Entwicklungen im Bereich der Arbeitszeit - 2002

Die vorliegende Studie zur Entwicklung der Arbeitszeit in den Jahren 2001 und 2002 zeigt, dass in der Europäischen Union (und Norwegen) die tariflich vereinbarte durchschnittliche Wochenarbeitszeit mit ca. 38,2 Stunden relativ unverändert geblieben ist. Im Zeitraum 2001 bis 2002 gab es - abgesehen von geringfügigen Kürzungen, die in einigen Ländern in bestimmten Sektoren und Unternehmen weitergeführt wurden - in der EU so gut wie keine größeren allgemeinen Arbeitszeitverkürzungen. Die vereinbarte reguläre Jahresarbeitszeit beträgt in der EU durchschnittlich ca. 1 710 Stunden. Nach Sektoren gegliedert, ist die Wochenarbeitszeit in der chemischen Industrie am höchsten, gefolgt vom Einzelhandel und dem öffentlichen Dienst. Der tariflich vereinbarte Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub erhöhte sich 2002 geringfügig auf knapp 26 Tage. Der Bericht berücksichtigt auch die Daten von drei Kandidatenländern (Ungarn, Polen und Slowakei), wo die Arbeitszeiten generell länger sind als in der EU.

Der Bericht vermittelt einen Überblick über die - in Tarifverträgen vereinbarte und gesetzlich geregelte - Dauer der Arbeitszeit in der Europäischen Union und in Norwegen im Jahr 2002 (und 2001), der auf den Beiträgen der nationalen Zentren des Europäischen Observatoriums für die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen (EIRO) basiert. Zum ersten Mal berücksichtigen wir auch Daten von drei der Kandidatenländern, die 2004 in die EU aufgenommen werden: Ungarn, Polen und die Slowakei.

Die Festlegung der Arbeitszeit ist nach wie vor ein wesentliches Thema der Arbeitgeber-/Arbeitnehmerbeziehungen. Obwohl es in den letzten Jahren (wie im Folgenden erläutert wird) kaum größere allgemeine Kürzungen der wöchentlichen Arbeitszeit gegeben hat (mit Ausnahme der Einführung der gesetzlichen 35-Stunden-Woche in Frankreich), stehen sie nach wie vor auf der Tagesordnung vieler Gewerkschaften und einiger Regierungen. Außerdem werden weiterhin weniger dramatische, geringfügigere Arbeitszeitverkürzungen ausgehandelt, häufig als Gegenleistung der Arbeitnehmer für von den Arbeitgebern geforderte Formen der Flexibilisierung. In den beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU für das Jahr 2002 (2002 Employment Guidelines) werden die Sozialpartner zu Folgendem aufgefordert: 'auf allen in Frage kommenden Ebenen Vereinbarungen zur Modernisierung der Arbeitsorganisation - auch Modelle zur Flexibilisierung der Arbeit - auszuhandeln und umzusetzen, um Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit sowie die Fähigkeit der Unternehmen zur Anpassung an den industriellen Wandel zu steigern, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Flexibilität und Sicherheit zu gewährleisten und die Qualität der Arbeitsplätze zu erhöhen. Gegenstand entsprechender Vereinbarungen könnten z. B. [...] Arbeitszeitregelungen sein, wie die Einführung einer Jahresarbeitszeit, Arbeitszeitverkürzungen, der Abbau von Überstunden, der Ausbau von Teilzeitarbeit, Möglichkeiten einer Unterbrechung der Erwerbstätigkeit und damit zusammenhängende Fragen der Arbeitplatzsicherheit.'

Weitere Arbeitszeitverkürzungen sind noch immer eine zentrale Forderung der Gewerkschaftsbewegung in ganz Europa. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) nahm beispielsweise auf seinem Kongress von 1999 (EU9907182F) eine Resolution an, in der er sich verpflichtete, sich weiterhin für eine 35-Stunden-Woche und alle anderen Formen der Reduzierung und Neuorganisation der Arbeitszeit durch Tarifverhandlungen einzusetzen, 'wo nötig in geeigneter Weise in Verbindung mit Gesetzesinitiativen'. Auf euopäischer Sektorenebene nahm der Europäische Metallgewerkschaftsbund (EMB) 1998 eine Arbeitszeitcharta (BE9912311F an, die das Ziel der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich aufstellte, alle Forderungen nach einer Erhöhung der Arbeitszeit ablehnte und einen europäischen Mindeststandard von jährlich maximal 1 750 vertraglichen Arbeitsstunden festlegte (was umgerechnet einer 38-Stunden-Woche entspricht). Ein anderes Beispiel ist, dass der Europäische Gewerkschaftsbund für den öffentlichen Dienst (EGÖD) anlässlich seiner Hauptversammlung im Jahr 2000 eine Erklärung verabschiedete, in der er seinen Mitgliedern die 35-Stunden-Woche als 'vorrangige Forderung' vorgab.

Wie in anderen Bereichen der Arbeitsstatistik ergeben sich zahlreiche Schwierigkeiten beim internationalen Vergleich der Arbeitszeiten. Nicht in allen Ländern werden vergleichbare Daten erhoben. Zu den Problemen gehören insbesondere:

  • die Anwendung unterschiedlicher Berechnungsverfahren für die Arbeitszeit, wobei sich in einigen Ländern immer mehr die Jahresarbeitszeit gegenüber der Wochenarbeitszeit als Berechnungsgrundlage durchsetzt;
  • die Tatsache, dass in einigen Ländern Arbeitszeitverkürzungen in Form von zusätzlichen Urlaubstagen oder einer Verkürzung der Jahresarbeitszeit eingeführt wurden, die sich auf die reguläre Arbeitswoche kaum auswirken;
  • die Zunahme von Beschäftigungsmodellen, bei denen die wöchentliche Arbeitszeit erheblich von dem in einem Bezugszeitraum ermittelten Durchschnitt abweichen kann;
  • die Einbeziehung von Teilzeitbeschäftigten;
  • die unterschiedlichen Rollen von Tarifverhandlungen und Gesetzgebung, wobei letztere in einigen Ländern Einfluss auf die tatsächliche Arbeitszeit nimmt, während sie in anderen nur eine Höchstgrenze als 'Sicherheitsnetz' vorgibt.

Statistiken der regulären wöchentlichen Arbeitszeit sind im zwischenstaatlichen Vergleich auch deshalb problematisch, weil sie Aspekte wie Überstunden oder die Dauer des Jahresurlaubs und anderer Urlaubsarten nicht berücksichtigen.

Ziel dieser Studie ist es, einige allgemeine Daten zur momentanen Entwicklung bereitzustellen und auf die Schwierigkeiten beim Vergleich hinzuweisen. Aus Platzgründen und weil an dieser Stelle kein Statistikleitfaden entstehen soll, geben wir keine ausführlichen Erläuterungen zum Zustandekommen der Zahlen in den einzelnen Ländern, sondern lenken lediglich das Augenmerk auf die Probleme. Die angegebenen Zahlen sind mit äußerster Vorsicht zu behandeln, und die verschiedenen Anmerkungen und Erläuterungen sollten sorgfältig gelesen werden.

Tariflich vereinbarte durchschnittliche Wochenarbeitszeit

Tarifverhandlungen spielen in allen hier berücksichtigten Ländern eine Schlüsselrolle, deren Ausprägung jedoch aufgrund verschiedener Verhandlungsebenen mit unterschiedlichem Einfluss (sektorübergreifend, auf einen Sektor oder ein Unternehmen begrenzt usw.) und aufgrund des sehr unterschiedlichen Geltungsbereichs der Tarifverhandlungen stark variiert (wenngleich in den meisten EU-Ländern 70 % der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Tarifverhandlungen einbezogen sind - TN0212102S). Darüber hinaus bestehen hinsichtlich der Bedeutung der Tarifverhandlungen auch beträchtliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Wirtschaftssektoren und Arbeitnehmergruppen. Auch das Verhältnis von Tarifverhandlungen und gesetzlichen Vorschriften ist von Land zu Land unterschiedlich. In Abbildung 1 werden für sämtliche Wirtschaftsbereiche die durchschnittlichen regulären Wochenarbeitszeiten für Vollzeitbeschäftigte in den EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Ungarn und der Slowakei angegeben.

