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Entwicklungen im Bereich des Arbeitskampfes - 1998-2002

Published: 25 June 2003

Arbeitskämpfe - Streiks, Aussperrungen usw. - sind einer der vorrangigsten Aspekte von Arbeitsbeziehungen, nicht zuletzt in Bezug auf ihre Behandlung in den Medien sowie hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die und ihre Beachtung in der Öffentlichkeit. In manchen Quellen werden Arbeitskämpfe als wichtiger Indikator für das Funktionieren von Systemen im Bereich der Arbeitsbeziehungen betrachtet, wobei Arbeitskämpfe zum Teil als Zeichen für die Fehlfunktion eines Systems betrachtet werden, während sie von anderen als ein ralativ normales Merkmal eines gesunden und gut funktionierenden Systems angesehen werden. Im Juni 2001 veröffentlichte die Europäische Kommission eine Mitteilung über Beschäftigungs- und Sozialpolitik: ein Konzept für Investitionen in Qualität [1]. In diesem Dokument werden Wege und Möglichkeiten zur Förderung der 'Qualität' in der Beschäftigungs- und Sozialpolitik vorgeschlagen; es enthält ferner Vorschläge für eine Reihe von Indikatoren zur Messung dieser Qualität. Einer der unter 'Sozialer Dialog und Arbeitnehmermitbestimmung' aufgeführten Indikatoren sind 'durch Arbeitskämpfe verlorene Arbeitstage'.[1] http://europa.eu.int/comm/employment_social/news/2001/sep/quality_de.pdf

In diesem Bericht werden Entwicklungen im Bereich des Arbeitskampfes in der gesamten Europäischen Union - sowie in Norwegen, Ungarn, Polen und der Slowakei - im Zeitraum 1998-2002 zusammengefasst. Hinsichtlich des Ausmaßes von Arbeitskämpfen sind beträchtliche Unterschiede zwischen den Ländern festzustellen, obwohl der Umfang bei historischer Betrachtungsweise im Allgemeinen gering ist. Verkehr und Kommunikation, dicht gefolgt von Industrie/verarbeitendem Gewerbe (wobei die Metallverarbeitung besonders auffällig ist), sind die am stärksten von Konflikten betroffenen Sektoren, gefolgt vom allgemeinen öffentlichen Sektor (insbesondere Gesundheit/Sozialarbeit und Bildung). Die am weitesten verbreitete Ursache für Arbeitskämpfe sind Kontroversen über Lohn- und Gehaltszahlungen.

Arbeitskämpfe - Streiks, Aussperrungen usw. - sind einer der vorrangigsten Aspekte von Arbeitsbeziehungen, nicht zuletzt in Bezug auf ihre Behandlung in den Medien sowie hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die und ihre Beachtung in der Öffentlichkeit. In manchen Quellen werden Arbeitskämpfe als wichtiger Indikator für das Funktionieren von Systemen im Bereich der Arbeitsbeziehungen betrachtet, wobei Arbeitskämpfe zum Teil als Zeichen für die Fehlfunktion eines Systems betrachtet werden, während sie von anderen als ein ralativ normales Merkmal eines gesunden und gut funktionierenden Systems angesehen werden. Im Juni 2001 veröffentlichte die Europäische Kommission eine Mitteilung über Beschäftigungs- und Sozialpolitik: ein Konzept für Investitionen in Qualität. In diesem Dokument werden Wege und Möglichkeiten zur Förderung der 'Qualität' in der Beschäftigungs- und Sozialpolitik vorgeschlagen; es enthält ferner Vorschläge für eine Reihe von Indikatoren zur Messung dieser Qualität. Einer der unter 'Sozialer Dialog und Arbeitnehmermitbestimmung' aufgeführten Indikatoren sind 'durch Arbeitskämpfe verlorene Arbeitstage'.

Das Ziel dieses Berichts des Europäischen Observatoriums für die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen (European Industrial Relations Observatory - EIRO) besteht darin, allgemeine Tendenzen im Bereich des Arbeitskampfes während des Fünfjahreszeitraums 1998-2002 aufzuzeigen, und zwar in den Mitgliedstaaten der EU, Norwegen und - erstmalig - drei der Kandidatenländer, die der EU im Jahr 2004 beitreten werden, nämlich Ungarn, Polen und die Slowakei.

Arbeitskämpfe sind ein Bereich, in dem internationale Vergleiche bekanntermaßen schwierig sind. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die Art und Weise der Erstellung von Statistiken von Land zu Land sehr verschieden ist, wobei sich die Definition der erfassten Arbeitskämpfe beträchtlich unterscheidet und die Daten von einer Vielzahl offizieller und anderer Stellen gesammelt werden. Beispielsweise können sich die Kriterien für die Aufnahme in die Statistiken in Bezug auf folgende Faktoren unterscheiden: Länge des Arbeitskampfes, bevor dieser erfasst wird; Anzahl der Arbeitnehmer, die teilnehmen müssen, damit der Arbeitskampf erfasst wird; Art des Arbeitskampfes; oder ob es sich dabei um einen offiziellen oder einen inoffiziellen Arbeitskampf handelt. In einigen Ländern werden die durch einen Arbeitskampf verlorenen Stunden gemessen, während in anderen Ländern die Tage gemessen werden. Einige Länder scheinen keinerlei Statistiken für einige der Indikatoren für Arbeitskämpfe zu erstellen. In Anerkennung dieser Probleme verabschiedete im Jahr 1993 die internationale Konferenz der Arbeitsstatistiker (International Conference of Labour Statisticians) der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organisation) eine Resolution, in der eine einheitliche Gruppe von Definitionen für die Erfassung von Statistiken im Zusammenhang mit Arbeitskampfmaßnahmen festgelegt wurde, jedoch scheint diese Resolution nicht in allen Mitgliedstaaten der EU übernommen worden zu sein.

Diese Probleme sollten bei der Lektüre dieses Berichts berücksichtigt werden, und die Anmerkungen zu den Tabellen sollten eingehend gelesen werden. Unser Ziel besteht darin, einige allgemeine Daten zu den jüngsten Entwicklungen zu liefern und dabei auf die mit Vergleichen verbundenen Fallstricke hinzuweisen. Aus Platzgründen und weil unser Ziel nicht darin besteht, einen statistischen Leitfaden zu erstellen, geben wir keine umfassenden Definitionen der Art und Weise, wie die Zahlen für die einzelnen Länder gewonnen werden, sondern weisen nur auf die Probleme hin.

