dienen, weil derartige Abgaben als Arbeitskosten gelten). Aus Gründen der Einheitlichkeit werden die Personalkosten in jedem Land anhand der geleisteten Arbeitsstunden gemessen.

Die vom BLS verwendete Definition der stündlichen Personalkosten entspricht nicht der vom Internationalen Arbeitsamt (ILO) erstellten Definition der Gesamtarbeitskosten. In den Personalkosten je Stunde sind nicht alle Bestandteile der Arbeitskosten enthalten. Die Aufwendungen für die Personalbeschaffung, die Aus- und Weiterbildung sowie betriebliche Einrichtungen und Dienstleistungen (wie Kantinen und medizinische Einrichtungen) bleiben unberücksichtigt, weil für die meisten Länder keine Angaben verfügbar sind. Laut BLS machen die unberücksichtigten Arbeitskosten in allen Ländern, zu denen Daten vorliegen, höchstens 4 % der Gesamtarbeitskosten aus. Die Zahlenangaben für 2000 (in USD) sind der Abb. 4 zu entnehmen.

Quelle: BLS; * Zahlenangabe für das Jahr 1998; ** Zahlenangabe für das Jahr 1999

Vergleicht man die Zahlenangaben von Eurostat, dem IW und dem BLS für das verarbeitende Gewerbe, so machen die divergierenden absoluten Werte für die einzelnen Länder die Schwierigkeiten deutlich, die sich bei der Messung der Arbeitskosten aufgrund von Faktoren wie unterschiedlichen Begriffsbestimmungen und Umrechnungskursen ergeben. Immerhin lässt ein Blick auf die Reihenfolge der Länder erkennen, dass innerhalb der EU jeweils Deutschland, Belgien, Dänemark und Schweden die vier Länder mit den höchsten Arbeitskosten sind (und Norwegen - soweit einbezogen - ebenfalls einen Spitzenplatz einnimmt), wohingegen Italien, Spanien, Irland, Griechenland und Portugal durchgängig am anderen Ende der Skala rangieren. Die Plätze der übrigen sechs Mitgliedstaaten fallen je nach Studie unterschiedlich aus, aber in der Regel belegen Finnland, Österreich, die Niederlande und Luxemburg unter den EU-Ländern Rang fünf bis acht, während sich Frankreich und/oder das Vereinigte Königreich, wenn man von der Eurostat-Erhebung absieht, auf Rang neun und zehn einordnen. Nach den Eurostat-Angaben ist die Reihenfolge im verarbeitenden Gewerbe annähernd die gleiche wie in der Industrie insgesamt und im Dienstleistungssektor (siehe Abb. 1), wobei allerdings Österreich und namentlich Frankreich nach dem breiter gefassten Indikator einen höheren Platz einnehmen.

Da die Statistiken des IW und des BLS eine größere Ländergruppe erfassen, lassen sie einen Vergleich zwischen EU/EWR und anderen Volkswirtschaften zu. Japan und die Schweiz kommen im verarbeitenden Gewerbe auf Arbeitskosten, die dem höchsten Niveau in der EU und im EWR entsprechen, während die USA knapp hinter den 'fünf Spitzenreitern' von EU/EWR (Deutschland, Norwegen, Belgien, Dänemark und Schweden) einkommen. Kanada bewegt sich auf ähnlichem Niveau wie das Vereinigte Königreich und Frankreich, während Australien einen ähnlichen Wert wie Italien erreicht. Griechenland liegt nur knapp vor Korea, während Portugal in der BLS-Tabelle nur noch von Mexiko und Sri Lanka gefolgt wird.

Entwicklung der Arbeitskosten je Stunde im verarbeitenden Gewerbe

Tabelle 6 enthält Daten zu den jährlichen Steigerungsraten der stündlichen Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe der EU-Mitgliedstaaten während des Zeitraums 1999-2001 (zu Norwegen liegen keine Daten vor). Es wurde möglichst auf nationale Daten zurückgegriffen, ansonsten, d. h. bei der überraschend großen Zahl von Ländern, zu denen keine Angaben vorliegen, auf den Arbeitskostenindex von Eurostat. Für die nationalen Daten gelten die üblichen Einschränkungen betreffend die Berechnungsmethoden und die Vergleichbarkeit.

Die Tabelle belegt, dass sich der Anstieg der stündlichen Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe 2000 gegenüber 1999 leicht abschwächte (von 3,8 % auf 3,5 %) und dann 2001 auf 4,4 % emporschnellte (wobei sich allerdings die Durchschnittswerte auf eine unterschiedliche Zahl von Ländern beziehen). Von den Ländern, zu denen für alle drei Jahre Zahlenwerte vorliegen, verzeichneten Irland (mit deutlichem Abstand), Griechenland, das Vereinigte Königreich und die Niederlande die höchsten Zuwächse. Am geringsten fiel der Anstieg in Deutschland, Italien und Österreich aus. Der insgesamt festzustellende Aufwärtstrend im untersuchten Dreijahreszeitraum verdeckt aber die Tatsache, dass die Entwicklung in den meisten Ländern komplexer verlaufen ist. Beispielsweise folgten Österreich, Frankreich, Irland und die Niederlanden dem Gesamttrend, d. h. der Zuwachs schwächte sich 2000 ab und beschleunigte sich im Folgejahr, während in Luxemburg und Griechenland über den gesamten Zeitraum ein relativ deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten war.