Abbildung 1. Tariflich vereinbarte durchschnittliche reguläre Wochenarbeitszeit, 2002

Abbildung 1. Tariflich vereinbarte durchschnittliche reguläre Wochenarbeitszeit, 2002

* Zahl für 2000; **Zahl für 2001; *** Durchschnitt von 16 Ländern; **** Durchschnitt von 18 Ländern

Quelle: EIRO.

Abbildung 1 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Belgien: Wert bezieht sich auf die durch den sektorübergreifenden Tarifvertrag festgelegte gesetzliche Arbeitswoche (wurde ab Januar 2003 auf 38 gesenkt).
  • Finnland: Wert von Statistcs Finland; Arbeitskräfteerhebung, reguläre Arbeitszeit einschließlich regulärer Überstunden.
  • Frankreich: Wert von der Direktion Forschung und Statistik des Arbeitsministeriums (Direction de l'animation de la recherche, des études et des statistiques du ministère de l'Emploi, DARES) ACEMO-Studie, bezieht sich jeweils auf das dritte Quartal eines Jahres.
  • Deutschland: Wert bezieht sich auf ganz Deutschland; der Wert für Westdeutschland betrug für 2001 und 2002 gleichermaßen 37,4 Stunden; der Wert für Ostdeutschland betrug für 2001 39,1 Stunden und für 2002 39 Stunden; Daten aus dem Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts, WSI).
  • Griechenland: Angabe des Nationalen statistischen Amtes (ESYE).
  • Ungarn: Tarifverträge übernehmen in der Regel die gesetzliche Wochenarbeitszeit von 40 Stunden (obwohl das Arbeitsrecht zulässt, dass in Tarifverträgen eine kürzere Arbeitszeit vereinbart wird, gibt es in der Praxis relativ selten Abweichungen von der gesetzlichen Arbeitszeit).
  • Italien: Mittelwert aus den Tarifverträgen, die eine 36- bis 40-Stunde-Woche vorsehen.
  • Luxemburg: Schätzwert.
  • Niederlande: Wert basiert auf einer Auswahl von Tarifverträgen.
  • Norwegen: Wert gibt die 'reguläre Arbeitszeit' für Arbeitnehmer an, die Tarifverträgen unterliegen; Schichtarbeiter (z. B. in der Metallindustrie) oder Nachtarbeiter (z. B. im staatlichen Gesundheitswesen) haben kürzere Arbeitszeiten.
  • Portugal: Angabe des Ministeriums für Arbeit und Solidarität, Abteilung Beschäftigungs- und Ausbildungsstatistik (Departamento de Estatística do Trabalho, Emprego e Formação Profissional, DETEFP).
  • Slowakei: Wert bezieht sich auf Arbeitnehmer in Ein-Schicht-Systemen; der entsprechende Wert für Arbeitnehmer in Zwei-Schichten-Systemen beträgt 40,18 Stunden.
  • Spanien: Anhand der Tarifverhandlungsstatistik des Ministeriums für Arbeit und Soziales (MTAS) errechneter Wert für die durchschnittliche vereinbarte Jahresarbeitszeit (1.756,6 im September 2002), ausgehend von einer Sechstagewoche und 274 Arbeitstagen im Jahr.
  • Schweden: Mittelwert aus den Tarifverträgen, die eine 37,5- bis 40-Stunde-Woche vorsehen.
  • Vereinigtes Königreich: Werte aus den Studien 717 (Oktober 2001) und 736 (September 2002) der Incomes Data Services (IDS).

Abbildung 1 enthält ausschließlich Werte für 2002, da diese in den meisten Fällen mit denen für 2001 identisch sind. Die durchschnittliche Gesamt-Wochenarbeitszeit blieb in den 15 EU-Mitgliedstaaten und in Norwegen mit 38,2 Stunden unverändert.

Im Jahr 2002 gab es wie bereits in den vier vorangegangenen Jahren in der EU und in Norwegen keine nennenswerten Arbeitszeitverkürzungen. Eine Ausnahme bilden vor allem Frankreich, wo schrittweise die 35-Stunden-Woche eingeführt wurde (mit einer Verkürzung der tariflich vereinbarten, regulären Arbeitszeit auf durchschnittlich 36,1 Stunden im Jahr 2001 und 35,7 Stunden im Jahr 2002), und, in geringerem Ausmaß, Belgien, wo die nationale sektorübergreifende Vereinbarung ab Januar 2003 eine einstündige Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 38 Stunden vorsieht. Auch in Frankreich versucht die neue konservative Regierung, die seit 2002 im Amt ist, die Auswirkungen der 35-Stunden-Woche durch die Erhöhung der jährlichen Überstundenquote (FR0209105F) nun wieder flexibler zu gestalten.

In einigen Ländern (z. B. in Griechenland, Italien, Luxemburg und Spanien) wurden 2002 allerdings in bestimmten Sektoren und Unternehmen Arbeitszeitverkürzungen erreicht. Geringfügige Verkürzungen und Arbeitszeitverkürzungen in Form von zusätzlichem Urlaub, oft an größere Flexibilisierung gebunden, kamen häufiger vor (wie z. B. in Belgien und Dänemark). Geringfügige Reduzierungen der durchschnittlichen Arbeitszeit gab es in Spanien, dem Vereinigten Königreich und Ostdeutschland.

Arbeitszeitverkürzungen stehen nach wie vor auf der Tagesordnung vieler Gewerkschaften in der EU, insbesondere in Ländern mit überdurchschnittlicher tariflicher Wochenarbeitszeit. Dazu einige Beispiele:

  • Der Griechische Arbeitnehmerverband (GSEE) forderte in den nationalen Tarifverhandlungen für 2002/2003 (ohne Erfolg) eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich.
  • Die 35-Stunden-Woche ist in den Tarifverhandlungen 2003 eine Forderung der portugiesischen Gewerkschaften (PT0209104F).
  • Spaniens Arbeitnehmerverband (Unión General de Trabajadores, UGT) votierte 2002 auf seinem Kongress für eine Viertagewoche mit drei freien Tagen oder eine gesetzlich verankerte 35-Stunden-Woche, jeweils bei vollem Lohnausgleich (ES0204201N).
  • Die größte Gewerkschaft Österreichs, die (Gewerkschaft der Privatangestellten, GPA) forderte auf ihrer Hauptversammlung im November 2002 eine generelle Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden pro Woche als ersten Schritt hin zu langfristig 30 Stunden, bei vollem Lohnausgleich (AT0212202F).
  • Deutschlands Metallarbeitnehmergewerkschaft IG Metall, die in den 80er und 90er Jahren bei der Arbeitszeitverkürzung Pionierarbeit geleistet hat, diskutierte 2002 über ihre künftige Arbeitszeitpolitik (DE0211204F). Sie strebt nun zur Angleichung an Westniveau eine stufenweise Reduzierung der Wochenarbeitszeit in Ostdeutschland von 38 auf 35 Stunden an. In Westdeutschland bleibt die Forderung nach einer generellen Arbeitszeitverkürzung auf weniger als 35 Stunden zwar auf der Tagesordnung der Gewerkschaft, der unmittelbare Schwerpunkt liegt jedoch bei der Einführung der 35-Stunden-Woche im gesamten Organisationsbereich der IG Metall und einer Annäherung der tatsächlichen an die tariflich vereinbarte Arbeitszeit.

2002 betrug die Differenz der regulären tariflichen Wochenarbeitszeit innerhalb der EU und Norwegens 4,3 Stunden, d. h. zwischen 35,7 Stunden (Frankreich) und 40 Stunden (Griechenland). Wie im Jahr 2001 gibt es jedoch in 13 Ländern eine reguläre Arbeitswoche mit 37 bis 39 Stunden.

Was die Kandidatenländer anbelangt, so scheint die tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit dort teilweise sogar deutlich über dem Durchschnitt für die EU und Norwegen zu liegen (für Polen liegen allerdings keine Zahlen vor); bezieht man Ungarn und die Slowakei mit ein, erhöht sich der Gesamtdurchschnitt um 0,3 auf 38,5 Stunden. Arbeitszeitverkürzungen scheinen in einigen Kandidatenländern ganz oben auf der Tagesordnung der Arbeitgeber-/Arbeitnehmerbeziehungen zu stehen. In Ungarn gab es 2002 eine Dreiparteien-Vereinbarung zur langfristigen Unterstützung der Arbeitszeitverkürzung und zur Aufnahme von Verhandlungen zu dem Thema; eine Einigung wird für Juni 2003 angestrebt (HU0212105F). Die Gewerkschaft hatte mit Unterstützung der Regierung eine Verkürzung der gesetzlichen regulären Arbeitszeit von 40 auf 38 Stunden pro Woche bis 2006 gefordert, beginnend mit einer Verkürzung um eine halbe Stunde ab Juli 2003. In der Slowakei trat 2002 ein neues Arbeitsrecht in Kraft, mit dem die reguläre Wochenarbeitszeit von 42,5 auf 40 Stunden reduziert wird, während in den 2002 ausgehandelten Tarifverträgen für Beamte (SK0212102N) und Angestellte im öffentlichen Dienst (SK0209101N) die wöchentliche Arbeitszeit von 40 auf 37,5 Stunden gekürzt wurde.