Basisindikatoren für Arbeitskämpfe

Die Tabellen 1 bis 3 unten enthalten für die EU-Mitgliedstaaten und Norwegen Informationen zu drei Basisindikatoren für Arbeitskämpfe: die Anzahl der durch Arbeitskämpfe verlorenen Arbeitstage; die Anzahl der an Arbeitskämpfen beteiligten Arbeitnehmer; und die Anzahl von Arbeitskämpfen. Erfasst wird der Zeitraum von 1998 bis 2002, obwohl in den meisten Ländern die Zahlen für 2002 Anfang 2003 noch nicht verfügbar sind, oder nur partielle Zahlen erhältlich sind. Die Daten einiger Länder sind sehr lückenhaft und werden oftmals erst beträchtliche Zeit nach dem jeweiligen Jahr veröffentlicht. Es ist anzumerken, dass aus nationalen Quellen keine geschlechterspezifischen Daten zu Arbeitskämpfen verfügbar sind.

Tabelle 1. Durch Arbeitskämpfe verlorene Arbeitstage, 1998-2002
. 1998 1999 2000 2001 2002 (nur partielle Zahlen - siehe Anmerkungen)
Österreich 0 0 2.947 0 10.000 - 20.000
Belgien 87.435 26.382 25.482 142.617 k. A.
Dänemark 3.173.000 91.800 124.800 59.500 k. A.
Finnland 133.203 18.953 253.838 60.645 k. A.
Frankreich 353.176 573.561 809.860 703.586 k. A.
Deutschland 16.000 79.000 11.000 27.000 k. A.
Griechenland 189.400 5.700* k. A. k. A. 102.100
Ungarn 3.911 176.300 636.267 11.676 k. A.
Irland 37.374 215.587 97.046 114.613 17.902
Italien 580.429 909.143 884.143 878.286 4.066.143
Luxemburg 19.860 0 2.000 0 500
Niederlande 33.200 75.800 9.400 45.100 k. A.
Norwegen 286.407 7.148 496.568 619 k. A.
Polen 42.741 106.893 74.266 4.200 k. A.
Portugal 94.755 67.480 40.545 k. A. k. A.
Slowakei k. A. 0 0 0 0
Spanien 1.263.500 1.477.500 3.577.300 1.917.000 k. A.
Schweden 1.677 78.735 272 11.098 838
UK 282.000 242.000 499.000 525.000 892.800

Quelle: EIRO; * nur die ersten fünf Monate des Jahres.

Die Zahlen in Tabelle 1 sollten zusammen mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: Zahlen vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) und von der Arbeiterkammer; die Zahl für 2002 ist ein Schätzwert.

  • Belgien: Zahlen vom nationalen Institut für Statistik (Institut National de Statistique/Nationaal Instituut voor de Statistiek, INS/NIS), basierend auf Daten vom Nationalen Sozialversicherungsamt (Office national de sécurité sociale/Rijksdienst voor Sociale Zekerheid, ONSS/RSZ) für Tage, an denen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer aufgrund von Streiks und Aussperrungen nicht gearbeitet haben;

  • Dänemark: Die Zahlen, von Statistics Denmark, beziehen sich auf alle Streitigkeiten.

  • Finnland: Zahlen aus den Statistiken über Arbeitskämpfe von Statistics Finland.

  • Frankreich: Zahlen vom Amt für Forschung und Statistik des Arbeitsministeriums (Direction de l'animation de la recherche, des études et des statistiques du ministère de l'Emploi, DARES) und von regionalen Arbeitsämtern.

  • Deutschland: Zahlen vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung.

  • Griechenland: Das Arbeitsministerium gibt Zahlen in verlorenen Stunden anstatt in verlorenen Tagen an - 1.515.347 im Jahr 1998, 45.618 im Jahr 1999 (erste fünf Monate) und 816.913 im Jahr 2002 (erste sechs Monate); die Zahlen in der Tabelle sind eine grobe Schätzung, die auf der Annahme eines 8-Stunden-Tages basiert; dem Ministerium zufolge ist die mangelnde oder begrenzte Verfügbarkeit für bestimmte Jahre auf Probleme bei der Erfassung durch Arbeitsinspektorate auf lokaler Ebene sowie auf Personalmangel zurückzuführen.

  • Irland: Zahlen vom Zentralen Statistikamt (Central Statistical Office); die Zahl für das Jahr 2002 bezieht sich nur auf die ersten neun Monate des Jahres.

  • Italien: Zahlen vom Nationalen Statistikinstitut (Istituto Nazionale di Statistica, Istat); Die Zahl für das Jahr 2002 bezieht sich nur auf die ersten 10 Monate des Jahres; die relevanten Statistiken von Istat beziehen sich auf verlorene Arbeitsstunden, und die Zahlen in der Tabelle sind Schätzwerte, basierend auf der Annahme eines 7-Stunden-Tages; die Zahlen umfassen sowohl Konflikte 'im Zusammenhang mit dem Beschäftigungsverhältnis' als auch Konflikte 'außerhalb des Beschäftigungsverhältnisses' (d. h. politische Streiks).

  • Luxemburg: Die Zahlen sind Schätzwerte.

  • Niederlande: Zahlen vom Zentralen Statistikamt (Centraal Bureau voor de Statistiek, CBS).

  • Norwegen: Zahlen von Statistics Norway.

  • Polen: Die Zahlen vom Zentralen Statistikamt (GUS) beziehen sich auf Arbeitstage, an denen wegen der Beteiligung an Streiks nicht gearbeitet wurde.

  • Portugal: Zahlen vom Amt für Arbeits-, Beschäftigungs- und Berufsausbildungsstatistik des Ministeriums für Arbeit und Solidarität (Departamento de Estatística do Trabalho, Emprego e Formação Profissional, DETEFP).

  • Spanien: Zahlen vom Nationalen Statistikinstitut (Instituto Nacional de Estadística, INE).

  • Schweden: Zahlen vom Nationalen Amt für Vermittlung (Medlingsinstitutet).

  • UK: Die Zahlen vom Amt für nationale Statistiken (Office for National Statistics- ONS) beziehen sich auf alle durch in dem Zeitraum laufende Arbeitsniederlegungen verlorenen Arbeitstage; die Zahl für 2002 ist vorläufig und bezieht sich nur auf die ersten neun Monate des Jahres.