Vergleicht man die Angaben für das verarbeitende Gewerbe mit denen für die Gesamtwirtschaft (siehe Tabelle 4), so fiel der durchschnittliche Anstieg 1999 und 2001 niedriger aus, 2000 hingegen höher. Im Verlauf der Jahre, zu denen Daten vorliegen, nahmen die stündlichen Arbeitskosten des verarbeitenden Gewerbes in einer Reihe von Ländern eine andere Entwicklung als in der Gesamtwirtschaft, denn in Österreich lag der Anstieg deutlich über dem Durchschnitt und in Dänemark und Portugal um einiges darunter.

Tabelle 6. Anstieg der durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde, verarbeitendes Gewerbe (in %)
. 1999 2000 2001
Österreich 3.6 2.1 3.4
Belgien 1.8 -0.1 k. A.
Dänemark 4.3 4.5 k. A.
Finnland 3.5 3.9 k. A.
Frankreich 5.3 2.8 3.9
Deutschland 2.1 3.1 2.7
Griechenland 4.4 5.5 5.5
Irland 7.3 6.3 7.9
Italien 2.9 2.7 2.3
Luxemburg 2.4 3.4 4.6
Niederlande 3.2 3.0 5.9
Portugal k. A. 3.8 4.4
Spanien k. A. k. A. 3.9
Schweden k. A. 4.1 3.7
Vereinigtes Königreich 4.4 4.5 4.4
Durchschnitt 3.8* 3.5** 4.4*

Quelle: EIRO; * Durchschnitt von 12 Ländern; ** Durchschnitt von 14 Ländern.

Bei den Zahlenangaben in Tabelle 6 sind die folgenden Anmerkungen zu beachten.

  • Österreich: Angaben des WIFO.
  • Belgien: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen die Industrie und das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal.
  • Dänemark: Angaben von Statistics Denmark, beziehen sich nur auf den privaten Sektor.
  • Finnland: Angaben von Statistics Finland.
  • Frankreich: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen die Industrie und das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal (1999 und 2000) bzw. bis zum dritten Quartal (2001).
  • Deutschland: Berechnung des WSI auf der Basis von Zahlenangaben des Statistischen Bundesamts; Angaben beziehen sich auf die Industrie ohne Bauwirtschaft.
  • Griechenland: Bei den Zahlen handelt es sich um Schätzwerte von INE/GSEE-ADEDY.
  • Irland: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen die Industrie und das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal (1999 und 2000) bzw. bis zum dritten Quartal (2001).
  • Italien: Angaben zu 1999 und 2000 von Istat; bei der Zahl zu 2001 handelt es sich um einen Schätzwert von REF-IRS; die Zahlenangaben beziehen sich auf den Anstieg der durchschnittlichen Kosten je Vollzeiteinheit, siehe Anmerkung zu Tabelle 1.
  • Luxemburg: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen die Industrie und das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal (1999 und 2000) bzw. bis zum dritten Quartal (2001).
  • Niederlande: Angaben von CBS; Zahl für 2001 gibt den Stand im Juli wieder.
  • Portugal: Zahlenangaben des INE.
  • Spanien: Zahlenangaben stammen aus dem Arbeitskostenindex des INE, beziehen sich auf die Industrie und das Jahr 2000 bis zum dritten Quartal.
  • Schweden: Angaben von Statistics Sweden, betreffen das verarbeitende Gewerbe und die Rohstoffgewinnung.
  • Vereinigtes Königreich: Zahlenangaben von Eurostat, betreffen die Industrie und das jeweilige Jahr bis zum vierten Quartal (1999 und 2000) bzw. bis zum dritten Quartal (2001).

Arbeitskosten in der Finanzwirtschaft

Nationale Daten zu anderen Wirtschaftsbereichen als dem verarbeitenden Gewerbe sind äußerst schwer zu beschaffen, insbesondere zum öffentlichen Sektor. Als Beispiel für verfügbare Statistiken zu einem anderen Wirtschaftsbereich seien hier einige nationale Daten zu den absoluten Arbeitskosten je Stunde im Kredit-und Versicherungsgewerbe angeführt. Für Österreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Luxemburg, Norwegen, Portugal, Schweden oder das Vereinigte Königreich stehen keine einschlägigen Angaben zur Verfügung. Allerdings lohnt ein Vergleich der Arbeitskostenentwicklung im Kredit- und Versicherungsgewerbe nicht, da die Daten zu lückenhaft sind.