Gesetzliche maximale Wochen- und Tagesarbeitszeit

Tarifverhandlungen über die Arbeitszeit finden im Rahmen gesetzlicher Regelungen zur maximalen Arbeitszeit in allen Ländern statt. In der EU und Norwegen sollte dabei zumindest die Richtlinie (93/104/EU) aus dem Jahr 1993 eingehalten werden, die bestimmte Aspekte der Arbeitszeitorganisation regelt. Dazu gehören eine maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden (Durchschnitt in einem Bezugszeitraum von höchstens vier Monaten), eine tägliche Ruhezeit von 11 Stunden und eine Höchstgrenze von acht Stunden für Nachtarbeiter. Die Beitrittskandidaten sind verpflichtet, die Richtlinie bis zum EU-Beitritt umzusetzen. Tabelle 1 gibt die gesetzlich vorgeschriebene Höchstdauer der wöchentlichen Arbeitszeit in der EU, in Ungarn und der Slowakei an (für Polen liegen keine Daten vor).

Tabelle 1. Gesetzliche Höchstdauer der wöchentlichen Arbeitszeit, 2002
Dänemark 48
Frankreich 48
Deutschland 48
Griechenland 48
Ungarn 48
Irland 48
Italien 48
Luxemburg 48
Niederlande 48
Vereinigtes Königreich 48
Österreich 40
Finnland 40
Norwegen 40
Portugal 40
Slowakei 40
Spanien 40
Schweden 40
Belgien 39

Quelle: EIRO.

Wie Tabelle 1 zeigt, lassen sich die EU-Länder und Norwegen in zwei Hauptgruppen einteilen: diejenigen Länder, die die in der EU-Arbeitszeitrichtlinie vorgegebene maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden übernehmen (in Frankreich gilt eine Höchstgrenze von 48 Stunden pro Woche, wobei 35 Stunden der gesetzlichen regulären Wochenarbeitszeit entsprechen) und diejenigen, die eine erheblich niedrigere Höchstgrenze von 40 Stunden (bzw. 39 Stunden in Belgien) festlegen. In der ersten Gruppe liegt das gesetzliche Maximum erheblich höher als die tariflich vereinbarte durchschnittliche Wochenarbeitszeit und die tatsächliche oder übliche Wochenarbeitszeit (siehe Abbildung 5 und Tabelle 3). Diese Vorgabe soll wohl daher im Wesentlichen eine Schutzfunktion haben. In der zweiten Ländergruppe liegt die gesetzliche Höchstdauer erheblich näher an der tariflich vereinbarten durchschnittlichen oder tatsächlichen/üblichen Wochenarbeitszeit (und entspricht in Belgien der tariflichen Stundenzahl), was auf eine aktivere Rolle des Gesetzgebers bei der Regelung der Arbeitszeit hindeutet. Ungarn kann der ersten Gruppe, die Slowakei der zweiten Gruppe zugeordnet werden.

Diese gesetzlichen Höchstwerte können in vielen Ländern im Rahmen von flexiblen Arbeitszeitmodellen überschritten werden, bei denen die wöchentliche Arbeitszeit während eines Bezugszeitraums vom Durchschnitt abweichen darf (was laut EU-Richtlinie zulässig ist). Hier einige Beispiele:

  • In Österreich darf die Wochenarbeitszeit während eines Bezugszeitraums laut Vereinbarung bis zu 50 Stunden betragen, wenn ein Wochendurchschnitt von 40 Stunden gewahrt bleibt.
  • In Finnland darf die Wochenarbeitszeit während eines Bezugszeitraums laut Vereinbarung bis zu 52 Stunden betragen, wenn ein Wochendurchschnitt von 40 Stunden gewahrt bleibt.
  • In den Niederlanden muss die Höchstdauer von 48 Stunden über einen Bezugszeitraum von 13 Wochen gewahrt bleiben. Kommt es zu keiner Einigung zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft (oder Betriebsrat), beträgt die gesetzliche Höchstdauer neun Stunden pro Tag, kann jedoch per Tarifvereinbarung auf 12 Stunden erhöht werden, sofern die durchschnittliche Wochenarbeitszeit während eines Bezugszeitraums von vier Wochen 60 Stunden nicht überschreitet (und in 13 Wochen 48 Stunden nicht überschreitet).
  • In Norwegen kann die durchschnittliche Wochenarbeitszeit variieren und bis zu 48 Stunden betragen, solange über einen Bezugszeitraum von bis zu einem Jahr die Höchstdauer von 40 Stunden nicht überschritten wird; unter gewissen Umständen und laut Vereinbarung mit Gewerkschaftsvertretern darf die Arbeitszeit in bis zu sechs aufeinander folgenden Wochen 54 Stunden pro Woche und 10 Stunden pro Tag betragen.
  • In Portugal ist eine 50-Stunden-Woche möglich, sofern der Durchschnitt von 40 Stunden innerhalb eines viermonatigen Bezugszeitraums (oder laut Tarifvertrag bis zu zwölf Monate) eingehalten wird.
  • In Spanien darf die Wochenarbeitszeit länger sein, wenn während eines Bezugszeitraums ein Wochendurchschnitt von 40 Stunden gewahrt bleibt.
  • Im Vereinigten Königreich darf die Wochenarbeitszeit 48 Stunden überschreiten, wenn während eines Bezugszeitraums von 17 Wochen dieser Durchschnitt eingehalten wird.

In allen hier betrachteten Ländern gilt überdies eine gesetzliche Höchstdauer des Arbeitstags, wie aus Tabelle 2 hervorgeht (für Polen liegen keine Daten vor). In Dänemark, Irland, Italien und dem Vereinigten Königreich ist die Höchstdauer des Arbeitstags nicht explizit festgelegt (außer für Nachtarbeiter), doch lässt sich aus der in der Richtlinie festgelegten täglichen Ruheperiode von elf Stunden eine Höchstdauer von 13 Arbeitsstunden ableiten. Auch hier kann die tägliche Arbeitszeit im Rahmen flexibler Arbeitszeitmodelle häufig länger sein. Dazu einige Beispiele:

  • In Finnland darf die tägliche Arbeitszeit während eines Bezugszeitraums von 52 Wochen variieren, wenn ein Wochendurchschnitt von 40 Stunden gewahrt bleibt.
  • In Deutschland darf die tägliche Arbeitszeit bis zu 10 Stunden betragen, wenn während eines Bezugszeitraums von 24 Wochen ein Tagesdurchschnitt von 8 Stunden gewahrt bleibt.
  • In den Niederlanden beträgt die gesetzliche Höchstdauer neun Stunden pro Tag, wenn es keine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft (oder Betriebsrat) gibt, kann jedoch per Tarifvereinbarung auf 12 Stunden pro Tag erhöht werden, sofern die durchschnittliche Wochenarbeitszeit während eines Bezugszeitraums von vier Wochen 60 Stunden nicht überschreitet (und in 13 Wochen 48 Stunden nicht überschreitet).
  • In Spanien darf die tägliche Arbeitszeit länger sein, wenn während eines Bezugszeitraums ein Durchschnitt von neun Stunden gewahrt bleibt.
  • In Schweden darf die tägliche Arbeitszeit unter bestimmten Umständen variieren.
Tabelle 2. Gesetzliche Höchstdauer der täglichen Arbeitszeit, 2002
Dänemark 13
Irland 13
Italien 13
Vereinigtes Königreich 13
Ungarn 12
Österreich 10
Frankreich 10
Luxemburg 10
Portugal 10
Niederlande 9
Norwegen 9
Spanien 9
Belgien 8
Finnland 8
Deutschland 8
Griechenland 8
Slowakei 8
Schweden 8

Quelle: EIRO.

Tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit nach Sektor

Von den gesamtwirtschaftlichen Daten wenden wir uns im Folgenden den einzelnen Sektoren zu. Es folgen Angaben zu der durchschnittlichen regulären Wochenarbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte, wie sie durch Tarifverhandlungen in ausgewählten Sektoren vereinbart wurden; dazu gehören das verarbeitende Gewerbe (chemische Industrie), Dienstleistungen (Einzelhandel) und der öffentliche Sektor (öffentlicher Dienst). Auch wenn diese spezifischeren Daten vermutlich genauer sind als die Gesamtdurchschnittswerte des vorangehenden Abschnitts, ist hier ebenfalls Vorsicht geboten. Die Anmerkungen zu den einzelnen Zahlen sind genau zu beachten. Alle oben genannten Vorbehalte gelten auch für die sektorbezogene Statistik.

Im Vergleich der drei Sektoren ergibt sich 2002 die längste tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit in der EU und Norwegen mit 38,3 Stunden in der chemischen Industrie, gefolgt vom Einzelhandel mit 38,2 Stunden und dem öffentlichen Dienst mit 37,5 Stunden (die gleiche Rangfolge wie 2000). Die chemische Industrie lag damit leicht über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft mit 38,2 Stunden, der Einzelhandel lag genau im Durchschnitt und der öffentliche Dienst deutlich unter dem Durchschnitt. In allen drei Fällen (und besonders deutlich im öffentlichen Dienst) gab es zwischen 1999 und 2000 leicht abnehmende Werte, was in der Regel hauptsächlich auf Arbeitszeitverkürzungen in einzelnen Ländern zurückzuführen ist: Griechenland, Luxemburg und Spanien in der chemischen Industrie; Belgien, Deutschland, Italien, Luxemburg und das Vereinigte Königreich im Einzelhandel; Frankreich und Spanien im öffentlichen Dienst. Damit wird bestätigt, dass es ungeachtet des generellen Stillstands in der Entwicklung hin zu Arbeitszeitverkürzungen in fast allen Ländern in einzelnen Sektoren und Ländern nach wie vor (in der Regel geringfügige) Verkürzungen gibt.

Was die Kandidatenländer anbelangt, liegen für Ungarn und die Slowakei Daten für die chemische Industrie und den Einzelhandel vor. In allen Fällen, mit Ausnahme der chemischen Industrie in der Slowakei, liegt die tariflich vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit über dem Durchschnitt in der EU und in Norwegen, wenn auch nicht höher als in einigen der Mitgliedstaaten mit längeren Arbeitszeiten.

Chemische Industrie

Abbildung 2 zeigt die tariflich vereinbarte reguläre Wochenarbeitszeit in der chemischen Industrie (basierend auf den entsprechenden Flächentarifverträgen, sofern in den Anmerkungen unter der Abbildung nichts anderes angegeben wird). Die Abbildung enthält ausschließlich Daten für 2002 und trägt damit der Tatsache Rechnung, dass seit 2000 in allen Ländern kaum Veränderungen zu verzeichnen sind, mit Ausnahme der Slowakei und Spaniens, wo es (im Falle Spaniens sehr geringfügige) Arbeitszeitverkürzungen gab . Seit 1999 ist in der EU und in Norwegen eine leichte Abnahme der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 38,4 auf 38,3 Stunden zu verzeichnen, was insbesondere auf Arbeitszeitverkürzungen in Griechenland, Luxemburg und - in geringerem Umfang - Spanien zurückzuführen ist.

Im Jahr 2002 wurden in der EU und Norwegen die längsten Wochenarbeitszeiten in der chemischen Industrie mit 40 Stunden in Portugal und Schweden verzeichnet (obwohl der schwedische Wert in der Praxis darunter liegen kann) und die kürzesten - mit deutlichem Abstand - in Frankreich (35). Die Zeitspanne von fünf Stunden ist geringfügig höher als bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit in der Gesamtwirtschaft. Die Gesamtrangordnung der Länder entspricht derjenigen für die gesamtwirtschaftlichen Daten, obwohl die Arbeitszeit in der chemischen Industrie in Belgien deutlich unter dem nationalen Durchschnitt liegt, während sie in den Niederlanden, Portugal und Schweden deutlich länger ist. Europaweit beträgt die durchschnittliche tarifliche Wochenarbeitszeit in der chemischen Industrie 38,3 Stunden und liegt damit geringfügig über dem Gesamtdurchschnitt (38,2).

Was die Kandidatenländer anbelangt, liegen Daten für Ungarn und die Slowakei vor. Während die vereinbarte Arbeitszeit in der chemischen Industrie in Ungarn über dem Durchschnitt der EU und Norwegens (und über dem ungarischen Landesdurchschnitt) liegt, bleibt sie in der Slowakei darunter (und weit unter dem Landesdurchschnitt).

Abbildung 2. Tariflich vereinbarte reguläre Wochenarbeitszeit in der chemischen Industrie, 2002

Abbildung 2. Tariflich vereinbarte reguläre Wochenarbeitszeit in der chemischen Industrie, 2002

* Zahl für 2000; ** Durchschnitt für 16 Länder; *** Durchschnitt für 18 Länder

Quelle: EIRO.

Abbildung 2 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Finnland: Wert von Statistics Finland; Arbeitsmarkterhebung, reguläre Arbeitszeiten einschließlich regulärer Überstunden.
  • Deutschland: Wert aus dem WSI-Tarifarchiv gilt für Westdeutschland; der Wert für Ostdeutschland beträgt 40 Stunden.
  • Griechenland: Wert des Griechischen Arbeitnehmerverbands der chemischen Industrie.
  • Portugal: Gesetzlich geregelte Arbeitszeit; in den Tarifverträgen für die chemische Industrie ging es in den letzten Jahren nicht um die wöchentliche Arbeitszeit.
  • Slowakei: 35,5 Stunden für im Dauerbetrieb Beschäftigte.
  • Spanien: Der Tarifvertrag für die chemische Industrie legt die Jahresarbeitszeit für 2001 auf 1 764 und für 2002 auf 1 760 Stunden fest; der Wert für die Wochenarbeitszeit basiert auf der Annahme einer Sechstagewoche und 274 Arbeitstagen pro Jahr.
  • Vereinigtes Königreich: IDS-Werte (siehe Anmerkung zu Abbildung 1 oben) beziehen sich auf 'Öl, chemische und pharmazeutische Produkte'.

Einzelhandel

Abbildung 3 zeigt die tariflich vereinbarte reguläre Wochenarbeitszeit im Einzelhandel (basierend auf den entsprechenden Flächentarifverträgen, sofern in den Anmerkungen unter der Abbildung nichts anderes angegeben wird). Die Abbildung enthält wiederum ausschließlich Daten für 2002 und trägt damit der Tatsache Rechnung, dass seit 2001 in allen Ländern kaum Veränderungen zu verzeichnen sind, mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs und Spaniens, wo es sehr geringfügige Arbeitszeitverkürzungen gab. Seit 1999 ist in der EU und in Norwegen eine geringfügige Abnahme der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit im Bankwesen von 38,3 auf 38,1 zu verzeichnen, was insbesondere auf Arbeitszeitverkürzungen in Belgien, Deutschland, Italien und Luxemburg zurückzuführen ist.

Die längste Wochenarbeitszeit (40 Stunden) gibt es in Griechenland, Portugal und Schweden, die kürzeste in Belgien und Frankreich (35). Die Zeitspanne von fünf Stunden ist geringfügig größer als bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit in der Gesamtwirtschaft. Die Arbeitszeit im belgischen und finnischen Einzelhandel ist erheblich niedriger als im nationalen Durchschnitt, während sie in Schweden, Italien, den Niederlanden und Portugal deutlich länger ist. Insgesamt beträgt die durchschnittliche tarifliche Wochenarbeitszeit im Einzelhandel 38,1 Stunden und liegt damit leicht unter dem Gesamtdurchschnitt (38,2).

Von den Kandidatenländern liegen nur für Ungarn und die Slowakei Daten vor, und in beiden Fällen liegt die tariflich vereinbarte Arbeitszeit im Einzelhandel über dem Durchschnitt in der EU und in Norwegen. In Ungarn entspricht die tariflich vereinbarte Arbeitszeit dem nationalen Durchschnitt, während sie in der Slowakei etwas unter dem Durchschnitt liegt.

Abbildung 3. Tariflich vereinbarte reguläre Wochenarbeitszeit im Einzelhandel, 2002

Abbildung 3. Tariflich vereinbarte reguläre Wochenarbeitszeit im Einzelhandel, 2002

* Zahl für 2000; **Zahl für 2001; *** Durchschnitt für 16 Länder; **** Durchschnitt für 18 Länder

Quelle: EIRO.