Tabelle 2. Anzahl der an Arbeitskämpfen beteiligten Arbeitnehmer, 1998-2002
. 1998 1999 2000 2001 2002 (nur partielle Zahlen - siehe Anmerkungen)
Österreich 0 0 19.439 0 5.000
Belgien 22.060 13.669 12.417 58.460 k. A.
Dänemark 502.258 75.170 75.656 54.752 k. A.
Finnland 35.380 14.993 84.092 21.715 k. A.
Frankreich 122.533 180.154 224.815 176.751 k. A.
Deutschland 4.000 199.000 7.000 61.000 k. A.
Griechenland 214.546 4.411* k. A. k. A. 103.294
Ungarn 9.600 16.500 40.111 23.135 k. A.
Irland 8.060 36.505 28.192 32.168 3.865
Italien 435.000 935.058 687.000 902.577 4.713.496
Luxemburg 17.430 0 250 0 100
Niederlande 30.800 58.900 10.300 37.400 k. A.
Norwegen 26.950 651 93.889 29 k. A.
Polen 16.907 27.149 7.858 1.400 k. A.
Portugal 44.246 33.532 38.830 k. A. k. A.
Slowakei k. A. 0 0 0 0
Spanien 671.900 1.125.100 2.061.300 1.242.500 k. A.
Schweden 570 9.841 163 9.831 711
UK 93.000 141.000 183.000 180.000 841.800

Quelle: EIRO; * nur für die ersten fünf Monate des Jahres.

Quellen und Anmerkungen wie zu Tabelle 1, mit folgenden Zusatzkommentaren

  • Österreich: Die Zahl für 2002 ist ein Schätzwert.

  • Griechenland: Die Zahl für 2002 gilt nur für die ersten sechs Monate.

  • Irland: Die Zahl für 2002 gilt nur für die ersten neun Monate des Jahres.

  • Italien: Die Zahl für 2002 gilt nur für die ersten 10 Monate des Jahres.

  • UK: Die Zahl für 2002 ist vorläufig und gilt nur für die ersten neun Monate des Jahres.

Tabelle 3. Anzahl von Arbeitskämpfen, 1998-2002
. 1998 1999 2000 2001 2002 (nur partielle Zahlen - siehe Anmerkungen)
Österreich 0 0 2 0 3
Belgien 485 64 75 135 k. A.
Dänemark 1.257 1.079 1.081 954 k. A.
Finnland 98 65 86 84 k. A.
Frankreich 1.307 1.398 1.563 1.089 k. A.
Griechenland 38 15* k. A. k. A. 23
Irland 34 32 39 26 26
Italien 1.103 753 964 683 485
Luxemburg 2 0 1 0 1
Niederlande 22 24 23 16 k. A.
Norwegen 36 15 29 3 k. A.
Polen 37 920 44 11 k. A.
Portugal 227 200 250 k. A. k. A.
Slowakei k. A. 0 0 0 0
Spanien 618 739 727 729 k. A.
Schweden 13 10 2 20 12
UK 166 205 212 194 151

Quelle: EIRO; * nur für die ersten fünf Monate des Jahres.

Quellen und Anmerkungen wie zu Tabelle 1, mit folgenden Zusatzkommentaren.

  • Österreich: Die Zahlen sind Schätzwerte.

  • Griechenland: Die Zahl für 2002 gilt nur für die ersten sechs Monate.

  • Irland: Die Zahl für 2002 gilt nur für die ersten neun Monate des Jahres.

  • Italien: Die Zahl für 2002 gilt nur für die ersten 10 Monate des Jahres.

  • UK: Die Zahl für 2002 ist vorläufig und gilt nur für die ersten neun Monate des Jahres.

Zu den beachtenswerten Punkten, die durch die Tabellen deutlich gemacht werden, gehören:

  • das sehr geringe Ausmaß von Arbeitskämpfen - in einigen Jahren sogar das Fehlen von Arbeitskämpfen - in Österreich, Luxemburg und der Slowakei;

  • die Tatsache, dass Zunahmen bei den Arbeitskampfmaßnahmen oftmals dem Verlauf des Verhandlungszyklus folgen. Beispielsweise spiegeln sich die Mehrjahreszyklen in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden in den Zahlen zu Arbeitskämpfen wider, wobei es in den Jahren großmaßstäblicher Verhandlungsrunden zu Zunahmen kommt;

  • das Fehlen durchgängiger Tendenzen in den meisten Ländern, mit Zahlen, die oftmals von Jahr zu Jahr steigen oder fallen. Diese jährlichen Schwankungen können enorm sein - wobei die Länder vor und nach Jahren mit Arbeitskampfmaßnahmen von vergleichsweise geringeren Ausmaßen Spitzenwerte bei den Arbeitskämpfen erleben; hierzu gehören Dänemark im Jahr 1998, Finnland im Jahr 2000, Ungarn im Jahr 2002, Irland im Jahr 1999, Italien im Jahr 2002, Norwegen im Jahr 2000, Spanien im Jahr 2000 und Schweden im Jahr1999. Zu den wenigen Ländern, in denen eine Art von allgemeiner Tendenz erkennbar ist, gehören Portugal, wo das Ausmaß von Arbeitskämpfen im Zeitraum 1998-2000 kontinuierlich gesunken ist, Polen, wo das Ausmaß seit 1999 sinkt, und das UK, wo das Ausmaß seit 1999 steigt; und

  • die sehr verschiedenen Bilder in den (größenmäßig) annähernd vergleichbaren 'fünf großen' EU-Mitgliedstaaten - Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und UK. In Frankreich, Italien und besonders in Spanien ist das Ausmaß von Arbeitskampfmaßnahmen beträchtlich höher als (insbesondere) in Deutschland und im UK - obwohl das letztgenannte Land aufzuholen 'scheint'.

Die Zahlen in den Tabellen 1 bis 3 geben gewisse Hinweise auf Tendenzen in einzelnen Ländern, aber sie eignen sich wenig für den Zweck internationaler Vergleiche. Die sehr unterschiedlichen Größen der Länder bedeuten, dass die absoluten Zahlen nur in sehr geringem Maße auf das Ausmaß schließen lassen, in dem es in den Ländern im Vergleich zu anderen Ländern zu Streiks oder anderen Arbeitskampfmaßnahmen kommt. Das einzige Maß, das einen derartigen Vergleich zulässt, ist die Anzahl der je 1.000 Arbeitnehmer vorlorenen Arbeitstage. Tabelle 4 enthält Daten zu diesem Indikator (in vielen Fällen basierend auf Schätzungen).