Die für sieben Länder verfügbaren Daten sind in Tabelle 7 aufgeführt. Die Länder sind in absteigender Reihenfolge nach der Höhe der Arbeitskosten im letzten statistisch erfassten Jahr angeordnet. Alle Beträge wurden in Euro umgerechnet, wobei im Falle der Länder der 'Eurozone' die unwiderruflich fixierten Kurse und im Falle Dänemarks der durchschnittliche Kurs des betreffenden Jahres zugrunde gelegt wurden. Es gibt keine Gewähr dafür, dass alle Zahlen auf die gleiche Weise errechnet wurden. Nähere Auskünfte kann der Leser bei den nationalen Quellen einholen, die unter der Tabelle aufgeführt sind.

Vergleicht man die Angaben zu den Arbeitskosten im Kredit- und Versicherungsgewerbe mit denen für die Gesamtwirtschaft (soweit beide Daten vorliegen), so fallen sie mit Ausnahme Spaniens in allen Fällen höher aus. Die Schwankungsbreite der Arbeitskosten ist in diesem Sektor etwas geringer als in der Gesamtwirtschaft, aber die Reihenfolge der Länder ist annähernd gleich. Bei einem Vergleich mit dem verarbeitenden Gewerbe ergibt sich für das Kredit- und Versicherungsgewerbe in allen Ländern außer den Niederlanden und Spanien ein höheres Kostenniveau. Sämtliche Länder, zu denen Daten für mehr als ein Jahr vorliegen, verzeichnen im Kredit- und Versicherungsgewerbe einen Aufwärtstrend der Arbeitskosten je geleistete Stunde.

Tabelle 7. Durchschnittliche Arbeitskosten pro Stunde, Kredit- und Versicherungsgewerbe, 1999-2001 (in EUR)
. 1999 2000 2001
Dänemark 33.3 35.1 k. A.
Belgien 34.0* k. A. k. A.
Frankreich 32.1 k. A. k. A.
Finnland 23.6 24.6 k. A.
Niederlande 20.4 21.5 k. A.
Italien 17.9 18.4 18.5
Spanien k. A. k. A. 13.8

Quelle: EIRO. *Zahlenangabe für das Jahr 1996

Bei den Zahlenangaben in Tabelle 7 sind die folgenden Anmerkungen zu beachten.

  • Belgien: Die letzten verfügbaren Zahlenangaben betreffen das Jahr 1996 und stammen aus der Arbeitskräfteerhebung des INS/NIS.
  • Dänemark: Angaben von Statistics Denmark, beziehen sich nur auf private Kreditinstitute und Versicherungsgesellschaften.
  • Finnland: Angaben von Statistics Finland.
  • Frankreich: Zahlenangaben anhand der VGR des INSEE berechnet.
  • Italien: Angaben zu 1999 und 2000 von Istat; bei der Zahl zu 2001 handelt es sich um einen Schätzwert von REF-IRS; siehe Anmerkung zu Tabelle 1.
  • Niederlande: Angaben von CBS; Zahl für 2001 gibt den Stand im Juli wieder.
  • Norwegen: keine Angaben zu den Arbeitskosten je Stunde verfügbar, Statistics Norway gibt aber für 2000 einen Jahresbetrag von 469,522 NOK (57,890 EUR) an.
  • Spanien: Zahlenangaben stammen aus dem Arbeitskostenindex des INE, beziehen sich auf den gesamten Dienstleistungssektor und auf das dritte Quartal 2001.

Eurostat gibt für 13 EU-Mitgliedstaaten (ohne Österreich und Luxemburg) einen vergleichenden Überblick über die durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde im Kredit- und Versicherungsgewerbe und in den Bereichen Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 1999 und sind Abb. 5 zu entnehmen (zur Eurostat-Definition der Arbeitskosten siehe weiter oben). Vergleicht man das Arbeitskostenniveau im Kredit- und Versicherungsgewerbe mit den in Abb. 1 angegebenen Durchschnittswerten für die Industrie und den Dienstleistungssektor, so fällt es mit Ausnahme Irlands (wo beide Werte gleich sind) durchweg höher aus, wobei der Unterschied im Falle Portugals, Deutschlands, Italiens und des Vereinten Königreichs besonders erheblich ist. Der Gesamtdurchschnitt für das Kredit- und Versicherungsgewerbe ist um etwa 2 EUR höher als der für die Industrie insgesamt und den Dienstleistungssektor. Es ergibt sich eine ähnliche Rangfolge der Länder, wobei allerdings Italien und das Vereinigte Königreich im Kredit- und Versicherungsgewerbe deutlich weiter oben rangieren. Stellt man das Arbeitskostenniveau dieses Wirtschaftsbereichs dem in Abb. 2 angegebenen Wert für das verarbeitende Gewerbe gegenüber, so erweist es sich in allen Ländern mit Ausnahme der Niederlanden und Spaniens als höher. (Mark Carley, SPIRE Associates)

Quelle: Eurostat

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