Abbildung 3 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Belgien: Wert bezieht sich auf die Tarifverträge für Supermärkte.
  • Finnland: Wert von Statistics Finland bezieht sich auf den gesamten Dienstleistungssektor.
  • Frankreich: 35-Stunden-Woche wurde an verschiedenen Stellen jeweils mit Tarifverträgen für Subsektoren eingeführt, z. B. im Supermarktbereich durch einen im Dezember 2001 unterzeichneten Vertrag.
  • Deutschland: Wert aus dem WSI-Tarifarchiv gilt für Westdeutschland; der Wert für Ostdeutschland beträgt 38 Stunden.
  • Griechenland: Wert des Griechischen Verbands der in der Privatwirtschaft Beschäftigten.
  • Portugal: Wert bezieht sich auf den Branchentarifvertrag für Lissabon.
  • Spanien: Wert für 'Einzelhandel und Instandhaltung'; in der Tarifverhandlungsstatistik des Ministeriums für Arbeit und Soziales (MTAS) errechneter Wert für die durchschnittliche tarifliche Jahresarbeitszeit (1 796,5 Stunden in 2001), ausgehend von einer Sechstagewoche und 274 Arbeitstagen im Jahr.
  • Vereinigtes Königreich: IDS-Wert (siehe Anmerkung zu Abbildung 1), bezieht sich auf 'Einzelhandel und Vertrieb'.

Öffentlicher Dienst

Abbildung 4 zeigt die tariflich vereinbarte reguläre Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst (basierend auf den entsprechenden Flächentarifverträgen, sofern in den Anmerkungen unter der Abbildung nichts anderes angegeben wird). Für die Kandidatenländer liegen keine Daten vor (dort wurde die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst bisher gesetzlich und nicht tariflich geregelt). Die Abbildung enthält ausschließlich Daten für 2002, da die Situation zwischen 2001 und 2002 nahezu unverändert war (mit Ausnahme der schrittweisen Einführung der 35-Stunden-Woche in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Dienstes in Frankreich). Seit 1999 ist in der EU und in Norwegen eine geringfügige Abnahme der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst von 37,7 auf 37,5 Stunden zu verzeichnen, was insbesondere auf Arbeitszeitverkürzungen in Frankreich und Spanien zurückzuführen ist.

Die längste Wochenarbeitszeit (40 Stunden) gibt es in Österreich, Griechenland, Luxemburg und Schweden, die kürzeste in Frankreich und Portugal (35). Wie in der chemischen Industrie und im Einzelhandel ist die Zeitspanne von fünf Stunden geringfügig größer als bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit in der Gesamtwirtschaft. Die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst in Belgien, Finnland, Italien, den Niederlanden, Spanien und (vor allem) Portugal liegt erheblich niedriger als im nationalen Durchschnitt, während sie in Österreich, Luxemburg und Schweden deutlich länger ist. Insgesamt beträgt die durchschnittliche tarifliche Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst 37,5 Stunden und liegt damit um mehr als 40 Minuten unter dem Gesamtdurchschnitt (38,2).

Abbildung 4. Tariflich vereinbarte reguläre Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst, 2002

Abbildung 4. Tariflich vereinbarte reguläre Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst, 2002

* Zahl für 2000; **Zahl für 2001; *** Durchschnitt für 16 Länder

Quelle: EIRO.

Abbildung 4 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: Per Gesetz oder Verordnung geregelte Arbeitszeit, da fast alle Berufsgruppen im öffentlichen Dienst nicht berechtigt sind, Tarifverträge abzuschließen.
  • Frankreich: Es wurden vielfach Vereinbarungen zur Einführung der 35-Stunden-Woche für verschiedene Bereiche des öffentlichen Dienstes, wie Krankenhäuser und einzelne Ministerien, getroffen.
  • Deutschland: Wert aus dem WSI-Tarifarchiv gilt für Westdeutschland; der Wert für Ostdeutschland beträgt 40 Stunden.
  • Spanien: Für 'öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung und außerregionale Organe' in der Tarifverhandlungsstatistik des Ministeriums für Arbeit und Soziales (MTAS) errechneter Wert für die durchschnittliche tarifliche Jahresarbeitszeit (1 612 Stunden im Jahr 2001), ausgehend von einer Sechstagewoche und 274 Arbeitstagen im Jahr.
  • Vereinigtes Königreich: IDS-Werte (siehe Anmerkung zu Abbildung 1 oben); die tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit in London beträgt grundsätzlich 36 Stunden.

Tatsächliche/übliche Wochenarbeitszeit

Einige der Probleme, die sich aus Daten zur tariflich vereinbarten regulären Wochenarbeitszeit ergeben, lassen sich durch Statistiken über die tatsächliche Wochenarbeitszeit vermeiden, die üblicherweise bei Arbeitskräfteerhebungen erfasst werden. Solche Zahlen ergeben ein korrekteres Bild der tatsächlich pro Woche geleisteten Arbeitszeit, da sie Faktoren wie Überstunden und Fehlzeiten berücksichtigen. Die nationalen Daten zur durchschnittlichen tatsächlichen Wochenarbeitszeit sind allerdings für Vergleichszwecke häufig nicht geeignet, da sie auf unterschiedlichen Definitionen basieren. Insbesondere fällt auf, dass viele nationale Erhebungen nicht zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten unterscheiden. In Abbildung 5 werden daher die Zahlen von Eurostat für die von Vollzeitbeschäftigten üblicherweise geleistete Wochenarbeitszeit aufgeführt, die auf den Arbeitskräfteerhebungen von 2000 und 2001 für die EU-Mitgliedstaaten und (nur für 2001) für die derzeit vom EIRO untersuchten vier Kandidatenländer (Ungarn, Polen, Slowakei und die Slowakei) basieren. Die übliche Wochenarbeitszeit entspricht der Anzahl der Arbeitsstunden, die die Person normalerweise leistet, einschließlich normalerweise erbrachter - bezahlter oder unbezahlter - Überstunden (aber ohne Berücksichtigung des Weges zu und von der Arbeit und der Pausen). Eine Aufschlüsselung nach Geschlecht ist nicht verfügbar.

Abbildung 5. Übliche Wochenarbeitszeit, Vollzeitbeschäftigte, 2000 und 2001

Abbildung 5. Übliche Wochenarbeitszeit, Vollzeitbeschäftigte, 2000 und 2001

* Durchschnitt

Quelle: Arbeitskräfteerhebungen von Eurostat

Die längste übliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten gibt es im Vereinigten Königreich, in Griechenland und Spanien, die kürzeste in Italien, Norwegen und Frankreich. Zwischen 2000 und 2001 blieb der Durchschnittswert für die 16 Länder bei 39,8 Stunden unverändert, wobei leichte Rückgänge in Dänemark, Deutschland, Irland, Italien, Luxemburg, Portugal, dem Vereinigten Königreich und (besonders deutlich) in Frankreich sowie leichte Zunahmen in Belgien und Griechenland zu verzeichnen waren. Die durchschnittliche übliche Arbeitszeit in den vier berücksichtigten Kandidatenländern betrug 2001 41,5 Stunden, mehr als 1,5 Stunden über dem Durchschnitt für die EU und Norwegen. Allerdings überstieg der Durchschnittswert im Vereinigten Königreich die Werte aller vier Kandidatenländer, während der Wert für Griechenland über dem für Ungarn lag.

Die übliche Arbeitszeit überschreitet in allen Ländern die durchschnittliche tariflich vereinbarte, reguläre Wochenarbeitszeit; eine Ausnahme bildet lediglich Finnland, wo die Werte übereinstimmen. Die durchschnittliche übliche Wochenarbeitszeit betrug im Jahr 2001 in der EU und in Norwegen 39,8 Stunden; dem stand eine tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit von 38,2 Stunden gegenüber. In sieben Ländern liegt die durchschnittliche übliche Wochenarbeitszeit eine Stunde über bzw. unter der vereinbarten regulären Arbeitszeit. In sechs Ländern überschreitet jedoch die übliche Wochenarbeitszeit die tariflich vereinbarte Arbeitszeit um zwei und mehr Stunden, und zwar in Dänemark, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Spanien und im Vereinigten Königreich. Im Vereinigten Königreich besteht zwischen der vereinbarten und der üblichen Arbeitszeit eine Kluft von 6,5 Stunden, was durchaus als Ausdruck der dortigen Kultur langer Arbeitszeiten und vieler Überstunden und der geringen Flächendeckung von Tarifverträgen gewertet werden kann.