Tabelle 4. Durch Arbeitskämpfe verlorene Arbeitstage je 1.000 Arbeitnehmer, 1998-2002
. 1998 1999 2000 2001 2002 (nur partielle Zahlen - siehe Anmerkungen)
Österreich 0 0 0,9 0 k. A.
Belgien 25,5 7,7 7,4 41,7 k. A.
Dänemark 1.281,5 37,1 50,4 24,0 k. A.
Finnland 60,0 8,0 109,0 26,0 k. A.
Frankreich 23,0 38,0 54,0 34,0 k. A.
Deutschland 0,6 2,6 0,4 0,9 k. A.
Griechenland 80,3 5,8* k. A. k. A. 86,6*
Ungarn 1,1 46,3 195,5 3,5 k. A.
Irland 26,6 153,3 69,0 81,5 17,0*
Italien 28,2 43,6 41,7 40,6 185,3
Luxemburg 86,3 0 8,7 0 2,2
Niederlande 4,7 10,6 1,3 6,3 k. A.
Norwegen 138,8 3,4 236,6 0,3 k. A.
Polen 6,4 17,3 26,0 k. A. k. A.
Portugal 26,1 18,6 11,2 k. A. k. A.
Slowakei k. A. 0 0 0 0
Spanien 119,4 129,6 292,5 151,0 k. A.
Schweden 0,5 21,5 0,1 3,0 0,2
UK 11,0 10,0 20,0 20,0 45,0*

Quelle: EIRO; * jährliche Extrapolationen partieller Zahlen.

Bei den Zahlen für Belgien, Dänemark, Griechenland, Irland, die Niederlande, Portugal und Schweden handelt es sich um grobe Schätzwerte, die durch Division der Gesamtzahl der verlorenen Arbeitstage durch die Anzahl der Arbeitnehmer (gemäß Angaben in der Arbeitskräfteerhebung 2001 von Eurostat) errechnet wurden. Ansonsten gelten dieselben Quellen und Anmerkungen wie zu Tabelle 1, mit den folgenden Zusatzkommentaren.

  • Frankreich: Die Zahl stellt die Anzahl von Streiktagen je 1.000 Arbeitnehmer dar, basierend auf den Arbeitskräftezahlen von UNEDIC für das vorige Jahr.

  • Griechenland: Die Zahlen für 1999 und 2002 sind Extrapolationen von Zahlen für die ersten fünf Monate beziehungsweise die ersten sechs Monate

  • Irland: Die Zahl für 2002 ist nur eine Extrapolation der Zahl für die ersten neun Monate des Jahres.

  • Italien: Die Zahl für 2002 gilt nur für die ersten 10 Monate des Jahres.

  • Spanien: Die von INE verfügbaren Zahlen beziehen sich nur auf bei Arbeitskämpfen im Rahmen von Tarifverhandlungen verlorene Arbeitstage; die Zahlen in der Tabelle sind Schätzwerte für alle verlorenen Tage.

  • UK: Die Zahl für 2002 ist nur eine Extrapolation der vorläufigen Zahl für die ersten neun Monate des Jahres.

Abbildung 1 enthält die Durchschnittswerte für durch Arbeitskämpfe verlorene Arbeitstage je 1.000 Arbeitnehmer im Zeitraum 1998-2001 (für die Aufnahme von 2002 stehen unzureichende Daten zur Verfügung).

Abbildung 1. Durch Arbeitskämpfe verlorene Arbeitstage je 1.000 Arbeitnehmer, Jahresdurchschnitt 1998-2001

Abbildung 1. Durch Arbeitskämpfe verlorene Arbeitstage je 1.000 Arbeitnehmer, Jahresdurchschnitt 1998-2001

* Durchschnittswert von nur zwei Jahren; ** Durchschnittswert von nur drei Jahren; *** Durchschnittswert.

Quelle: EIRO.

Im Durchschnitt waren im Zeitraum 1998-2001 die Arbeitskämpfe größten Ausmaßes in Dänemark (462 verlorene Tage je 1.000 Arbeitnehmer) und Spanien (173 verlorene Tage) zu verzeichnen, die Arbeitskämpfe geringsten Ausmaßes in Österreich (0,2 verlorene Tage) und der Slowakei (keine verlorenen Tage). Der allgemeine Durchschnittswert für alle Länder lag bei 60,6 verlorenen Tagen, wobei derjenige für die EU und Norwegen mit 67,1 verlorenen Tagen etwas höher lag. Für diesen Vierjahreszeitraum können die Länder in drei Gruppen unterteilt werden:

  • Länder mit geringem Ausmaß an Arbeitskämpfen, in denen der Durchschnittswert unter 20 verlorenen Arbeitstagen pro Jahr je 1.000 Arbeitnehmer lag - Österreich, Deutschland, Niederlande, Polen, Portugal, Slowakei, Schweden und UK;

  • Länder mit mäßigem Ausmaß an Arbeitskämpfen, in denen der Durchschnittswert zwischen 20 und 70 verlorenen Arbeitstagen pro Jahr je 1.000 Arbeitnehmer lag - Belgien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Italien und Luxemburg; und

  • Länder mit relativ großem Ausmaß an Arbeitskämpfen, in denen der Durchschnittswert bei mehr als 70 verlorenen Arbeitstagen pro Jahr je 1.000 Arbeitnehmer lag - Dänemark, Irland, Norwegen und Spanien.

Die Zahlen für einen solch kurzen Zeitraum können jedoch kein angemessenes Bild der nationalen Situationen und Tendenzen liefern. Insbesondere die sehr hohe Zahl für Dänemark im Jahr 1998 (fast 1.300 verlorene Arbeitstage je 1.000 Arbeitnehmer), die aus einem großen Arbeitskampf im privaten Sektor im Zusammenhang mit neuen Tarifverträgen (DK9805168F) resultierte, verzerrt sowohl die dänischen Zahlen als auch den allgemeinen Durchschnittswert. Im Zeitraum 1999-2001 betrug der Jahresdurchschnitt in Dänemark nur 37,2 verlorene Arbeitstage, wodurch das Land in die Kategorie mit mäßigem Ausmaß an Arbeitskämpfen fällt. Bleiben die 'einmaligen' Ereignisse in Dänemark im Jahr 1998 bei der Berechnung des allgemeinen Durchschnittswerts für alle Länder unberücksichtigt, sinkt dieser Durchschnittswert von 60,8 Tagen auf 38,5 Tage. Es gibt auch andere Fälle, bei denen im Vergleich mit den anderen untersuchten Jahren in einem bestimmten Jahr ein ungewöhnlich großes Ausmaß an Arbeitskämpfen in einem Land zu verzeichnen war - beispielsweise Ungarn oder Spanien im Jahr 2000 und Luxemburg im Jahr 1998. Jedoch schien im Zeitraum 1998-2001 in Ländern wie Frankreich, Deutschland, Italien, Slowakei, Schweden und dem UK eine relative Stabilität (d. h. das Fehlen dramatischer Veränderungen zwischen aufeinanderfolgenden Jahren) die Norm zu sein.

Obwohl zwischen dem Ausmaß an Arbeitskämpfen in den verschiedenen Ländern beträchtliche Unterschiede bestehen, ist anzumerken, dass das Ausmaß an Arbeitskämpfen in der gesamten EU im Vergleich zu vorhergehenden Jahren allgemein gering ist. In der ersten Hälfte der achtziger Jahre (gemäß Zahlen von Eurostat) gab es in Ländern wie Griechenland, Irland, Italien, Spanien und dem UK jährlich durchschnittlich mehr als 400 verlorene Arbeitstage je 1.000 Arbeitnehmer, während der Durchschnitt in Dänemark, Frankreich, Luxemburg und Portugal bei mehr als 100 verlorenen Arbeitstagen lag. Während das Ausmaß an Arbeitskampfmaßnahmen allgemein in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre sank, lag es in Griechenland und Spanien im Durchschnitt noch immer bei mehr als 600 verlorenen Arbeitstagen jährlich, während es in Irland, Italien und dem UK bei durchschnittlich mehr als 100 verlorenen Arbeitstagen lag. Die späten neunziger Jahre und die ersten Jahre des neuen Jahrtausends waren somit in vielen Ländern eindeutig ein Zeitraum relativen Arbeitsfriedens.

Am stärksten betroffene Sektoren

Arbeitskämpfe sind selten gleichmäßig auf die Wirtschaft verteilt, sondern konzentrieren sich oftmals auf bestimmte Sektoren, und zwar entweder allgemein oder in bestimmten Jahren. Tabelle 5 enthält für den Zeitraum 1998-2002 die in den einzelnen Jahren durch Arbeitskämpfe am stärksten betroffenen drei Sektoren (es sind nicht in allen Fällen für sämtliche Jahre Daten verfügbar) in jedem der 15 Länder, für die Informationen verfügbar sind; ferner enthält sie den Prozentsatz jedes Sektors an den insgesamt durch Arbeitskämpfe verlorenen Arbeitstagen (sofern verfügbar).

Tabelle 5. Am stärksten durch Arbeitskämpfe betroffene Sektoren, 1998-2002
Land 1 2 3
Österreich . . .
1998 - - -
1999 - - -
2000 Bundesbahn. Kommunalverkehr -
2001 - - -
2002 Staatliche Busgesellschaft Bildung .
Dänemark . . .
1998 Industrie (48 %) Bauwesen (18 %) Verkehr (13 %)
1999 Industrie (64 %) Kommunalverwaltung (22 %) Verkehr (7 %)
2000 Industrie (56 %) Kommunalverwaltung (18 %) Verkehr (14 %)
2001 Industrie (68 %) Verkehr (10 %) Kommunalverwaltung (8 %)
Finnland . . .
1998 Öffentliche Ordnung und Sicherheit Verarbeitendes Gewerbe Verkehr
1999 Verarbeitendes Gewerbe Verkehr -
2000 Verarbeitendes Gewerbe Verkehr Forstwirtschaft
2001 Gesundheitswesen Verarbeitendes Gewerbe Verkehr
Deutschland . . .
1998 Metallverarbeitung (30 %) Verkehr (21 %) Holzindustrie (12 %)
1999 k. A. k. A. k. A.
2000 Abfallentsorgung (27 %) Druckereiwesen (24 %) Einzelhandel (18 %)
2001 Metallverarbeitung (75 %) Verkehr / Kommunikation (18 %) Einzelhandel (4 %)
Ungarn . . .
1998 Verarbeitendes Gewerbe - -
1999 Verkehr - -
2000 Verkehr - -
2001 Gesundheitswesen Öffentlicher Dienst -
Irland . . .
1999 Pflege (80 % ) - -
2000 Verkehr Unterricht Pflege
2001 Unterricht (65 %) Verkehr / Kommunikation (14 %) Verarbeitendes Gewerbe (13 %)
2002 (erste neun Monate) Verarbeitendes Gewerbe (14 %) Gesundheit / Sozialarbeit (6 %) -
Italien* . . .
1998 Metallverarbeitung Verkehr Chemikalien / Gummi
1999 Metallverarbeitung Handel Verkehr
2000 Verkehr Metallverarbeitung Bildung
2001 Metallverarbeitung Verkehr Handel
2002 (erste 10 Monate) Metallverarbeitung Verkehr Banken / Versicherungen
Luxemburg . . .
1998 Eisenbahn Öffentlicher Dienst -
1999 - - -
2000 Sicherheit - -
2001 - - -
2002 Verkehr - -
Niederlande . . .
1998 Bildung (67 %) Verwaltung (24 %) Industrie (7 %)
1999 Bildung (58 %) Bauwesen (23 %) Verwaltung (12 %)
2000 Industrie (36 %) Verkehr / Kommunikation (35 %) Verwaltung und Bildung (28 %)
2001 Nicht-kommerzielle Dienstleistungen (52 %) Kommerzielle Dienstleistungen (29 %) Industrie und Bauwesen (19 %)
Norwegen . . .
1998 Verkehr / Lagerwesen / Kommunikation (56 %) Gesundheit/Sozialarbeit (16 %) Bildung (12 %)
1999 Bergbau / Steinbruchbetrieb (43 %) Verkehr/Lagerwesen/Kommunikation (24 %) Groß- und Einzelhandel / Reparaturen (11 %)
2000 Verarbeitendes Gewerbe (58 %) Bauwesen (19 %) Gesundheit / Sozialarbeit (11 %)
2001 Hotels / Restaurants (84 %) Verarbeitendes Gewerbe (16 %) -
Polen . . .
1999 Bildung (96 % der Streiks) Verarbeitendes Gewerbe (2 % der Streiks) Verkehr / Lagerwesen / Kommunikation (1% der Streiks)
2000 Gesundheit / Sozialarbeit (77 % der Streiks) Verkehr / Lagerwesen / Kommunikation (9 % der Streiks) Verarbeitendes Gewerbe (9 % der Streiks)
Portugal . . .
1998-2000 Verkehr - -
Spanien . . .
1998 Industrie Bauwesen Dienstleistungen
1999 Dienstleistungen Industrie Bauwesen
2000 Bauwesen Dienstleistungen Industrie
2001 Industrie Bauwesen Dienstleistungen
Schweden . . .
1998 Bauwesen - -
1999 Verkehr - -
2000 Apotheken - -
2001 Bauwesen Verkehr -
UK . . .
1998 Verkehr / Lagerwesen / Kommunikation (49 %) Herstellung von Transportmitteln (10 %) Öffentliche Verwaltung (10 %
1999 Herstellung von Transportmitteln (20 %) Bauwesen (19 %) Verkehr / Lagerwesen / Kommunikation (13 %)
2000 Verkehr / Lagerwesen / Kommunikation (20 %) Gesundheit / Sozialarbeit (12 %) Öffentliche Verwaltung (9 %)
2001 Gesundheit / Sozialarbeit (25 %) Verkehr / Lagerwesen / Kommunikation (23 %) Öffentliche Verwaltung (14 %)
2002 (erste neun Monate) Öffentliche Verwaltung (39 %) Bildung (35 %) Gesundheit / Sozialarbeit (15 %)