Die Arbeitskräfteerhebungen von Eurostat für 2000 und 2001 liefern auch Zahlen für die von Teilzeitbeschäftigten geleistetete übliche Wochenarbeitszeit, die in Abbildung 6 dargestellt werden.

Abbildung 6. Übliche Wochenarbeitszeit, Teilzeitbeschäftigte, 2000 und 2001

Abbildung 6. Übliche Wochenarbeitszeit, Teilzeitbeschäftigte, 2000 und 2001

* Durchschnitt

Quelle: Arbeitskräfteerhebungen von Eurostat

Die längste übliche Wochenarbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten in der EU und in Norwegen gibt es in Italien, Frankreich und Schweden, die kürzeste in Irland und dem Vereinigten Königreich. Zwischen 2000 und 2001 stieg der Durchschnittswert für die 16 Länder leicht von 20,7 Stunden auf 21,0 Stunden an, wobei leichte Rückgänge in Belgien, Finnland, Italien, Luxemburg, Norwegen und Portugal und leichte Zunahmen in Dänemark, Frankreich, Irland, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich zu verzeichnen waren. Die durchschnittliche übliche Arbeitszeit der Teilzeitbeschäftigten in den vier berücksichtigten Kandidatenländern betrug 2001 22,9 Stunden, lag also fast mehr als 2 Stunden über dem Durchschnitt für die EU und Norwegen. Italien wies allerdings bei Teilzeitbeschäftigten den gleichen Wert auf wie Polen, während der Wert für die Slowakei unter dem Durchschnitt der EU und Norwegens lag.

Es scheint kaum Zusammenhänge zwischen der Arbeitszeit für Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte zu geben, obwohl festzustellen ist, dass einige der Länder mit den höchsten Werten für die übliche Arbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigung die niedrigsten Werte für Teilzeitbeschäftigung haben; dazu zählen insbesondere das Vereinigte Königreich, Spanien und die Slowakei. Einige der Länder mit den niedrigsten Werten für die übliche Arbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigung weisen dagegen die höchsten Werte für Teilzeitbeschäftigung auf - insbesondere Italien, Frankreich und Belgien.

Wie bereits erwähnt, sind die nationalen Daten zur durchschnittlichen tatsächlichen Wochenarbeitszeit für Vergleichszwecke häufig nicht geeignet, da sie auf unterschiedlichen Definitionen basieren. Für die zehn Länder, für die Zahlen vorliegen, werden die Werte für Vollzeitbeschäftigte jedoch in Tabelle 3 aufgeführt, nicht zuletzt deshalb, weil in einigen Fällen eine Aufschlüsselung der Zahlen nach Geschlecht möglich ist (viele Werte für 2002 liegen noch nicht vor).

Tabelle 3. Durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit, Vollzeitbeschäftigte, 2001 und 2002
2001 2002
Land Alle Frauen Männer Alle Frauen Männer
Belgien 39,2 37,7 39,9 -/- -/- -/-
Finnland 38,6 37,2 39,8 -/- -/- -/-
Frankreich 38,3 37,4 38,8 37,7 36,9 38,2
Griechenland 45,4 44,7 45,8 45,5 44,8 45,8
Niederlande* 39,1 38,2 39,4 -/- -/- -/-
Norwegen 40,1 37,9 41,2 -/- -/- -/-
Portugal* 39,0 -/- -/- -/- -/- -/-
Slowakei -/- -/- -/- 41,8 41,5 42,1
Spanien 38,6 36,7 39,6 38,9 37,3 39,8
Vereinigtes Königreich 38,0 34,4 39,9 37,8 34,4 39,6

Quelle: EIRO. * Wert für 2000.

Die Werte in Tabelle 3 sollten in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Belgien: Werte der Arbeitskräfteerhebung von Statistics Belgium (Institut National de Statistique/Nationaal Instituut voor de Statistiek, INS/NIS).
  • Finnland: Wert der Arbeitskräfteerhebung von Statistics Finland.
  • Frankreich: Werte der Erhebung von DARES/ACEMO.
  • Griechenland: Werte der Arbeitskräfteerhebung von ESYE.
  • Niederlande: Werte des zentralen Amtes für Statistik (Centraal Bureau voor de Statistiek, CBS), ohne Berücksichtigung von Überstunden.
  • Norwegen: inoffizielle Zahlen von FAFO auf der Grundlage der Arbeitskräfteerhebungen von StatisticsNorway (ohne Berücksichtigung von Beschäftigten im Urlaub).
  • Portugal: Wert vom Ministerium für Arbeit und Solidarität, Quadros de Pessoal.
  • Slowakei: Werte der Arbeitskräfteerhebung des statistischen Amtes der Slowakei, bezogen auf das zweite Quartal.
  • Spanien: Werte der Arbeitskräfteerhebung des nationalen Amtes für Statistik (Instituto Nacional de Estadística, INE), bezogen auf das zweite Quartal eines Jahres und die durchschnittliche wöchentliche Bezugsarbeitszeit.
  • Vereinigtes Königreich: Werte der Arbeitskräfteerhebung des nationalen Amtes für Statistik, Office for National Statistics (ONS), bezogen auf das zweite Quartal eines Jahres.

Für neun Länder liegen ferner Angaben zur durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten vor; siehe Tabelle 4 (auch hier sind viele der Zahlen für 2002 noch nicht verfügbar). Die Definition für Teilzeitbeschäftigung variiert von Land zu Land.

Tabelle 4. Durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit, Teilzeitbeschäftigte, 2001 und 2002
2001 2002
Land Alle Frauen Männer Alle Frauen Männer
Belgien 22,8 22,7 23,2 -/- -/- -/-
Finnland 20,9 21,5 19,6 -/- -/- -/-
Frankreich 23,3 23,4 23,0 23,0 23,1 22,8
Griechenland 23,4 23,1 23,7 24,1 23,8 24,3
Niederlande* 21,1 20,8 21,8 -/- -/- -/-
Norwegen 21,4 22,1 19,1 -/- -/- -/-
Slowakei -/- -/- -/- 23,5 23,7 23,1
Spanien 16,8 16,5 17,8 17,4 17,2 18,0
Vereinigtes Königreich 15,7 15,7 15,7 15,6 15,8 15,1

Quelle: EIRO. * Wert für 2000.

Die Werte in Tabelle 4 sollten in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Belgien: Werte der Arbeitskräfteerhebung von INS/NIS.
  • Finnland: Wert der Arbeitskräfteerhebung von Statistics Finland.
  • Frankreich: Werte der Haushaltserhebung des nationalen Instituts für Statistik und Wirtschaftswissenschaften (Institut national de la statistique et des études économiques, INSEE).
  • Griechenland: Werte der Arbeitskräfteerhebung von ESYE.
  • Niederlande: Werte von CBS, ohne Berücksichtigung von Überstunden.
  • Norwegen: inoffizielle Zahlen von FAFO auf der Grundlage der Arbeitskräfteerhebungen von Statistics Norway (ohne Berücksichtigung von beurlaubten Beschäftigten).
  • Slowakei: Werte der Arbeitskräfteerhebung des statistischen Amtes der Slowakei, bezogen auf das zweite Quartal.
  • Spanien: Werte der Arbeitskräfteerhebung von INE, bezogen auf das zweite Quartal eines Jahres und die durchschnittliche wöchentliche Bezugsarbeitszeit.
  • Vereinigtes Königreich: Werte der Arbeitskräfteerhebung von ONS, bezogen auf das zweite Quartal eines Jahres.

Die nationalen Arbeitskräftestatistiken in Österreich, Ungarn, Irland, Italien, Polen und Schweden unterscheiden nicht zwischen der durchschnittlichen tatsächlichen Wochenarbeitszeit von Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten. Dies ist nur in der portugiesischen Statistik der Fall. Für Norwegen liegen für 2002 nur Gesamtwerte vor. In Tabelle 5 ist die durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit aller Beschäftigten in diesen Ländern aufgeführt.