Quelle: EIRO. * Die Zahlen beziehen sich nur auf wegen Konflikten im Zusammenhang mit dem Beschäftigungsverhältnis verlorene Arbeitstage. Anmerkungen - siehe Tabelle 1 weiter oben.

In sämtlichen erfassten Ländern (und unter Berücksichtigung abweichender Sektordefinitionen) war der im Zeitraum 1998-2002 am stärksten von Arbeitskämpfen betroffene Sektor vermutlich Verkehr und Kommunikation, dicht gefolgt von Industrie/verarbeitendem Gewerbe (wobei die Metallverarbeitung innerhalb dieser Kategorie am auffälligsten war). Der durch Arbeitskämpfe am zweitstärksten betroffene Sektor war der allgemeine öffentliche Sektor (in dem Gesundheit, Sozialarbeit und Bildung am auffälligsten waren). Privatwirtschaftliche Dienstleistungen waren in den Ländern kaum unter den drei führenden Sektoren zu verzeichnen, allerdings mit Ausnahmen wie Handel/Einzelhandel in Deutschland und Italien. In einigen Ländern waren bestimmte Sektoren, die nirgendwo anders auffällig waren, in bestimmten Jahren sehr stark vertreten, beispielsweise die öffentliche Ordnung in Finnland und Bergbau/Steinbruchbetrieb (tatsächlich üblicherweise Ölförderung) in Norwegen. Obwohl aufgrund der Art der Daten eine Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Sektoren nicht immer möglich ist, scheint sich die Verteilung von Arbeitskämpfen zwischen diesen beiden Kategorien von Land zu Land beträchtlich zu unterscheiden. Beispielsweise gehören Österreich, Irland, Luxemburg, die Niederlande, Polen und Portugal zu den Ländern, in denen ein relativ hoher Anteil der am stärksten durch Streiks betroffenen Branchen dem öffentlichen Sektor angehört, während in Ländern wie Deutschland, Italien und Schweden der private Sektor auffälliger zu sein scheint.

Tabelle 5 zeigt das Ausmaß, in dem ein bestimmter Sektor die Zahlen zu Arbeitskämpfen in einem bestimmten Jahr dominieren kann. Beispielsweise war ein einziger Sektor (Industrie) für mindestens die Hälfte aller verlorenen Arbeitstage in Dänemark im Zeitraum 1999-2001 verantwortlich, in Deutschland im Jahr 2001 (Metallverarbeitung), in Irland im Jahr 1999 (Pflege) und im Jahr 2001 (Unterricht), in den Niederlanden in den Jahren 1998 und 1999 (Bildung) sowie in Norwegen in den Jahren 1998 (Verkehr/Kommunikation) und 2000 (verarbeitendes Gewerbe).

Gründe für Arbeitskämpfe

Statistiken über Arbeitskämpfe oder sonstige Quellen aus 14 Ländern ermöglichen die Ermittlung der wichtigsten Gründe für Arbeitskämpfe. Tabelle 6 enthält die drei wichtigsten Gründe für Arbeitskämpfe in diesen Ländern im Zeitraum 1998-2002 (es sind nicht in allen Fällen Daten für alle Jahre verfügbar) sowie den Prozentsatz jedes dieser Gründe an der Gesamtzahl der durch Arbeitskämpfe verlorenen Arbeitstage (sofern verfügbar).

Tabelle 6. Wichtigste Gründe für Arbeitskämpfe, 1998-2002
Land 1 2 3
Österreich . . .
1998 - - -
1999 - - -
2000 Einschnitte im Wohlfahrtssystem Änderungen des Rentensystems für Eisenbahner -
2001 - - -
2002 Umstrukturierung des öffentlichen Sektors - -
Belgien . . .
1998 Arbeitsbedingungen (84 %) Beschäftigung (12 %) Bezahlung (1 %)
1999 Beschäftigung (46 %) Bezahlung (23 %) Arbeitsbedingungen (9 %)
2000 Beschäftigung (55 %) Arbeitsbedingungen (23 %) Bezahlung (9 %)
2001 Beschäftigung (32 %) Bezahlung (18 %) Arbeitsbedingungen (6 %)
Dänemark . . .
1998 Bezahlung (36%) Betriebliche Fragen (28 %) Entlassungen (19 %)
1999 Bezahlung (49 %) Entlassungen (17 %) Betriebliche Fragen (4 %)
2000 Bezahlung (58 %) Entlassungen (7 %) Betriebliche Fragen (7 %)
2001 Bezahlung (51 %) Entlassungen (12 %) Betriebliche Fragen (6 %)
Finnland . . .
1998 Stellenabbau (31 % der Streitigkeiten) Bezahlung (21 % der Streitigkeiten) Unterstützung anderer Streitigkeiten (15 % der Streitigkeiten)
1999 Stellenabbau (38 % der Streitigkeiten) Bezahlung (25 % der Streitigkeiten) Arbeitsbedingungen (20 % der Streitigkeiten)
2000 Verhandlungen (23 % der Streitigkeiten) Bezahlung (22 %) Stellenabbau (15 %)
2001 Stellenabbau (27 %) Betriebsführung (25 %) Bezahlung (23 %)
Frankreich . . .
1998 Bezahlung Beschäftigungsstand Rechte
1999 Bezahlung Beschäftigungsstand Arbeitszeit
2000 Bezahlung Arbeitszeit Arbeitsbedingungen
2001 Bezahlung Beschäftigungsstand Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen
Ungarn . . .
1998-2001 Bezahlung - -
Irland . . .
1999-2001 Bezahlung - -
2002 (erste neun Monate) Bezahlung Umstrukturierung Beschäftigungsstand
Italien . . .
1998 Bezahlung (Unternehmensebene) (35 %) Stellenabbau und betriebsbedingte Kündigungen (19 %) Verhandlungen über Tarifverträge (13 % )
1999 Verhandlungen über Tarifverträge (70 %) Bezahlung (Unternehmensebene) (16 %) Stellenabbau und betriebsbedingte Kündigungen (3 %)
2000 Bezahlung (Unternehmensebene) (51 %) Verhandlungen über Tarifverträge (26 %) Stellenabbau und betriebsbedingte Kündigungen (8 %)
Niederlande . . .
1998 Tarifverträge (90 %) Arbeitszeit und Sonstiges (9%) -
1999 Tarifverträge (91 %) - -
2000 Tarifverträge (52 %) Arbeitszeit und Sonstiges (48 %) -
2001 Tarifverträge (77 %) - -
Norwegen . . .
1998-2001 Bezahlung - -
Portugal . . .
1998 Bezahlung (51 %) Arbeitszeit Tarifverhandlungsprozess
1999 Bezahlung (47 %) Arbeitszeit Tarifverhandlungsprozess
2000 Bezahlung (56 %) Arbeitszeit Tarifverhandlungsprozess
Spanien . . .
1998 Politische Fragen Tarifverhandlungsprozess Unfälle, Gesundheit und Sicherheit
1999 'Sonstige arbeitsrelevante Gründe' Unfälle, Gesundheit und Sicherheit Tarifverhandlungsprozess
2000 Unfälle, Gesundheit und Sicherheit Tarifverhandlungsprozess Politische Fragen
2001 Unfälle, Gesundheit und Sicherheit Tarifverhandlungsprozess Nichtbezahlung von Löhnen/Gehältern
Schweden . . .
1998 Bezahlung - -
1999 Bezahlung Arbeitsbedingungen -
2000 Bezahlung - -
2001 Bezahlung - -
UK . . .
1998 Bezahlung (33 % der Streitigkeiten) Personalplanung und Arbeitszuteilung (23 % der Streitigkeiten) Betriebsbedingte Entlassungen (13 % der Streitigkeiten)
1999 Bezahlung (30 % der Streitigkeiten) Personalplanung und Arbeitszuteilung (16 % der Streitigkeiten) Entlassung und Disziplin (16 % der Streitigkeiten)
2000 Bezahlung (34 % der Streitigkeiten) Personalplanung und Arbeitszuteilung (21 % der Streitigkeiten) Entlassung und Disziplin (16 % der Streitigkeiten)
2001 Bezahlung (26 % der Streitigkeiten) Personalplanung und Arbeitszuteilung (25 % der Streitigkeiten) Entlassung und Disziplin (20 % der Streitigkeiten)
2002 (erste neun Monate) Bezahlung (49 % der Streitigkeiten) Personalplanung und Arbeitszuteilung (18 % der Streitigkeiten) Entlassung und Disziplin sowie betriebsbedingte Entlassungen (beide 9 % der Streitigkeiten)

Quelle: EIRO. Anmerkungen - siehe Tabelle 1 weiter oben, mit Ausnahme von Dänemark, wo die Daten, die nur inoffizielle Streiks erfassen, vom dänischen Arbeitgeberverband stammen.

Es ist nicht überraschend, dass der allerwichtigste Grund für Arbeitskämpfe zweifellos die Bezahlung ist. Sie gehört in allen Ländern mit Ausnahme von Österreich, den Niederlanden und Spanien zu den wichtigsten Fragen - und in den beiden letztgenannten Fällen kann vermutlich davon ausgegangen werden, dass die Bezahlung bei vielen der Tarifstreitigkeiten eine Rolle spielt, die herausragende Gründe für Arbeitskämpfe sind. Die Bezahlung ist durchweg das herausragende Einzelthema bei Arbeitskämpfen in Dänemark, Frankreich, Ungarn, Irland, Norwegen (wo es bei den Streitigkeiten üblicherweise um die Aushandlung von Tarifverträgen geht, bei denen die Bezahlung im Allgemeinen die wichtigste einer Reihe von Fragen ist), Portugal, Schweden und dem UK sowie eine vorrangige Frage in Belgien, Finnland und Italien.

Beschäftigung ist vermutlich der zweitwichtigste Grund für Arbeitskämpfe (wie in Belgien), insbesondere wenn Entlassungen (vorrangig in Dänemark und dem UK), betriebsbedingte Entlassungen und Stellenabbau (vorrangig in Finnland und Italien) in diese Kategorie einbezogen werden. Der drittwichtigstes allgemeine Grund sind aus dem Tarifverhandlungsprozess resultierende Fragen (wie in Italien, den Niederlanden, Portugal, Spanien und Finnland) - die selbstverständlich Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Bezahlung und anderen wesentlichen Fragen umfassen können. Arbeitszeit (wie in Portugal, Frankreich und den Niederlanden) und Arbeitsbedingungen (vorrangig in Belgien und Frankreich) folgen in einem gewissen Abstand. Innerhalb dieser allgemeinen Tendenzen gibt es einige nationale Besonderheiten, beispielsweise die Vorrangigkeit von Unfällen/Gesundheit und Sicherheit sowie von politischen Fragen in Spanien oder von 'betrieblichen Fragen' in Dänemark.

Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten

Die meisten in diesem Bericht untersuchten Länder haben Verfahren zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten, die entweder auf freiwilliger Basis oder obligatorisch vom Staat oder den Sozialpartnern selbst vorgeschrieben werden. Zwar sind die Definitionen unterschiedlich, die wichtigsten Formen der Beilegung von Streitigkeiten sind jedoch:

  • Schiedsverfahren - in denen ein Dritter eine bindende Entscheidung in einer Frage trifft, über die sich die Parteien nicht einigen können;

  • Vermittlungsverfahren - in denen ein Dritter eine aktive Rolle übernimmt (stärker als im Schlichtungsverfahren) und üblicherweise Empfehlungen für die Beilegung der Streitigkeit gibt; und

  • Schlichtungsverfahren - in denen ein Dritter nur versucht, die Parteien einer Streitigkeit zusammenzubringen, und sie dabei unterstützt, eine für alle annehmbare Lösung zu finden.