Tabelle 5. Durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit, alle Beschäftigten, 2001 und 2002
2001 2002
Land Alle Frauen Männer Alle Frauen Männer
Österreich* 35,5 31,6 38,3 -/- -/- -/-
Ungarn* 39,5 37,1 41,4 -/- -/- -/-
Irland 38,2 33,0 42,2 37,8 32,8 41,9
Italien 37,0 34,0 40,0 -/- -/- -/-
Norwegen 32,5 28,8 35,8 33,5 29,6 37,0
Polen 40,0 37,1 42,3 40,3 -/- -/-
Portugal* 36,6 36,0 37,3 -/- -/- -/-
Schweden 30,9 26,8 34,6 -/- -/- -/-

Quelle: EIRO. * Werte für 2000.

Die Werte in Tabelle 5 sollten in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: Werte von Statistics Austria.
  • Ungarn: Werte von der IAO; da der Anteil der Teilzeitbeschäftigten relativ gering ist, stehen die Werte näherungsweise für die Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten.
  • Irland: Werte vom zentralen Amt für Statistik, Central Statistical Office (CSO), bezogen auf September 2002.
  • Italien: Werte von Istat.
  • Norwegen: Werte aus Arbeitskräfteerhebungen von Statistics Norway, bezogen auf das zweite Quartal eines Jahres.
  • Polen: Wert vom zentralen Amt für Statistik (GUS), bezogen auf die durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit für alle Beschäftigten; Wert für 2002 bezieht sich auf das Ende des zweiten Quartals.
  • Portugal: Werte vom Ministerium für Arbeit und Solidarität, Quadros de Pessoal.
  • Schweden: Werte aus der Arbeitskräfteerhebung von Statistics Sweden.

Jahresurlaub

Die jährliche Arbeitszeit wird stark vom Anspruch der Arbeitnehmer auf bezahlten Jahresurlaub beeinflusst. Abbildung 7 zeigt den durchschnittlichen tariflich vereinbarten Jahresurlaub für 14 Länder, aus denen Daten vorliegen (harmonisiert auf der Grundlage von fünf Arbeitstagen pro Woche). Die Zahlen beziehen sich generell auf das Jahr 2002. Die einzige signifikante Änderung gegenüber 2001 war die Anhebung in Norwegen um zwei Tage und in Luxemburg um einen halben Tag. Dies hatte eine geringfügige Erhöhung des Durchschnitts in der EU und Norwegen von 25,7 Tagen für 2001 auf 25,9 Tage für 2002 zur Folge (2000 betrug dieser Wert 25,6 Tage). Beim tariflichen Anspruch auf Jahresurlaub ist eine erhebliche Spannweite von 31,3 Tagen in den Niederlanden bis zu 20 Tagen in Irland festzustellen.

Abbildung 7. Tariflich vereinbarter, durchschnittlicher bezahlter Jahresurlaub (in Tagen), 2002

Abbildung 7. Tariflich vereinbarter, durchschnittlicher bezahlter Jahresurlaub (in Tagen), 2002

* Zahl für 2000; **Durchschnitt für 14 Länder

Quelle: EIRO.

Abbildung 7 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: ausgedrückt in 30 Arbeitstagen, einschließlich Samstagen; Wert von der Arbeitnehmerkammer.
  • Dänemark: Bestehend aus fünf Wochen Jahresurlaub plus vier Tagen, die der Beschäftigte nach Wunsch in Anspruch nehmen oder sich ausbezahlen lassen kann (ab 2003 auf fünf Tage angehoben).
  • Finnland: 25 Tage (bzw. 30 Tage einschließlich Samstagen) erst nach einem Jahr Beschäftigungsdauer, 20 Tage (bzw. 24 Tage einschließlich Samstagen) für Beschäftigte mit weniger als einem Jahr Beschäftigungsdauer.
  • Deutschland: Zahl gilt für ganz Deutschland; die Zahlen für Westdeutschland betrugen 2001 29,3 Tage und 2002 29,2 Tage; die Zahlen für Ostdeutschland betrugen 2001 und 2002 28,4 Tage; Daten aus dem Tarifarchiv des WSI.
  • Griechenland: Mittelwert des Urlaubsanspruchs, der je nach Beschäftigungsdauer 20 bis 25 Tage umfasst.
  • Italien: Wert berechnet als vierwöchiger Urlaub plus dem Mittelwert aus fünf bis zehn Tagen, die als eine Form der Arbeitszeitverkürzung gewährt werden.
  • Luxemburg: Schätzwert.
  • Niederlande: Wert von CBS.
  • Portugal: Die vereinbarte Norm beträgt 24 oder 25 Tage, wobei der 25. Tag manchmal von Faktoren wie Alter und Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängig ist.
  • Slowakei: Schätzwert.
  • Schweden: Die Norm beträgt 25 Tage, wobei Tarifverträge oftmals einen bis fünf Tage zusätzlich für ältere Beschäftigte vorsehen.
  • Vereinigtes Königreich: IDS-Werte (siehe Anmerkung zu Abbildung 1 oben) beziehen sich auf den Grundanspruch ohne individuelle und beschäftigungsbezogene Urlaubstage

Wie Abbildung 8 zeigt, ist in allen hier untersuchten Ländern ein gesetzlicher Mindestanspruch auf bezahlten Jahresurlaub vorgesehen (ausgedrückt in Tagen und harmonisiert auf der Basis von fünf Arbeitstagen pro Woche). Die EU-Länder und Norwegen lassen sich in zwei Gruppen einteilen: diejenigen Länder mit einem Mindestanspruch von 20 Tagen (21 Tage in Norwegen und 22 in Portugal und Spanien), wie in der EU-Arbeitszeitrichtlinie festgelegt, und die Länder mit einem Mindestanspruch von 25 Tagen (bzw. 24 wie Finnland). Die beiden Kandidatenländer, für die Daten vorliegen - Ungarn und die Slowakei -, gehören zur ersten Gruppe.

In Dänemark, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, der Slowakei und dem Vereinigten Königreich überschreitet der tariflich vereinbarte Jahresurlaub das gesetzliche Minimum um mindestens vier Tage, was darauf hinweist, dass die Gesetze in diesen Ländern eher eine Schutzfunktion haben. Der durchschnittliche tariflich vereinbarte Jahresurlaub und das gesetzliche Minimum sind in Österreich, Finnland, Frankreich, Irland und Schweden gleich oder liegen eng beeinander, was auf eine aktivere Rolle der Gesetzgebung hinweist.

Abbildung 8. Gesetzlicher Mindestanspruch auf bezahlten Jahresurlaub (in Tagen), 2002

Abbildung 8. Gesetzlicher Mindestanspruch auf bezahlten Jahresurlaub (in Tagen), 2002

* Durchschnitt

Quelle: EIRO.

Abbildung 8 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: Anspruch ausgedrückt in 30 Arbeitstagen, einschließlich Samstagen; Erhöhung um fünf Tage nach 25 Beschäftigungsjahren.
  • Belgien: Anspruch ausgedrückt in vier Wochen.
  • Dänemark: Anspruch ausgedrückt in fünf Wochen.
  • Finnland: Anspruch besteht aus zwei Tagen Urlaub pro gearbeitetem Monat (wenn 14 Tage im Monat gearbeitet wurden).
  • Frankreich: Anspruch ausgedrückt in 30 Arbeitstagen oder fünf Wochen.
  • Deutschland: Anspruch ausgedrückt in 24 Arbeitstagen.
  • Portugal: Beschäftigte über 59 Jahren haben Anspruch auf mindestens 25 Tage.
  • Slowakei: Anspruch ausgedrückt in vier Wochen.
  • Spanien: Anspruch ausgedrückt als ein Monat.
  • Vereinigtes Königreich: Anspruch ausgedrückt in vier Wochen.

Jahresarbeitszeit

Für wenige Länder liegen von nationalen Statistikquellen Zahlen für die tariflich vereinbarte Jahresarbeitszeit vor, die ein genaueres Maß für die Dauer der Arbeitszeit sein kann, weil sie Faktoren wie Urlaub, Feiertage und flexible Arbeitszeitmodelle berücksichtigt. Diese Zahlen sind in Tabelle 6 aufgelistet.

Tabelle 6. Tariflich vereinbarte durchschnittliche Jahresarbeitszeit in Stunden, 2001 und 2002
Land 2001 2002
Belgien* 1 714 -/-
Deutschland 1 656 1 656
Italien 1 719 1 719
Niederlande 1 748 -
Spanien 1 760 1 757

Quelle: EIRO; * Wert für 1999.