Zwar praktizieren die meisten der 19 Länder eine oder mehrere dieser Formen der Beilegung von Streitigkeiten, Statistiken über ihre Anwendung sind jedoch kaum verfügbar. Die Tabellen 7 bis 9 enthalten für die kleine Zahl von Ländern, für die entsprechende Daten zur Verfügung stehen, die entsprechenden Zahlen bezüglich der Verweisung an Schieds-, Vermittlungs- und Schlichtungsstellen.

Für diejenigen Länder, in denen mehr als eine Form der Beilegung von Streitigkeiten Anwendung findet, ergibt sich folgendes Bild: in Ungarn, Norwegen und der Slowakei sind Vermittlungsverfahren verbreiteter als die Schiedsverfahren; in Irland und Portugal sind Schlichtungsverfahren verbreiteter als Schiedsverfahren; in Luxemburg sind Schlichtungsverfahren verbreiteter als Schieds- oder Vermittlungsverfahren; im UK finden Schlichtungsverfahren viel häufiger Anwendung als Schiedsverfahren, welche wiederum verbreiteter sind als Vermittlungsverfahren; und in Spanien finden Schlichtungsverfahren viel häufiger Anwendung als Vermittlungsverfahren. Insgesamt scheinen in den betreffenden Ländern Schlichtungsverfahren die am häufigsten angewandte Form der Beilegung von Streitigkeiten zu sein, gefolgt von Vermittlungsverfahren. (Mark Carley, SPIRE Associates)

Tabelle 7. Anzahl von an eine Schiedsstelle verwiesenen Streitigkeiten, 1998-2002
. 1998 1999 2000 2001 2002
Dänemark 26 23 15 20 k. A.
Ungarn 1 0 2 1 0
Irland 701 825 779 884 k. A.
Luxemburg 0 1 0 0 0
Norwegen 4 0 4 0 3
Portugal k. A. k. A. 0 0 0
Slowakei k. A. 1 (1 beigelegt) 0 2 (2 beigelegt) k. A.
UK 55 49 65 57 k. A.

Quelle: EIRO.

Die Zahlen in Tabelle 7 sind zusammen mit den folgenden Anmerkungen zu lesen.

  • Dänemark: Die Zahlen des dänischen Gewerkschaftsbundes (Landsorganisationen i Danmark, LO) beziehen sich nur auf die Tarifverhandlungszone LO/dänischer Arbeitgeberverband (Dansk Arbejdsgiverforening, DA).

  • Ungarn: Die Zahlen beziehen sich auf Schiedsverfahren der Vermittlungs- und Schiedsstelle im Bereich der Arbeit.

  • Irland: Die Zahlen beziehen sich auf Verweisungen an das Arbeitsgericht.

  • Norwegen: Die Zahlen, die von der staatlichen Vermittlungsstelle stammen, beziehen sich auf obligatorische Schiedsverfahren.

  • Portugal: Die Zahlen stammen vom Institut für die Entwicklung und Inspektion der Arbeitsbedingungen (Instituto para o desenvolvimento e Inspecção das Condições de Trabalho, IDICT).

  • UK: Die Zahlen stammen von der Beratungs-, Schlichtungs- und Schiedsstelle (Advisory, Conciliation and Arbitration Service- Acas); die Zahl für 1998 bezieht sich auf 1997-8; die Zahl für 1999 bezieht sich auf 1998-9; die Zahl für 2000 bezieht sich auf 1999-2000; die Zahl für 2001 bezieht sich auf 2000-1.

Tabelle 8. Anzahl von an eine Vermittlungsstelle verwiesenen Streitigkeiten, 1998-2002
. 1998 1999 2000 2001 2002
Ungarn 9 11 6 5 6
Luxemburg 1 0 0 0 0
Norwegen 355 240 211 265 265
Slowakei k. A. 31 (21 beigelegt) 29 (23 beigelegt) 29 (19 beigelegt) 25 (13 beigelegt)
Spanien 91 87 84 81 76
UK 8 6 1 5 k. A.

Quelle: EIRO; * nur für die ersten fünf Monate des Jahres.

Die Zahlen in Tabelle 8 sind zusammen mit den folgenden Anmerkungen zu lesen.

  • Ungarn: Die Zahlen beziehen sich auf Vermittlungsverfahren der Vermittlungs- und Schiedsstelle im Bereich der Arbeit.

  • Norwegen: Die Zahlen stammen von der staatlichen Vermittlungsstelle.

  • Spanien: EIRO-Berechnung basierend auf Zahlen vom INE; die Zahl für 2002 bezieht sich nur auf die ersten fünf Monate.

  • UK: Die Zahlen stammen von Acas; die Zahl für 1998 bezieht sich auf 1997-8; die Zahl für 1999 bezieht sich auf 1998-9; die Zahl für 2000 bezieht sich auf 1999-2000; die Zahl für 2001 bezieht sich auf 2000-1.

Tabelle 9. Anzahl von an eine Schlichtungsstelle verwiesenen Streitigkeiten, 1998-2002
. 1998 1999 2000 2001 2002
Irland 1.563 1.923 1.899 1.815 (80 % beigelegt) .
Luxemburg 4 15 7 12 15
Polen 60 75 98 64 k. A.
Portugal k. A. k. A. 118 130 k. A.
Spanien 1.596 1.306 1.070 839 391
UK 1.321 1.302 (1.059 beigelegt oder Fortschritte in Richtung Beilegung) 1.500 (1.152 beigelegt oder Fortschritte in Richtung Beilegung) 1.472 (1.226 beigelegt oder Fortschritte in Richtung Beilegung) k. A.

Quelle: EIRO.

Die Zahlen in Tabelle 9 sind zusammen mit den folgenden Anmerkungen zu lesen.

  • Irland: Die Zahlen beziehen sich auf Schlichtungsverfahren der Kommission für Arbeitsbeziehungen (Labour Relations Commission).

  • Portugal: Die Zahlen stammen von IDICT.

  • Spanien: EIRO-Berechnung basierend auf Zahlen vom INE; die Zahl für 2002 bezieht sich nur auf die ersten fünf Monate.

  • UK: Die Zahlen stammen von Acas; die Zahl für 1998 bezieht sich auf 1997-8; die Zahl für 1999 bezieht sich auf 1998-9; die Zahl für 2000 bezieht sich auf 1999-2000; die Zahl für 2001 bezieht sich auf 2000-1.

Eurofound recommends citing this publication in the following way.

Eurofound (2003), Entwicklungen im Bereich des Arbeitskampfes - 1998-2002, article.

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The tripartite EU agency providing knowledge to assist in the development of better social, employment and work-related policies