Die Werte in Tabelle 7 sollten in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Belgien: Wert vom Staatlichen Planungsamt und vom Ministerium für Arbeit und Beschäftigung, gilt nur für den privaten Sektor.
  • Deutschland: Zahlen gelten für ganz Deutschland; die Zahlen für Westdeutschland betrugen 2001 1 642 Stunden und 2002 1 643 Stunden; die Zahlen für Ostdeutschland betrugen 2001 1 724 Stunden und 2002 1 723 Stunden; Daten aus dem Tarifarchiv des WSI.
  • Italien: Werte gelten nur für die Industrie; der Wert für 2001 für die Industrie (ausgenommen die Bauwirtschaft) betrug 1 728 Stunden, für private Unternehmen 1 668 Stunden und für staatliche Unternehmen 1 458 Stunden; der Wert für 2002 ist vorläufig; Daten vom nationalen Amt für Statistik (Istituto Nazionale di Statistica, Istat).
  • Niederlande: Wert vom zentralen Amt für Statistik gilt nur für Vollzeitbeschäftigte (der entsprechende Wert für alle Beschäftigten betrug 1 380 Stunden), ohne Berücksichtigung von Überstunden.
  • Spanien: Werte aus Veröffentlichungen zur Arbeitsstatistik von MTAS, bezogen auf September 2002.

Um für alle Länder für 2002 zu einer groben Schätzung der tariflich vereinbarten regulären Jahresarbeitszeit zu gelangen, haben wird die Zahlen für die tariflich vereinbarte durchschnittliche reguläre Wochenarbeitszeit (siehe Abbildung 1) zugrunde gelegt und sind von einer Fünftagewoche und einem Jahr mit 52 Wochen ausgegangen. Von diesem Jahresgesamtwert haben wir den durchschnittlichen, tariflich vereinbarten bezahlten Jahresurlaub (siehe Abbildung 7), bzw. wenn noch keine Daten vorlagen, den gesetzlichen Mindesturlaub (siehe Abbildung 8) und die Zahl der jährlichen gesetzlichen Feiertage abgezogen (für die EU 2002 vom Trade Unions Congress im Vereinigten Königreich berechnet, wobei bei abweichenden Zahlen für ein Land der Mittelwert herangezogen wurde, und für andere Länder aus nationalen Quellen). Bei den daraus resultierenden Zahlen sind naturgemäß Faktoren wie Überstunden oder andere Formen von Freizeit und Urlaub nicht berücksichtigt. Dies sind nur grobe Schätzwerte, die jedoch einige allgemeine Feststellungen erlauben.

In der EU und in Norwegen reicht die tariflich vereinbarte reguläre Jahresarbeitszeit von knapp über 1 800 Stunden in Griechenland und Irland bis zu weniger als 1 600 Stunden in Frankreich. In Belgien war ebenfalls eine besonders lange Arbeitszeit zu verzeichnen, während die Arbeitszeit in Dänemark und den Niederlanden besonders kurz war. In Griechenland ist die durchschnittliche Jahresarbeitszeit gut 209 Stunden länger (über ein Achtel mehr) als in Frankreich; das entspricht mehr als fünf Arbeitswochen in Griechenland.

Bei der Betrachtung der Rangordnung der 16 Länder nach der Länge ihrer tariflich vereinbarten Arbeitszeit fällt auf, dass die Länder mit der längsten bzw. kürzesten Wochenarbeitszeit auch diejenigen mit der längsten bzw. kürzesten Jahresarbeitszeit sind. Einige Länder erhalten jedoch einen ganz anderen Platz in der Rangordnung, wenn man statt der Zahlen für die Wochenarbeitszeit den Maßstab der Jahresarbeitszeit anlegt. Verschiedene Länder nehmen wegen der Auswirkungen eines relativ langen Jahresurlaubs (z. B. Deutschland und Luxemburg) oder relativ zahlreicher gesetzlicher Feiertage (z. B. Finnland und Portugal) oder beidem (z. B. Italien) in der Tabelle bei der regulären Jahresarbeitszeit einen niedrigeren Platz ein als bei der regulären Wochenarbeitszeit. Umgekehrt nehmen einige Länder wegen der Auswirkungen eines relativ kurzen Jahresurlaubs (z. B. Schweden) oder eines relativ kurzen Jahresurlaubs und einer relativ geringen Anzahl an Feiertagen (z. B. Norwegen und das Vereinigte Königreich) in der Tabelle bei der regulären Jahresarbeitszeit einen höheren Platz ein als bei der regulären Wochenarbeitszeit.

Die Gesamtzahl der tariflich vereinbarten Jahresurlaubstage und der gesetzlichen Feiertage reicht in der EU und in Norwegen von 40 Tagen in Italien bis zu 29 Tagen in Irland, was einer Differenz von fast 40 % oder mehr als zwei Arbeitswochen entspricht. Zu den Ländern mit besonders langem Urlaub gehören Deutschland, die Niederlande und Dänemark, zu den Ländern mit besonders kurzem Urlaub Belgien (hier wird aber vom gesetzlichen Jahresurlaub ausgegangen, weil keine Zahlen für den tariflich vereinbarten Urlaub vorliegen), das Vereinigte Königreich und Griechenland. Interessant ist die große Spannweite bei der Zahl der gesetzlichen Feiertage, die von 13 im Jahr in Österreich, Portugal und Spanien bis zu lediglich acht in den Niederlanden bzw. neun in Irland und Großbritannien reicht.

Was die Kandidatenländer anbelangt, liegen nur für Ungarn und die Slowakei Daten vor. Die tarifliche reguläre Jahresarbeitszeit in diesen Ländern (und insbesondere in der Slowakei) ist länger als in den EU-Mitgliedstaaten und Norwegen (in beiden Fällen wird allerdings der Wert für den gesetzlichen Jahresurlaub verwendet, weil keine Zahlen für den tariflichen Urlaub vorliegen), wenn auch nicht viel länger als in Ländern wie Griechenland und Irland. Sie liegt in der Slowakei ca. 10 % und in Ungarn 7 % über dem Durchschnitt der EU und Norwegens. Die hohen Zahlen resultieren sowohl aus der relativ langen regulären Wochenarbeitszeit als auch der relativ geringen Zahl von Urlaubstagen. (Mark Carley, SPIRE Associates)

Tabelle 7. Tariflich vereinbarte durchschnittliche reguläre Jahresarbeitszeit, 2002
Land A. Wochen- arbeitszeit B. Wochen- arbeitszeit (Ax52) C. Jahresurlaub (Tage) D. Gesetzliche Feiertage (Tage) E. Alle Urlaubs- u. Feiertage (C D) in Stunden F. Jahres- arbeitszeit in Stunden(B-E)
Slowakei 40,9 2 126.8 20,0* 10,0 245,4 1 881,4
Ungarn 40,0 2 080,0 20,0* 12,0 256,0 1 824,0
Griechenland 40,0 2 080,0 23,0 11,0 272,0 1 808,0
Irland 39,0 2 028,0 20,0 9,0 226,2 1 801,8
Belgien 39,0 2 028,0 20,0* 10,0 234,0 1 794,0
Finnland 39,3 2 043,6 25,0 12,0 290,8 1 752,8
Schweden 38,8 2 017,6 25,0 11,0 279,4 1 738,2
Portugal 39,0 2 028,0 24,5 13,0 292,5 1 735,5
Spanien 38,5 2 002,0 22,0* 13,0 269,5 1 732,5
Luxemburg 39,0 2 028,0 28,0 10,0 296,4 1 731,6
Österreich 38,5 2 002,0 25,0 13,0 292,6 1 709,4
Norwegen 37,5 1 950,0 25,0 10,0 262,5 1 687,5
Vereinigtes Königreich 37,2 1 934,4 24,5 9,0** 249,2 1 685,2
Italien 38,0 1 976,0 28,0 12,0 304,0 1 672,0
Deutschland 37,7 1 960,4 29,1 10,5 298,6 1 661,8
Dänemark 37,0 1 924,0 29,0 9,5 284,9 1 639,1
Niederlande 37,0 1 924,0 3,.3 8,0 290,8 1 633,2
Frankreich 35,7 1 856,4 25,0 11,0 257,0 1 599,4
Durchschnitt 38,5 2 002,0 24,7 10,8 273,4 1 728,6
Durchschnitt EU und Norwegen 38,2 1 986,4 25,3 10,8 275,8 1 710,6

Quelle: EIRO. * Gesetzlicher Jahresurlaub; ** nur Großbritannien - 2002 ein zusätzlicher Tag, Regel ist 8.

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